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Sackaffen Rezension

David Grashoff ist Slam-Poet. Einer, dessen Texte auch ohne Bühne knallen. Deswegen hat der Lektora Verlag eine stimmige Auswahl seiner Kurzgeschichten und Anekdoten veröffentlicht. Der Titel „Sackaffen“ mit passenden Illustrationen von Volker Konrad macht neugierig.

Der Leser bekommt schnell den Eindruck, David Grashoff zu kennen. Ein Hetero-Nerd, der sich zu Pornofilmen bekennt, Star Wars mag (zumindest die ursprüngliche Trilogie), Französisch in der Schule hatte, ein Faible für Tiere hat (in seiner Kurzprosa spielen Faultiere, Hunde, Hamster, Sackaffen, überfahrene Autobahntiere, ein rosa Einhorn und ein Bandwurm eine Rolle) und - was Frauen anbelangt - ein Spätzünder gewesen sein könnte. Der Slam-Poet hegt seinem Werk zufolge Aversionen gegen Ed Hardy Klamotten, Jar Jar Binks, alte Klassenkameraden, Trash-TV, Poser im 3er-BWM und Nazis. Die Lektüre der einzelnen, für die Bühne verfassten Texte legen diese Einordnung zumindest nahe.

„Sackaffen“ ist in drei Kapitel gegliedert. Im ersten finden sich relativ kurze (Slam-)Texte, die größtenteils ziemlich vulgär sind. Sie scheinen in einigen Fällen der Fantasie des Autors zu entspringen, versprühen an zahlreichen Stellen aber Authentizität. Im Text „Hitler ficken oder mein Leben veränderte“ wird klar, warum es bei David Grashoff auffallend oft versaut zugeht. Ein Sahnestück voller Lachsalven ist im ersten Kapitel zweifellos die Abrechung mit Mitschülern beim „Pimmelbingo“. „Stell die Welt auf den Kopf“ läuft dagegen nach einem durch den Brot-Text von Lars Ruppel auf Poetry Slams bekannten und immer wieder gern verwendetem Schema ab.

Im zweiten Kapitel „Kurzgeschichten“ geht es bisweilen anspruchsvoller zu. „Der Limbo-König von Oer-Erkenschwick“ ist schöne Geschichte von der kindlichen Vorstellungskraft, bei der deutlich wird: David Grashoff kann nicht nur linear aufs Ziel zu, kurios lustig und mit Vokabular unter der Gürtellinie, sondern auch träumerisch. Auch Religion kristallisiert sich immer häufiger als (Neben-)Thema seiner Kurzgeschichten heraus. Und dann ist da noch seine interessante Adaption von Süsskinds „Das Parfum“. Zwischen den dominierenden Nerd-, Tier- und Pornotexten blitzt mit „Sommerliebe“ nämlich im dritten Kapitel „Bonustracks“ eine Perle aus dem Bereich Liebeslyrik auf.

„Sackaffen“ liest sich zügig. Die knackig geschriebenen und zum Großteil heiter bis vulgären Texte eignen sich hervorragend für begrenzte Lesezeit in öffentlichen Verkehrsmitteln oder in der Badewanne. David Grashoff schreibt flüssig, pointiert und vergnüglich. Seine lebendige Sprache und die angenehm erheiternd aufbereitenden Themen aus dem Alltag eines (Ex-) Nerds sorgen dafür, dass vereinzelte Rechtschreibfehler das Lesevergnügen nicht trüben. Für Literaturkritiker wirkt womöglich der Schluss mancher Texte etwas ernüchternd, doch sind diese durchaus slam-typisch. Trotzdem will der Buchkonsument mehr von David Grashoff lesen, als in „Sackaffen“ enthalten ist. Denn der Wuppertaler bespielt mehrere literarische Genres richtig gut.

Die 9,90 Euro für „Sackaffen“ von David Grashoff sind gut angelegt für Fans von Poetry Slams, die tolle Texte dieser Gattung auch mal gedruckt lesen wollen. Die ISBN lautet 978-3-938470-88-6.
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