Anzeige

Steppacher Kirchenchor versteht sich als „Sozialkitt“ der Generationen

3
Dr. Markus Müller-Walter, Chorleiter des Kirchenchores von St. Raphael am Klavier
 
1
Ein Abend während der Chorprobe beim Kichenchor St. Raphael in Steppach
Neusäß: Steppach | Die Tür des Übungsraumes ist geschlossen und eine Gruppe Sänger hat sich versammelt. Eilig huscht manchmal noch ein Chormitglied mit leichter Verspätung in den Raum und reiht sich ein. Das wird ohne Murren akzeptiert, denn jeder im Raum weiß, dass man sich manchmal nur schwer aus den Alltagsverpflichtungen pünktlich herauslösen kann. Es ist acht Uhr abends und wie an beinahe jedem Donnerstag spielt sich das gleiche Ritual ab. Die in einem leichten Halbkreis formierten und in drei Reihen angegliederten Teilnehmer erheben sich von ihren Stühlen und man beginnt mit leichten körperlichen Lockerungsübungen. Die Verspannungen, die so mancher aus seinem Tagesablauf mitbringt, sollen damit gelockert werden. Danach beginnt man mit ersten Stimmübungen um auch die Stimmbänder anzuwärmen. Mit ersten Summtönen die Tonleiter hinauf und herunter, erhöhen um eine Tonstufe um erneut die Tonleiter anzustimmen bis man ein möglichst breites Tonspektrum erklungen hat. Danach eines der bekannten und immer gleichen Kanons zur Gehörbildung und Verschmelzung zu einer Einheit, trotz unterschiedlicher Stimmgruppen. Und einer sorgt für Einklang, denn sonst würde es vielleicht in einem stimmlichen Wirrwarr enden und weder Sänger noch Zuhörer hätten ein positives Erlebnis. Der Chorleiter übernimmt die Führungsfunktion.
Im Kirchenchor der Gemeinde Sankt Raphael in Steppach ist dies Dr. Markus Müller-Walter. Der Jurist, untertags mit trockenen Paragraphen beschäftigt, wird am Abend zum reinsten Notenwunder. Schon seit 20 Jahren, und nur mit unwesentlichen Unterbrechungen, ist er der Chef im Ring. Seine Aufgabe ist es den Takt zu geben und die Stimmlagen der Frauen aus „Sopran“ und „Alt“ mit den Männerstimmen „Tenor“ und „Bass“ zu einer Einheit zu formieren. Eine solche „Führungskraft“ ist stilprägend für den Chor. Markus Müller-Walter sucht geeignetes Notenmaterial aus, gibt Erläuterungen zu den Kompositionen um ein Verständnis zum Stück zu schaffen. Unter Klavierbegleitung werden die einzelnen Stimmlagen meist nur kurz einstudiert um sie gleich mit den anderen Stimmlagen zu vereinen. Das „auf einander Hören“ und sich zu einer guten Klangintonation zusammenzufügen unterliegt seiner Fähigkeit. Und diese hat er in einer langjährigen Ausbildung zum Organisten und Chorleiter perfekt erlernt und ist mit Leib und Seele Musiker.
Geduld ist Müller-Walters Grundeigenschaft, mit der er den Chor auch durch schwierige Passagen steuert. Mit der Auswahl an Liedern und Messgesängen, sowie gelegentlich auch schon mal Selbstkomponiertes, fordert er die Sänger heraus. Bei Auftritten gibt er den punktgenauen Einsatz und „zwickt“ die Stimmen mit einem gekonnten Fingerschnipp ab und die Chormitglieder folgen ihm aufs Kommando. Ein Lob für den gelungenen Vortrag folgt auf den Tritt und gelegentlich eine Anregung, wie man es beim nächsten Mal noch besser machen könnte, aber immer mit einem Lächeln untermauert. „Nach dem Auftritt ist vor dem Auftritt“ und nahtlos gehen die Übungsabende weiter. So trifft man sich wieder jeden Donnerstag um Neues einzustudieren oder Altbekanntes aufzufrischen. Doch zum Feiern bleibt auch mal Zeit. Zweimal im Jahr lässt man die Chorproben ausfallen um gemeinsam im Biergarten zu plaudern oder mit Glühwein die letzten Plätzchen runterzuspülen.
Und eines sollte man nicht aus den Augen verlieren. Ein Chor erfüllt auch eine wichtige soziale Aufgabe, denn diese gemeinsamen Proben, die Auftritte und das gute Gefühl eines gelungen Auftritts stärken den Zusammenhalt und bringen Verbundenheit. Damit kann man Singen auch als „Sozialkitt“ zwischen den Generationen verstehen. „Auch wenn mal die Stimme nicht ganz so kraftvoll klingt, das ist nicht so bedeutend“, so Müller-Walter, „hier geht’s doch in erster Linie um die Gemeinschaft“.

Probe ist jeden Donnerstag um 20.00 Uhr im Gemeindezentrum von St. Raphael in Steppach. Interessierte Sänger sind jederzeit willkommen.
0

Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin neusässer | Erschienen am 06.07.2012
Lesen Sie auch die Bildkommentare zum Beitrag
1 Kommentar
40.615
Markus Christian Maiwald aus Augsburg | 09.06.2011 | 14:38  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.