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Nachhaltigkeit betrifft Bauvorhaben und Bienen

Erster Bürgermeister Richard Greiner (Foto: Stadt Neusäß)
 
Einweihung der Demenzstation (Foto: Stadt Neusäß)
 
Mit maschinellen Planzungen ist das Bienenprojekt in vollem Gange (Foto: Stadt Neusäß)

Neusäß' erster Bürgermeister Richard Greiner lässt im Interview das Jahr Revue passieren und gibt einen Ausblick auf zukünftige Projekte der Stadt

myheimat: Bezahlbarer Wohnraum – ob zur Miete oder zum Kauf – ist überall und auch in Neusäß ein großes Thema. Welche Prognosen gibt es hinsichtlich der Bevölkerungszahl und wird es genügend Wohnraum geben?
Richard Greiner: Wir leben in einer prosperierenden Wachstumsregion. Die Menschen finden bei uns hochwertige Arbeit und schöne Lebensbedingungen und für die Wirtschaft besteht eine gute Infrastruktur. Diese Dynamik und der gesellschaftliche Wandel bedingen, dass Wohnraum knapp ist. Deshalb haben wir mit der Sanierung des Altlastengebietes „Sailer-Areal“ und dessen Umwandlung zum hochwertigen Wohnquartier „Beethovenpark“ im Zentrum von Neusäß den Grundstein für rund 280 Wohnungen gelegt, wovon etwa die Hälfte als Mietwohnraum gedacht sind und davon wiederum 40 als sozial geförderte Einheiten. Die Stadtmitteentwicklung weiter befördern wird auch die Gestaltung des s. g. „Schuster-Areals“. Hier sind wir jetzt so weit, dass im kommenden Frühjahr die Erweiterung des Ärztehauses an der Hauptstraße mit zusätzlichen medizinischen Versorgungsangeboten und der Neubau weiterer Wohnungen startet. Weil wir eine Wachstumsregion sind, wird allgemein Zuzug prognostiziert. Wir wollen dies maßvoll auch ermöglichen, vor allem aber den jungen Neusäßerinnen und Neusäßern die Chance geben, hier wohnen zu bleiben, eine Familie zu gründen und sich weiter am gesellschaftlichen Leben in unserer Stadt zu beteiligen. Insgesamt fahren wir hier eine ausgewogene Strategie, die den Anforderungen unserer Zeit gerecht wird und, weil das Gleichgewicht insgesamt stimmt, zu Neusäß passt.

myheimat: Im vergangenen Jahr ist in Neusäß viel geschehen, die Stadt hat in ihre Zukunft investiert. Was waren die wichtigsten Erfolge in 2017 und was tut die Stadt sonst noch, um die Weichen für die Zukunft zu stellen?
Greiner: Wir haben 2017 wieder viel in die Bereiche Bildung und Familien investiert: Wir konnten die Eichenwaldschule nach über dreijähriger Sanierung wieder komplett dem Schulbetrieb zur Verfügung stellen und mit dem Landkreis das neue berufliche Schulzentrum, in welchem über 2.000 junge Menschen beste berufliche Qualifizierung bekommen, einweihen. Für unsere Kinder und Familien stärken wir unsere Betreuungsangebote: Die Familienstation im alten Rathaus wurde zum „Familienstützpunkt“ mit zusätzlichen Angeboten aufgestuft, der Neubau der Kindertagesstätte ev. Philippusgemeinde in Steppach wächst und für einen weiteren Kindergarten-Neubau für 5 Gruppen an der Ecke O. v. Miller-Straße/Westheimer-Straße ist das Planerauswahlverfahren abgeschlossen, sodass wir 2018 mit dem beauftragten Architekturbüro auch dieses Großprojekt kraftvoll anpacken werden. Selbstverständlich achten wir aber auch auf die Bedürfnisse unserer älteren oder kranken Mitbürger. Im Dezember 2017 konnten wir die neue „Demenzstation“ mit speziellen Pflegeplätzen für demenziell erkrankte Menschen im Pflegeheim Lohwald einweihen. Und ein weiteres wichtiges Zukunftsprojekt für 2018 ist auch die Umstellung unserer Straßenbeleuchtung auf LED. Der „pauschalierte Leuchtentausch-Vertrag“ mit unserem Energieversorger steht vor der Unterzeichnung. Damit können wir nicht nur ca. 50% unserer bisherigen Stromkosten einsparen, sondern über die Einsparung von ca. 60 % CO2-Verbrauch auch einen kräftigen Beitrag für unsere Umwelt und den Klimaschutz leisten.

myheimat: Neusäß hat seinen Flächennutzungsplan auf den neusten Stand gebracht. Für viele klingt das sehr abstrakt. Können Sie die wesentlichen Ergebnisse kurz skizzieren?
Greiner: Bekanntlich hat der Stadtrat in mehreren Samstagsklausuren die gebotene Neuaufstellung des Flächennutzungsplans von 1990 beraten. Die Ziele für die Stadtentwicklung der nächsten Jahrzehnte wurden in einem Leitbild zusammengefasst, welches neben dem Schutz des Schmuttertals und unserer natürlichen Grundlagen ein organisches, maßvolles Wachstum unter Beibehaltung der bestehenden Lebensqualität im Einklang mit der verfügbaren Versorgungsstruktur vorsieht. Dabei wollen wir beides: die Chancen, die die aktuelle Entwicklung (Stichwort: Uni-Klinik) bietet, nutzen und die Lebensqualität in Neusäß nicht gefährden. Deshalb gilt der Leitsatz „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“. Im Zentrumsbereich Sailer- und Schusterareal haben wir dieses Ziel ja idealtypisch umgesetzt. Eine maßvolle Entwicklung wollen wir aber auch in allen anderen Stadtteilen für unsere Neusäßer Bevölkerung abbilden. Das soll durch Abrundungen und Ergänzung bestehender Wohnbereiche geschehen. Wichtig: Der Flächennutzungsplan ist eine Vision, die aufzeigt, wo Entwicklungen im Stadtgebiet möglich werden könnten – tatsächliches Baurecht wird, wenn angebracht, erst darauf aufbauend geschaffen. Und zwar, wenn der Stadtrat die Aufstellung eines Bebauungsplanes beschließt. Ende November endete die erste Offenlegung und damit die Beteiligung der Öffentlichkeit und der Behörden. Wir sind gespannt, welche Rückmeldungen uns erreicht haben. Diese eingegangenen Stellungnahmen werden jetzt aufbereitet und bei der nächsten Klausursitzung abgewogen.

myheimat: Während die einen Firmen genügend Platz einräumen und so die Wirtschaft vor Ort stärken wollen, sprechen die anderen von Flächenfraß. Wie positioniert sich die Stadt Neusäß in diesem Spannungsfeld?
Greiner: Sie haben Recht, wenn Sie von einem „Spannungsfeld“ sprechen. Es kommt wie bei der Entwicklung von Wohnraum auch hier auf Maß und Mitte an. Zunächst: Wo in anderen Regionen mit Schrumpfung gekämpft wird, dürfen wir prosperierendes Wachstum gestalten. Das ist positiv für die Menschen und die Zukunftsperspektiven unserer Region. Deshalb wollen wir vor allem für unsere z. T. alt eingesessenen Gewerbebetriebe Möglichkeiten für ihre betriebliche Weiterentwicklung schaffen. Es soll uns nicht mehr passieren, dass uns mangels geeigneter Flächen Unternehmen verlassen müssen, die seit Jahrzehnten am Standort Neusäß angesiedelt waren und vielen Menschen wohnortnah Arbeit gegeben haben. Der FNP-Entwurf sieht eine gewisse gewerbliche Entwicklung in Autobahnnähe vor. Positiv erscheint, dass dies zum Teil mit Synergieeffekten verbunden werden könnte, weil dies auf Flächen geschieht, auf denen vorher ausgekiest werden soll.

myheimat: Neue Mitte Westheim: Die Umgestaltung und Aufwertung von Westheim ist seit Langem Thema. Passiert ist bislang wenig. Wird sich das bald ändern?
Greiner: Das Planungsbüro OPLA hat die „Vorbereitenden Untersuchungen“ inzwischen abgeschlossen und in einem umfangreichen Bericht festgehalten. Da es sich bei der Neuen Mitte Westheim um eine Städtebaufördermaßnahme handelt, sind ständig Abstimmungsgespräche mit dem Fördergeber, der Regierung von Schwaben, notwendig. Im Herbst vergangenen Jahres sind wir hier wieder einen Schritt weiter gekommen und haben im Stadtrat die Abgrenzung des Sanierungsgebiets und dessen genaue Ziele definiert. Dazu wurde der Erlass einer Sanierungssatzung beschlossen. 2018 wollen wir neben weiteren vertiefenden Planungen, z. B. im Bereich „Altort“, die Planung des Park-and-ride-Parkplatzes konkretisieren und die Realisierung der Baumaßnahme 2019 vorbereiten.

myheimat: Naturschützer schlagen Alarm: Die Zahl der Insekten geht drastisch zurück, was wiederum negative Folgen für die Umwelt hat. Neusäß rückte dieses Jahr den Schutz der Bienen in den Mittelpunkt. Was wurde konkret gemacht und bereits bewirkt?
Greiner: Vor etwas über einem Jahr haben wir unser „Bienenprojekt“ angestoßen und es freut mich, dass es auf positive Resonanz stößt. Mithilfe eines innovativen Pflanzverfahrens konnte unser Bauhof z. B. öffentliches Grün zu ansprechenden Blühflächen für Krokusse und andere Blumen aufwerten; das beeinflusst unser städtisches Erscheinungsbild positiv und schafft im Frühjahr eine zusätzliche Nahrungsgrundlage für Bienen. Zusammen mit unseren Gartenbauvereinen, Hobbyimkern, Gartenbaubetrieben konnten wir auf die Bedeutung der Bienen aufmerksam machen und die Bürger für dieses wichtige Thema sensibilisieren. Ein besonderer Lebensraum für Insekten ist ja unser Schmuttertal und deshalb freut es mich, dass im Jahr 2017 unser „Biodiversitätsprojekt“ verlängert wurde, das die Artenvielfalt nachhaltig unterstützt. Auch in diesem Sinne werden wir nächstes Jahr den Trampelpfad zwischen Lohwald und Hausergelände zu einem Spazierweg aufwerten, den Steg über das Ablassbächle sanieren und versuchen, Fördergelder für die Anlage von Saumstreifen zu bekommen, die ganzjährig blühen und den Insekten Nahrung und Rückzug ermöglichen.

myheimat: Vielen Dank für das Interview, Herr Greiner!
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1 Kommentar
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 20.12.2017 | 21:48  
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