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Ein "strategisches Jahr"

Erster Bürgermeister Richard Greiner im Interview (Foto: Stadt Neusäß)
 
Die neue Kita St. Philippus in Steppach (Foto: Stadt Neusäß)
 
Baustelle am Schuster-Areal (Foto: Stadt Neusäß)
 
Der Baufortschritt am Sailer-Areal im Dezember 2018 (Foto: Stadt Neusäß/Michaela Axtner)

Bürgermeister Richard Greiner spricht im Interview über bauliche Entwicklungen, Kinderbetreuung und Mobilität in Neusäß

myheimat: Die Pläne rund um die neue Uniklinik beschäftigen und betreffen Neusäß besonders. Von dem Bau der Uniklinik erhofft sich die Stadt einerseits Vorteile die dabei helfen, Neusäß als Gesundheitsstandort zu etablieren. Jedoch kommen auch Herausforderungen wie ein erhöhtes Verkehrsaufkommen und ein höherer Wohnungsbedarf auf Neusäß zu. Wie geht die Stadt mit diesen Chancen und Herausforderungen um?

Richard Greiner: Wir begrüßen die positive Entwicklung am Klinikum Augsburg. Laut Prognosen werden rund 6.500 zusätzliche Arbeitsplätze und 1.500 Studenten in die Region kommen. Neue, attraktive und zukunftssichere Arbeitsplätze werden entstehen und das Projekt wird einen Wertschöpfungsschub von jährlich prognostizierten 400 Millionen Euro bringen, der nachhaltig auch in Neusäß zu spüren sein wird.
Diese positive Entwicklung bringt für uns als Kommune aber auch Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen, um für die nächsten Jahre den Spagat zwischen positivem Wachstum und Erhalt der bestehenden Lebensqualität zu meistern. Ein wichtiger Punkt hierbei ist, stets das richtige Augenmaß zu behalten und mögliche Entwicklungen immer in Relation zur Größe und Struktur unserer Stadt zu sehen.


myheimat: In Neusäß gibt es zu wenige Wohnungen. So ist ein Großteil der Wohnungen, die im ehemaligen Sailer-Areal gebaut werden, bereits ein Jahr vor der Fertigstellung verkauft. Welche anderen Neubauprojekte gibt es, um der Wohnungsknappheit entgegenzuwirken und wie sind diese mit einem moderaten Wachstum der Stadt vereinbar?

Greiner: Aktuell entstehen ja auf der Brachfläche des ehemaligen Sailer-Areals mit dem „Beethoven Park“ rund 280 neue, an die Fernwärme angebundene Wohneinheiten. Auch auf anderen innerstädtischen Brachflächen wie dem Schuster-Areal sind neue Wohneinheiten geplant, in anderen Stadtteilen haben wir eher punktuell neue Baugebiete ausgewiesen. Die Stadt Neusäß setzt so auf eine behutsame innerstädtische Nachverdichtung mit sinnvoller Ortsabrundung, was auch in der aktuellen Diskussion des Flächennutzungsplans deutlich wird. Als Planungsinstrument setzen wir bei Bauwünschen in Bestandsquartieren auf sogenannte „Einfügungsstudien“, die uns aufzeigen, wie sich ein geplantes Bauvorhaben in die Umgebung „einfügt“. So können wir im Planungsausschuss besser beurteilen, wie die Wohnqualität im Quartier langfristig erhalten bleibt, damit auch nachfolgende Generationen weiterhin „Mitten im Schönen“ wohnen können.
Bei Bauprojekten in unserer Wachstumsregion ist deshalb „Fingerspitzengefühl“ gefragt, um die Renditeerwartungen der Bauträger mit dem Allgemeinwohl und dem Charakter der Umgebung in Einklang zu bringen.

myheimat: In Neusäß werden die Flächen knapp, sowohl für Wohnraum, als auch für Gewerbegebiete und Firmen. Wo sollen in den nächsten Jahren neue Gewerbeflächen ausgewiesen werden?

Greiner: Um das Thema richtig einschätzen zu können, haben wir dieses Jahr eine detaillierte Gewerbestrukturanalyse und ein Entwicklungskonzept für den Gewerbestandort Neusäß in Auftrag gegeben.
Wir bemühen uns weiter, den langjährig in Neusäß ansässigen Unternehmen Weiterentwicklungsmöglichkeiten an unserem Standort zu ermöglichen. Deshalb streben wir langfristig eine maßvolle Ausweisung von Gewerbeflächen mit optimaler Anbindung an die Infrastruktur an der A8 an.
Im dienstleistungs- und hightech-geprägten Gesundheitssektor werden keine übermäßig großen Gewerbeflächen benötigt. Deshalb setzen wir mit diesem Gewerbe auf eine flächensparende Ansiedlungsstrategie und die Aufwertung bestehender Gewerbeflächen auch zu einem „Gesundheitsstandort Neusäß“.

myheimat: Dieses Jahr konnte die neue Kindertagesstätte St. Philippus in Steppach eröffnet werden. Damit reagierte die Stadt auf den stetig wachsenden Bedarf an Betreuungsplätzen. Welche Anforderungen muss eine neue Einrichtung wie die Kita St. Philippus erfüllen und kann Neusäß dem steigenden Bedarf auch in Zukunft gerecht werden?

Greiner: Unsere so kinder- und familienfreundliche Stadt ist stetig bemüht, ein bestmögliches Angebot an Kinderbetreuungsplätzen vorzuhalten. „Kurze Beine, kurze Wege“ ist unser Motto, weswegen wir uns jetzt über 15 dezentrale, wohnortnahe Kindergärten freuen.
Der Neubau der Kindertagesstätte St. Philippus, die wir im September feierlich einweihen konnten, ist dabei ein gut gelungenes Beispiel für die hervorragende Kooperation verschiedener Akteure: Die evangelische Kirchenstiftung St. Philippus hat uns ihr kircheneigenes Grundstück an der Kolpingstraße zur Verfügung gestellt. Die Stadt Neusäß hat hier das Baurecht geschaffen und in nur eineinhalb Jahren Bauzeit den Neubau erstellt. Besonders gut gefällt mir die freundliche, helle und kindgerechte Architektur, das Konzept von Einfachheit und Reduktion, mit dem die Kreativität der Kinder gefördert werden soll. Das ist auch das pädagogische Verständnis der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Augsburg, die mit ihrem Träger ekita.net die Betreuung im neuen Kindergarten übernommen hat.
Da die Bedarfsfeststellung ergeben hat, dass der Bedarf an Betreuungsplätzen aber weiter steigt, werden wir jetzt kraftvoll auch den Neubau eines fünfgruppigen Kindergartens an der Westheimer Straße anpacken, in welchem auch so genannte „I-Kinder“ eine Heimat finden werden. Ich bin sehr dankbar, dass wir noch Ende November den Förderbescheid und die vorzeitige Baufreigabe durch die Regierung von Schwaben erhalten haben.

myheimat: Auch bei der Schulentwicklung tut sich ja viel in Neusäß...

Greiner: Hier setzen wir unser Schulsanierungsprogramm konsequent um und konnten ja zuletzt, nach dreijähriger Generalsanierung, unsere wunderschön hergerichtete Grund- und Mittelschule Am Eichenwald wieder dem Schulbetrieb übergeben. Dabei sind wir offen für neue pädagogische Konzepte, etwa die erfolgte Einführung einer offenen Ganztagsklasse an der Eichenwaldschule oder der „Flexiblen Grundschule“ in Steppach und St. Ägidius.
Der nächste und letzte Schritt bei unserem Schulsanierungsprogramm wird die Grundschule Westheim sein. Hier laufen gerade die konzeptionellen Vorüberlegungen und die Abstimmung mit der Schule und mit den Bedarfen der Feuerwehr an.
Eine bedeutende Stärkung unseres Schulstandortes Neusäß konnte nicht zuletzt mit dem Neubau des hochmodernen Beruflichen Schulzentrums erreicht werden, in welchem rund 2.500 junge Menschen ihre Qualifizierung für das Berufsleben und damit beste Zukunftsperspektiven erhalten.

myheimat: Das Radwegenetz in und um Neusäß soll verbessert werden. Wie stellen Sie sich den Ausbau des Wegenetzes und die Entwicklung der Mobilität in der Stadt im Allgemeinen vor?

Greiner: Mobilität ist ein wichtiges Thema unserer Zeit. In Neusäß stehen viele Projekte auf der Agenda.
Die überregionalen Themen aus dem Bundesverkehrswegeplan, zum Beispiel das dritte Gleis oder der Ausbau der B300, befinden sich in der Abstimmungsphase. Auf der lokalen Ebene konnten im vergangenen Jahr einige konkrete Maßnahmen zum Thema Mobilität umgesetzt werden.
Den Ausbau des Radwegenetzes möchten wir die nächsten Jahre vorantreiben und durch konsequente Verknüpfung bestehender Radwege ein enges Radwegenetz schaffen. Dieses Jahr gelang uns der Lückenschluss zwischen Täfertingen und dem Gewerbegebiet Nord, in welchem ja einige Täfertinger beschäftigt sind.
Zum Fahrplanwechsel 2018/19 wird die neue Buslinie 513 die Stadtteile Schlipsheim, Hainhofen und Westheim in einem zweijährigen Testlauf besser an das Neusässer Zentrum und das Titania anbinden. Die Stadt Neusäß bezahlt für diese zusätzlichen Fahrtenpaare rund 40.000 Euro pro Jahr. Wir hoffen, dass diese neue Buslinie gut von der Bevölkerung angenommen wird, damit diese nach den zwei Jahren in den Regelfahrplan aufgenommen werden kann.
Aber auch alternative Mobilitätskonzepte spielen eine immer größere Rolle. So ist es uns gelungen, am Volksfestplatz eine Carsharing-Station mit zwei Autos zu eröffnen, weitere Standorte werden geprüft, nachdem das Angebot erfreulich gut angenommen wird.
Ein weiteres Thema, das uns die nächsten Jahre begleiten wird, ist die Park- und Verkehrssituation rund um das Klinikum. Aber hier sind wir bereits mit der Bayerischen Staatsregierung in Verhandlungen und der Ministerpräsident hat uns Unterstützung für die Ausweisung zusätzlicher Stellplätze auf dem künftigen Campus zugesagt.
Für die Situation am Schulzentrum wurde in diesem Jahr ein Verkehrskonzept entwickelt, das kurz-, mittel- und langfristige Verbesserungen vorsieht. Die kurzfristigen Maßnahmen konnten teilweise bereits dieses Jahr umgesetzt werden, wie beispielsweise Querungshilfen.
Nächstes Jahr sollen Zebrastreifen und verstärkte Beleuchtung kommen, um die Schülerströme besser zu lenken und die Schulwegsicherheit damit zu verbessern.

myheimat: Dieses Jahr ist die Stadt Neusäß 30 Jahre alt geworden. Wie haben Sie die Feierlichkeiten erlebt?

Greiner: Mit der „Feier des Ehrenamts“, dem Landkreislauf und dem Auftritt der Augsburger Domsingknaben in unserer Stadthalle hatten wir im 30. Jahr der Stadterhebung besondere Höhepunkte im gesellschaftlichen Leben zu verzeichnen. Ich persönlich fand es schön, den Werdegang der Stadt nochmals Revue passieren zu lassen, und darauf aufbauend voller Tatendrang in die Zukunft der Stadt zu schauen. Das Jahr 2018 kann ganz in diesem Sinne durchaus als „strategisches Jahr“ gesehen werden, in dem viele wichtige Weichen für zukunftsweisende Projekte in Neusäß gestellt werden konnten.

myheimat:
Vielen Dank! für das Interview, Herr Greiner!
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