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Noch ´n Gedicht?

Ein Tropfen nur ...

ein Wassertropfen ist fürwahr
nur winzig klein, fast unsichtbar
und um so ´nen Tropfenwicht
geht ´s im folgenden Gedicht.

Am Quellengrund, noch unerhellt
erblickte er das Licht der Welt
von dort stieg sprudelnd er hervor
und machte sich im Tropfenchor

plätschernd, gurgelnd, auch mal leise
auf eine Wassertropfenreise
durch Berg und Tal, ganz ohne Plan
kam so der Wässrige voran

sein Ziel, es war noch ganz verschwommen
gelassen hat er ´s hingenommen
ging es zuerst gemächlich an
im schmalen Bach und später dann

in einem großen breiten Fluss
doch dort war lange noch nicht Schluss
im Heer vereint, ganz ohne Pause
ging ´s weiter mit der Tropfensause

bis weit hinaus ins große Meer
doch dort gefiel es ihm nicht sehr
so stieg dank Sonnenstrahlengunst
als federleichter Wasserdunst

er befreit und permanent
bis hinauf zum Firmament
himmelhoch, in Wolke sieben
durfte er ein bisschen fliegen

dort ließ er die Seele baumeln
um dann wieder abzutaumeln
als weißes Flöckchen irgendwann
kam er auf Mutter Erde an

und schmolz dahin, durch tiefen Grund
bis ganz hinab zum Quellenschlund
erneut ging ´s dann auf große Tour
und der Poet, er fragt sich nur

verrinnt auch so für uns die Zeit
im Kreislauf der Unendlichkeit?

- Raimund Eich -

Dieses Gedicht wurde in modifizierter Form in der Stadtteilzeitung "Gugg emol do ... Neinkeije", Ausgabe 28, April 2018 veröffentlicht.
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