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Lumaraa: Neues Album enttäuscht

Lumaraa - Albumcover zu "Ladies First" (Foto: Bassukah)
Lumaraa legt mit ihrem neuen Album „Ladies First“ eine musikalische Bruchlandung hin. Auf der Scheibe mit den 15 Tracks bleibt Rapperin Sabine Gerling hinter den Erwartungen ihrer Fans zurück.

Das erste Wort auf ihrer neuen CD läutet das Elend bereits ein. „Und die Leute, sie hängen im Park“, heißt die erste Zeile des Openers „Hypnose“, der vom Beat her düsterer daherkommt als frühere Werke der gebürtigen Bayerin. Schlimme Befürchtungen im Hinblick auf Qualität sind geweckt, wenn ein Text oder gar ein ganzes Album mit einem Bindewort beginnt. Lumaraa hat textlich viel Potenzial, eine beachtliche Themenvielfalt und einen gewissen Flow, wie etliche alte Songs wie „Vergangenheit“ oder die „Ehrenwörter“ in ihrem YouTube-Kanal verdeutlichen. Doch davon ist „Hypnose“ weit entfernt. Leider setzt sich dieses niedrige Niveau auf den meisten Titeln von „Ladies First“ fort.

Lumaraa kann rappen, aber auf dem neuen Album gibt sie sich oft mit zu wenig zufrieden. Ungünstig auch, dass der billig anmutende Sound in einigen Songs die Vocals erdrückt. So unterschiedlich die Tracks objektiv klingen, subjektiv hören sie sich nach Einheitsbrei an; wie eine weichgespülte beziehungsweise schlechter produzierte LaFee. Genau das dürfte auch das angesprochene Hörer-Klientel das Labels Bassukah sein: „Härtere“ Teenie-Mädels anstatt ein breites Rap-Publikum, das authentische Texte schätzt.

Die Reime und der Sprachduktus holpern bisweilen stark, wie in „Zeit verloren“. Dabei zählt der dritte Track vielleicht auch gerade wegen dieses Abgehackten noch zu den besseren Stücken auf der Platte. Vom Flow, Sound und Text erinnert „Zeit verloren“ enorm an Marterias „Kids (2 Finger an den Kopf)“. Zeile gefällig? „Keiner kriegt nen Kuss, aber alle haben's nötig. oder „Am Lagerfeuer sitzt ein trauriger Haufen. Alle haben Zeit, keiner scheint sie zu brauchen.“



Auf Position vier folgt der Tiefpunkt des Albums und gleichzeitig der Titel der ganzen CD. „Ladies First“ beginnt als Abrechnung mit ihren Kritikern und mündet in einen belanglosen Frauenpower-Song. Mit „Hurra Hurra, die Schule brennt und in den Trümmern spielt ne coole Band“ folgt ein eindeutig für Teenager geschriebener Song, trotz musikalischer Orientierung am offensichtlichen Vorbild. Immer wieder driftet Lumaraa ins Poppige ab, zum Beispiel bei „Grau in Grau“.

In „Rocky“ inszeniert sich Lumaraa als Kämpferin und greift textlich viele Elemente aus der Boxfilm-Reihe und Box-Sprache auf. Muss man mehrmals hören – aber auch dann fällt eine Einordnung des Songs schwer. Was stört, ist auf jeden Fall die Stimmverzerrung im langgezogenen Wort „Rocky“. Völlig belanglos und beliebig kommen die übrigen Tracks, darunter auch „SOS“, bei dem Mola als Feature überflüssig ist.

In „Pascha“ singt/rappt Lumaraa über das Zusammenleben von Paaren, bei denen die Frau die Putzfrau spielt, während der Mann keinen Finger im Haushalt krumm macht. "Du sagst 'Ich hab Hunger' / Ey wenn du was unterdrücken willst, nimm deine Nummer!" Das klang schon mal anders. Also doch eine Weiterentwicklung? Als Frau ohne feministische Gleichheitsansichten, schien sie 2015 noch für altgediente Rollenverteilungen offen zu sein. Zumindest, wenn man sich dazu entscheidet, Texte wie „Lappen“ nicht ironisch aufzufassen. Mehr Pep und Flow hatte Lumaraa allemal.

Blick zurück auf „Gib mir mehr“

Ihr Vorgängeralbum „Gib mir mehr“ ist in Summe zwar auch keine Perle des HipHop, da arg poppig, aber deutlich stärker, angriffslustiger und mit einigen coolen Tracks, die beschwingt zum Mitsingen oder zumindest Mitgrooven einladen. Trotz bisweilen nervtötender, beliebiger Beats. „Gib mir mehr“ funktioniert als Opener deutlich besser, ohne den Hörer wirklich in die CD hineinzuziehen. „Die Eins“ stellt den obligatorischen „Ich bin eine coole Rapperin“-Track dar. „Stalker“ setzt ein interessantes Thema textlich und rhythmisch gut um. „Wenn keiner dich versteht“ zeigt eindrucksvoll, wie ein Feature funktionieren kann, denn der männliche Part von Ozan wird nicht nur stark eingeleitet, sondern bereichert den Song enorm.

„Lappen“ macht Laune und frohlockt mit einem augenzwinkernden Refrain, den man so nicht überall hört: „Ich lock dich an mit dem verführerischen Blick / und dann klatsch ich dir mit voller Wucht das Rührei ins Gesicht / was denkst du / ich bin ne Frau, raus aus der Küche, das ist mein Revier / bevor ich dir das heiße Öl auf deinem Rücken einmassier“. Das Schmankerl der Platte ist das vom Klavier begleitete „Fick dich“ mit einem schönen Wendepunkt. Allerdings stammt der Text des neunten Liedes nicht von Sabine Gerling, sondern von Jan Färger, der zusammen mit Daniel Sluga auch für die Musik des geilsten Stücks der CD sorgt. Die überwiegend poppig-trivialen Tracks mit zweistelligen Nummern tendieren dazu, nicht im Gedächtnis hängenzubleiben. „Picknick“ erinnert gar an den Stil von Cro.

Nun also Marteria statt Cro. Düsterere, aber immer noch billige Beats ohne Wiedererkennungswert. Weniger Authentizität und Flow in den Texten. Nahezu kein Song, der im Kopf bleibt. Man hofft inständig, dass sich Lumaraa auf ihre früheren Songs rückbesinnt, zu alter Stärke zurückfindet und diese dann auch für ein breiteres Publikum umsetzen kann.
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