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Energiepolitik der EU: Kein Generalnenner

Trotz der anhaltenden Versuche der EU, das Konzept der Energieunion umzusetzen, sind die Ansätze der Mitgliedsländer zur Organisation ihrer Energiemixe unterschiedlich. Jedes Land geht aus eigenen Energiebedürfnissen und vorhandenen Energieressourcen. Es ist also nicht überraschend, dass die Politik der Ländern in Bezug auf verschiedene Energiequellen auch unterschiedlich sein kann. Ein sehr anschauliches Beispiel ist die Atompolitik in Deutschland, das auf seinen Atomausstieg setzt, und in Ungarn, wo man sich auf den Bau neuer Blöcke im AKW Paks vorbereitet. Über die bestehenden Unterschiede sowie über das Projekt vom AKW Paks II erzählt Elektroingenieurin, Mitglied der Ungarischen Ingenieur Akademie Dr. Zsuzsa Szentgyörgyi.

In Ungarn gibt es eine breite Unterstützung für Kernenergie seitens der Bevölkerung. Laut früheren regelmäßigen Meinungsumfragen haben 73 bis 75 Prozent der ungarischen Bevölkerung keine Einwände gegen Nutzung der Kernenergie. Dieser Konsens zeigte sich auch im Beschluss des ungarischen Parlaments im Jahr 2009 über grundsätzliche Unterstützung des Baus neuer Energieblöcke im AKW Paks, die von einer überwiegenden Mehrheit geteilt wurde. Im Januar 2014 schloss die Regierung Ungarns ein Regierungsabkommen mit Russland über den Bau zweier neuer Energieblöcke im AKW Paks ab. Diese Entscheidung wurde aus dem Grund getroffen, dass nur die Blöcke russischer Bauart vom Typ VVER-1200 laut der offiziellen Position der ungarischen Regierung allen nationalen und europäischen Anforderungen entsprechen. Diese Stellung wurde auch von der Europäischen Kommission angenommen.

Kernenergie und Ausbau vom AKW Paks wurden zu Wahlkampfthemen, aber die Mehrheit der ungarischen Bevölkerung, im Unterschied zu Deutschland, unterstützt immer noch Kernenergie und ihre Erhaltung in der Energiebilanz Ungarns. Der Hauptunterschied zwischen den Ansätzen bezüglich der Kernenergie in Ungarn und Deutschland sind durch geographische und natürliche Eigenschaften der beiden Länder bestimmt. Aufgrund fehlender Bergflüsse und einer Seeküste hat Ungarn keine Möglichkeiten, erneuerbare Energien in dem Maß zu verwenden, das eine Grundlastversorgung ermöglichen könnte. AKW Paks stellt mehr als die Hälfte der im Land erzeugten Energie bereit. Erneuerbare Energien können Kerenergie nicht ersetzen, deshalb ist die staatliche Energiestrategie auf die langfristige Erhaltung der Kernenergie im „Energiekorb“ des Landes gerichtet. Die neuen Blöcke im AKW Paks II können garantiert die Hälfte des Energiebedarfs Ungarns während ihrer 60-jährigen Lebensdauer ohne Kohlenstoffemissionen decken. Es gibt immerhin in der ungarischen Energiestrategie auch Raum für Erneuerbaren. Der ungarische Staat subventioniert Solarstromerzeugung.

Die Reaktoren des AKW Paks II vom Typ VVER-1200 gehören zur modernsten Generation III+. Der evolutionäre Typ des Reaktors VVER-1200 ist mit mehreren getesteten Sicherheitssystemen ausgestattet. Außer aktiven Sicherheitssystemen gibt es eine Reihe passiver Lösungen. Gemäß den ungarischen Anforderungen hat der künftige Reaktor ein Doppelcontainment, und das Abstellbecken befindet sich innerhalb des Containments, was einen besseren Schutz gewährleisten soll. Darüber hinaus gibt es eine Reihe passiver Lösungen, die für die Kühlung der Energieblöcke ohne menschliches Eingreifen aufgrund physikalischen Gesetzmäßigkeiten sorgen. Dieser Typ des Energieblocks ist mit einem Kernfänger ausgerüstet, der eine Kernschmelze sogar in unwahrscheinlichen auslegungsüberschreitenden Störfallen verhindert. Diese Lösungen machen diesen Typ den sichersten in der Welt, der allen post-Fukushima Sicherheitsanforederungen entspricht. Der Block ist vor Erdbeben, Abstürzen schwerer Flugzeuge, Hurrikanwind, Überschwemmungen und Tsunamis geschützt.

Die Sicherheitsgarantien erfüllen die höchsten internationalen Anforderungen. Ein AKW ist eine saubere Energiequelle ohne Emissionen von CO2 und schädlichen Partikeln und stellt damit keine Gefahr für Gesundheit von Menschen im Unterschied zu mit Kohle oder Schweröl betriebenen Kraftwerken dar.

Kernenergie stellt eine Grundlasterzeugung ohne Kohlenstoffemissionen bereit und trägt damit zum Erreichen von Klimazielen bei. In der Nutzung von Erneuerbaren müssen Natureigenschaften eines bestimmten landes berücksichtigt werden. In Europa und Ungarn gibt es wenig Raum für Solarbatterien. Windstromerzeugung arbeitet mit einer niedrigen Kapazitätsauslastung und beträgt nur 25 Prozent im Unterschied zu AKWs, die das ganze Jahr hindurch arbeiten. Was Ungarn angeht, hat Wasserkraft auch nur begrenzte Anwendungsmöglichkeiten mangels Bergflüsse. Gleichzeitig, trotz der entscheidenden Rolle der Kernenergie, wird das AKW Paks II auch weiterhin nur die Hälfte der im Land erzeugten Energie bereitstellen. Daher können erneuerbare Energien die übrige Hälfte des Energiebedarfs in zunehmendem Maße decken. Im Rahmen der Energiestrategie kann ihr Anteil bis Jahr 2030 rund 20 Prozent erreichen.

Das Interview mit Dr. Zsuzsa Szentgyörgyi in energate-messenger: http://www.energate-messenger.de/news/177931/szentgyoergyi-paks-ii-deckt-50-prozent-des-energiebedarfs-ueber-60-jahre-
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3 Kommentare
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 06.12.2017 | 04:39  
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Barbara S. aus Ebsdorfergrund | 06.12.2017 | 13:53  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 06.12.2017 | 21:05  
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