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Die Hainhofer Gelbwurst-Pilger

Im Haus der Familie Härtinger neben der alten Volksschule betreibt die Enkeltochter auch heute noch ein Spezialitätengeschäft.
Da sich unsere kindliche Freizeit am Anfang der 60er Jahre tatsächlich viel im Freien abspielte, hatte man naturgemäß viele Freunde. Besonders viele hatte man, wenn man zum Metzger zum Einkaufen mußte, besser gesagt "durfte". Das war nämlich eine Arbeit, die jedes Kind ausnahmsweise begeistert erledigte, winkte doch ein kleiner Extrabonus und genau deshalb hatte man meist ungefragt 2 bis 3 Kumpels im Schlepptau, wenn man zum Härtinger hinauf geschickt wurde. Während man selbst in den Laden ging und den damals ungemein beliebten Aufschnitt oder die obligatorische feine Leberwurst bestellte, platzierten sich die Trittbrettfahrer draußen an der Treppe strategisch ausgetüftelt genau so, daß sie einerseits nicht vordergründig wie gewöhnliche Bettler dastanden, aber andererseits von der Frau Härtinger auf jeden Fall gesehen wurden. Denn die gutmütige Frau Metzger in ihrer weißen Schürze hatte wie die Frau Bäck eine stark ausgeprägte soziale Ader und nicht nur der zahlende kleine Kunde selbst, sondern auch seine bedürftigen stummen Begleiter draußen vor der Türe bekamen zuverlässig ihr Rädle Gelbwurst ab. Und diese freiwillige Sozialleistung war seinerzeit ein gehöriger Kostenfaktor, denn unter den hungrigen Mäulern, die auf diesen Gratis-Happen warteten, war damals noch kein einziger Veganer!
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