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San Agustin

Im Wald der Statuen. (c) Michael Stauner
 
Vom Schatzgräber zum Kaffeebauer. (c) Michael Stauner

Tag 7, Freitag: San Agustin

Über die San Agustin-Kultur ist wenig bekannt bzw. verifiziert. In der Ausgrabungsstätte wurde längst noch nicht alles ans Licht geholt. Zunächst einmal retten wir eine Traube Raupen, die vom Weg abgekommen ist. Dann interpretieren wir die Statuen, die weitgehend im Originalzustand sind und überdacht und umzäunt werden. Kopf und Körper sind getrennt zu betrachten. Der Körper bestimmt das Geschlecht (Röckchen, verdeckende Hände deuten auf eine Frau hin), das Gesicht (v.a. die Zähne) ob menschlich oder tierisch. Eine Statue zeigt einen Kaiman, daher nehmen die Archäologen an, dass die Erschaffer aus Amazonien stammen, da es in San Agustin und Umgebung keine Kaimane gibt.

Unser Motorrad fahrender Guide Armando, ein ehemaliger Lehrer, hat Ahnung von der Materie. Er kann aber partout nicht glauben, dass wir gestern in der Tatacoa Regen hatten, so verdammt selten wie das passiert. Das Mittagessen in der Casa Grande besteht aus einer typischen Suppe mit reichlich Einlagen, schmeckt lecker, mit Guacamole drin noch besser. Dazu gibt’s Hähnchenschenkel mit Gemüse aus der Suppe.

Anschließend besuchen wir einen ehemaligen Schatzgräber, der auf biologischen Kaffeeanbau umgesattelt hat. Keramik buddelt er wohl nur noch vor Touristen aus. Er stellt sich bei der Demo-Ausgrabung nicht gerade geschickt an. Da er eine Terrasse anbauen will, kamen im Vorfeld staatliche Inspektoren, die überprüft haben, ob wertvolle Fundstücke im Erdreich stecken. Nein, nur Alltagsware. Aber die gräbt er dann vor unseren Augen aus. Allerdings zerbricht das Keramik-Gefäß dabei. Deswegen die Umschulung? Wer seine Waren beim Grabraub zerstört, verdient halt nix. Na, die Show war jedenfalls unterhaltsam, wenngleich ihre Glaubwürdigkeit von vielen Reiseteilnehmern jedoch stark angezweifelt wurde. Aber hey: alles authentisch! Einige Mitreisende dürfen das Erdreich mittels Spezialdraht auch mal auf potenzielle Keramikfunde untersuchen.

Widmen wir uns dem Kaffee des Ex-Schatzgräbers. Die Bohnen werden rund einen Meter über dem Boden an der frischen Luft getrocknet, von einer durchsichtigen „Plane“ geschützt. Die Gerätschaften fürs Rösten und Mahlen hat der Bauer selbst erfunden. Um 30 Kilogramm Kaffee zu produzieren, muss er rund zwei Stunden "Radfahren". Das Abendessen nehmen wir beim angesagten Italiener Ugo ein, der raffinierte Pasta kredenzt.

Tag 8, Samstag: San Augstin
Noch mehr Statuen der San Agustin-Kultur erwarten uns auf der Alto de las Piedras, darunter mit dem „doppelten Ich“ die wichtigste Ausgrabung. Leider regnet es weiterhin. Bis zur Alto de los Idolos bei Isnos hat es fast aufgehört. Vom „Piloten“ über Grababdeckungen in Kaiman-Form und die mit fünf Metern höchste gefundene Statue der Kultur sowie einem Sarg bis hin zum Fischer reichen die Details.

Beim Bummel durch das Städtchen San Agustin offeriert eine Panaderia süßes Brot: Mexicana (groß), Liberal (rot mit Karamel drin) und Pan de Yuca (innen hohl) landen in meiner Tüte. Leider alles nix. In der Kirche gedenken die Gläubien eines Priesters, der von der Guerilla ermordet wurde. Auf zur Estrecha del Magdalena – der Engstelle (2,2m breit) des längsten und kraftvollsten Flusses des Landes, dessen Delta einen Kilometer breit ist und den jeder Kolumbianer einmal gesehen haben muss. An der Engstelle verkauft eine Familie mit deutlichen Inzucht-Anzeichen Waren.

Spontan kommen wir am späten Nachmittag noch zum Tejo-Vergnügen mit Poker-Dosenbier. Alkohol ist offenbar Pflichtbestandteil des Spiels, das kostenlos ist. Aus zirka fünf Metern Entfernung werfen wir speziell (wie ein platter Hügel) geformte Steine in die markierte Fläche. Melanie landet einen Zufallstreffer, weil der Stein auf halbem Weg glücklich abprallt. Harald trifft sogar zweimal. Busfahrer Miguel mischt fleißig mit. Zwei Einheimische steigen spontan mit ein. Ich bin nicht so talentiert. Woran man Treffer erkennt? Das vergrabene Schwarzpulver explodiert! Tejo macht schon Spaß und man kommt dadurch schnell in Kontakt mit der lokalen Bevölkerung.

Durch Guerilla-Wälder fahren wir in die weiße Stadt und in eine indigene Region.
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Romi Romberg aus Berlin | 07.07.2018 | 20:29  
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