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Über Wohnraum, Bahnhof und weitere Projekte: Interview mit dem Neusässer Bürgermeister Richard Greiner

Wie gehen die Arbeiten voran? Erster Bürgermeister Richard Greiner (links) verschafft sich einen Überblick zu den Sanierungsmaßnahmen im Alten Rathaus (Foto: Stadt Neusäß)
 
Blick in die Pläne zur Sanierung der Eichenwaldschule: Erster Bürgermeister Richard Greiner (links) besichtigt die Baustelle (Foto: Stadt Neusäß)
 
Besuch aus Frankreich: Erster Bürgermeister Richard Greiner erläutert den Schülerinnen und Schüler im Sitzungssaal der Stadt Neusäß die Aufgaben einer Kommune (Foto: Stadt Neusäß)
myheimat: 2015 war das Jahr, als die Flüchtlinge kamen. 2016 das Jahr der Integration. Wie gelingt das bisher in Neusäß?

Richard Greiner: Wir sind in der glücklichen Lage, eine ganze Reihe von Bürgern zu haben, die sich in der Flüchtlingsbetreuung freiwillig engagieren und wertvolle Integrationshilfe leisten. Inzwischen sind die notwendigen öffentlichen Strukturen wie Sprach-und Integrationskurse, schulische und berufliche Qualifizierung soweit ausgebaut. In Neusäß gibt es einen hauptamtlichen „Kümmerer“ des Landratsamtes und eine Asylsozialberaterin, die professionelle Integrationsarbeit leisten. Insgesamt gelingt die Integration im Moment also recht gut.

myheimat: Neusäß mangelt es an Wohnraum, insbesondere an bezahlbarem. Derzeit wird auf dem Sailer- und dem Schuster-Areal gebaut. Können Sie uns zu beiden Projekten den aktuellen Stand der Dinge wiedergeben?

Richard Greiner: Auf der ehemaligen, inzwischen altlastenbefreiten Mineralöllagerbrache Sailer-Areal entstehen Mehrfamilienhäuser mit ca. 280 Wohnungen. Im Rahmen eines städtebaulichen Vertrages konnten wir sicherstellen, dass 40 Einheiten sozial gefördert werden und die Stadt bei der Belegung ein Mitspracherecht erhält. Das städtebauliche Planungskonzept ist beschlossen, der Erschließungsvertrag wird gerade endverhandelt und soll noch vor dem Jahreswechsel abgeschlossen werden. Der Investor wird an den s. g. „Folgekosten“ beteiligt und leistet seinen Beitrag für die Finanzierung der zu erwartenden zusätzlichen Kinderbetreuungsplätze. Die beauftragten Architekten haben die Planung für die sozial geförderten Wohnungen soweit entwickelt, dass der Förderantrag bei der Regierung eingereicht wurde und von einer Bewilligung noch im Jahr 2016 auszugehen ist. Im Moment arbeiten die Architekten und Fachplaner an den erforderlichen Unterlagen für die Baugenehmigung – geplant ist die Eingabe Anfang Januar 2017. Eine entsprechende Genehmigung vorausgesetzt, könnte im Frühjahr 2017 mit dem Bau begonnen werden.

Für das benachbarte Schuster-Areal bestehen ebenfalls sehr konkrete Planungen für hochattraktive Wohnungen in bester zentraler Lage und optimaler Anbindung an Ärzte, Kindergärten, Schulen, Bus und Bahn. Des Weiteren gibt es Planungen zum Rückbau der OMV-Tankstelle, zur Sanierung des Hotels „Neusäßer Hof“ und zur Durchwegung des Areals sowie zur Schaffung eines kleinen attraktiven Platzes. Als nächster Schritt im Verfahren kommt der Bebauungsplan Mitte Dezember 2016 in die Auslegung.

myheimat: Inwiefern ist das Schuster-Areal zudem hinsichtlich der Gestaltung der Stadtmitte interessant?

Richard Greiner: Im Jahr 2008 wurde ein städtebaulicher Ideenwettbewerb für die Stadtmitte durchgeführt. Insbesondere die Schwerpunkte des 1. Preisträgers machte der Stadtrat seitdem zur Grundlage zahlreicher Entscheidungen. Die Bauwünsche des Grundstückeigentümers haben wir jetzt zum Anlass genommen, auf der Grundlage des Siegerentwurfs aus dem Ideenwettbewerb auch einen Bebauungsplan für das Schuster-Areal zu entwickeln, der eine attraktive Entwicklung dieses Quartiers ermöglicht und die Stadtmitteentwicklung nun auch von Süden her positiv beeinflusst.

myheimat: Der Bahnhof in Neusäß bietet viel Verbesserungspotenzial: Die Bahnsteige sind zu schmal, die Unterführung hat Gruselfaktor und es fehlt an Abstellmöglichkeiten für Fahrräder und Autos. Ist 2017 Besserung in Sicht?

Richard Greiner: Verbesserungen am Haltepunkt Neusäß sind bislang deshalb nur schleppend erfolgt, weil für große bauliche Veränderungen grundlegende Informationen fehlten wie vor allem die Frage, ob zukünftig 3 oder 4 Gleise kommen? Im neuen Bundesverkehrswegeplan ab 2017 ist nun das 3. Gleis enthalten, sodass das Projekt jetzt konkret angepackt werden kann.

Um schneller wenigstens in Teilbereichen Verbesserungen zu erzielen, haben wir uns rund um den Haltepunkt ein paar Grundstücke sichern können und jetzt nach längeren Verhandlungen mit der Bahn die Erlaubnis erhalten, die Fußgänger- und Radwegunterführung zu spachteln, mit heller, freundlicher Farbe zu streichen und eine helle LED-Beleuchtung einzurichten. Das gilt aber nur für die Unterführung. Die Treppenaufgänge zu den Bahnsteigen müssen unangetastet bleiben, weil hier eine andere Bahngesellschaft zuständig ist, und uns deren Genehmigung leider nicht vorliegt.

myheimat: In Augsburg entsteht die Straßenbahnlinie 5. Was halten Sie von den Überlegungen, dass diese nach Neusäß verlängert werden könnte?

Richard Greiner: Die Idee ist es grundsätzlich wert, verfolgt zu werden, es gilt aber im Vorfeld noch einige Fragen zu klären: z. B. die bautechnische Realisierbarkeit einer verlängerten Trasse bzw. ob der Anbau West und die Parkanlage am Klinikumsgebäude eine verlängerte Trassenführung Richtung Westheimer Straße überhaupt zulassen, inwieweit die Straßenquerschnitte auf Neusässer Flur eine Trambahntrasse aufnehmen können und welche Auswirkungen auf die Wohnquartiere zu erwarten sind; ebenso die Frage, wie hoch die Förderung, Entstehungskosten und vor allem die Folgekosten für den Betrieb ausfallen und wie hoch die zu erwartende Fahrgastzahlen sind bzw. ob es möglicherweise Zielkonflikte mit den bereits bestehenden, sehr leistungsfähigen Bahnhaltepunkten in Neusäß gibt. Diese bieten inzwischen erheblich verbesserte, viertelstündliche Anbindungen an den Bahnhof Augsburg und den überregionalen Schienenverkehr und es würde keinen Sinn machen, die Frequentierung hier unter Umständen zu reduzieren und in Richtung einer teuren, erst neu zu bauenden Straßenbahnlinie zu verlagern.

myheimat: Lärm ist immer wieder ein Thema in Neusäß: mal geht es um den Rettungshubschrauber des Klinikums, mal um den geplanten Neubau der Kindertagesstätte in Steppach. Wie gelingt es, einen Interessensausgleich herzustellen?

Richard Greiner: Beim Thema Lärm stößt oft der Gegensatz zwischen Allgemeinwohl und individuellem Schutzbedürfnis aufeinander und es stimmt, man muss versuchen, beide Interessen zum fairen Ausgleich zu bringen.

Der Helikopter ist eine unverzichtbare Hilfe, um Leben zu retten und daher für die Versorgung unserer Bevölkerung und der ganzen Region lebensnotwendig. Auf unsere Initiative hin wurde ein neuerliches Lärmgutachten des TÜV Nord im Mai und Juni 2016 durchgeführt. Das Ergebnis ergab, dass die Schallwerte unter der gesundheitsgefährdenden Schwelle und auch unter den prognostizierten Werten liegen, welche die Grundlage für die Planfeststellungsgenehmigung der Plattform auf dem Dach des Klinikums und den Flugbetrieb bilden. Die Stadt Neusäß hat dann einen eigenen Fachmann beauftragt, das TÜV-Gutachten zu prüfen und unser Gutachter bestätigt dem Grunde nach die Aussagen des TÜV. Die dazu bestehenden Nachfragen haben wir mit Bitte um Beantwortung an die Klinikumsleitung weiter gegeben.

Der Neubau der Kindertagesstätte an der Kolpingstraße ist notwendig, weil die provisorische Genehmigung der Kindergartenplätze im Schulgebäude ausläuft und wir dieses Betreuungsangebot in Steppach dringend brauchen. Der Standort in zentraler, wohnortnaher Lage ist dafür ideal. Wir sind dankbar, dass uns die evangelische Gesamtkirchengemeinde ihr Grundstück zur Verfügung stellt.

myheimat: Die Stadt hat 20.000 Euro in das neue Erscheinungsbild und die Werbekampagne der acht Ortsteilfeuerwehren investiert. Warum lässt sich Neusäß das Ehrenamt so viel kosten und weckt das Begehrlichkeiten bei anderen freiwilligen Engagierten?

Richard Greiner: Bei der Feuerwehr handelt es sich um eine kommunale Pflichtaufgabe. So ist gesetzlich geregelt, dass eine Gemeinde dafür Sorge tragen muss, dass Brände bekämpft und ausreichend technische Hilfe bei sonstigen Unglücksfällen oder Notständen gewährleistet sein muss.

In den acht Feuerwehren unserer Stadt leisten die 373 Aktiven und die Jugendfeuerwehrler hervorragende Arbeit für die Sicherheit unserer Bevölkerung. Damit das auch in Zukunft so bleibt und die geforderten Aufgaben erfüllt werden können, sind unsere Feuerwehren darauf angewiesen, kontinuierlich Nachwuchs anzuwerben und auszubilden. Zudem wurde auch im Feuerwehrbedarfsplan, den 2013 ein externer Brandschutzgutachter erstellt hat, eine gezielte Feuerwehr-Kampagne zur Stärkung des ehrenamtlichen Personals vorgeschlagen. Die Stadt Neusäß unterstützt die Feuerwehren daher gerne bei ihrer Werbekampagne. Die Mittel sind gut angelegt und tragen bereits Früchte, weil einige junge Mitbürger Interesse am Feuerwehrdienst zeigen.
Für die Vereinsförderung hat der Stadtrat vor vier Jahren eine neue Förderstruktur mit erhöhten Zuschüssen beschlossen und unterstützt damit die Vereinsarbeit. Als neuen Baustein der Vereinsförderung hat der Stadtrat jetzt eine Richtlinie erarbeitet, mit der besonders die Vereine, die ein eigenes Gebäude betreiben, zusätzliche Unterstützung bekommen können.

myheimat: Vielen Dank für das Interview, Herr Greiner.
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