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In der Toskana des Nordens - Teil 3 - Natur- und Geoparkorte im Naturpark "Saale-Unstrut-Triasland"

Weinbergshaus im Herzoglichen Weinberg
 
Herzoglicher Weinberg Freyburg
Freyburg: Die Struktur der um 1200 durch die Landgrafen von Thüringen angelegten Altstadt ist bis heute weitgehend erhalten geblieben. Die reizvolle Muschelkalklandschaft an der Unstrut erlangte durch den Wein und die dort vorkommenden Orchideen überregionale Bekanntheit.
Barocker Weingarten
Der Weinbau an Saale und Unstrut blickt auf eine mehr als 1000-jährige Geschichte zurück, urkundlich nachweisbar ist er ab dem Jahre 998. Eine Urkunde von Kaiser Otto III., in welcher eine Schenkung von sieben Dörfern an das Kloster Memleben beurkundet wird, erwähnt ausgedehnte Weinlänereien. Diese von Dr. Coburger ermittelte Ersterwähnung gilt als Geburt des hiesigen Weinbaus. Die "Toskana des Nordens", wie das Saale-Unstrut-Gebiet auch genannt wird, hat für jeden Geschmack etwas dabei. Die regionalen und überregionalen Tourismusrouten "Weinstraße" und "Straße der Romanik" bieten vielfältige Möglichkeiten, interessante Geschichten und den Weinbau individuell kennenzulernen. Der wohl schönste Weg, den Saale-Unstrut-Wein und die Region kennenzulernen, ist ein Besuch im Herzoglichen Weinberg, in der Winzervereinigung, dem Landesweingut oder bei einem der vielen Privatwinzer, die im Sommerhalbjahr in ihre Straußenwirtschaften zum Kosten und Verweilen einladen.
Der Herzogliche Weinberg ist ein historischer Terrassenweinberg, der als barocker Weingarten erhalten ist. Mit seinem vielfältigen Sortenspektrum und den alten Weinbergsmauern sowie einem kleinen Bestand von alten Rebstöcken ist er eine ganz besondere Schauanlage. Unter einer Weinpergola und im liebevoll restaurierten Weinberghaus laden fachkundige Gästebegleiter zu Führungen und Verkostungen ein. Rund 30 Sorten werden gegenwärtig im rund 650 Hektar großen Stamm-Weinanbaugebiet Saale-Unstrut angebaut, das sich von Memleben an der Unstrut bis in das Thüringische Bad Sulza an der Saale erstreckt. Sowohl vom Unstrut- als auch vom Saale-Radwanderweg aus lassen sich Weinberge, Burgen und Schlösser und weitere Sehenswürdigkeiten erkunden, erschließt ein umfangreiches gut ausgeschildertes Wanderwegenetz die Kulturlandschaft, laden zudem geologische Lehrpfade dazu ein, auf einer Zeitreise in die Erdgeschichte einzutauchen.
Die Kleinstadt Laucha liegt an der Unstrut unterhalb der nördlichen Ausläufer der Finne, mit deren politischen und kirchlichen Strukturen im Mittelalter feste Verbindungen bestanden. Laucha gehört zur Verbandsgemeinde Unstruttal. Über dem Tal weithin sichtbar befindet sich oberhalb der Weinberge der Flugplatz. Der Luftsportverein und das Haus der Luftsportjugend laden zu einem Besuch ein, selbst Rundflüge oder Ballonfahrten sind möglich.
Beweidung schützt Orchideen
Ein besonderes Refugium im Naturpark sind die verschiedenen Orchideenarten. Der größte Teil dieser außergewöhnlichen Pflanzenwelt wächst in den Naturschutzgebieten, sind die schönsten Standorte durch Naturlehrpfade für Besucher zugänglich und gut erschlossen. So kann sich der Gast an mehreren Knabenkrautarten, dem Weißen Waldvöglein, Ragwurz- und Sitterarten oder dem Frauenschuh erfreuen. Viele der hier vorkommenden Orchideen sind "Südländer" und benötigen das trockenwarme und wintermilde Klima (jährliche Niederschläge bei 550 Millimeter, mittlere Jahrestemperatur bei null Grad Celsius).
Die Orchideen haben sich, wie auch der Wein, durch die Wirkung der Menschen in der Kulturlandschaft gut ausbreiten können. Trockenrasenflächen der Schaftriften, aufgelassene Weinberge, Schotterhalden der Kalksteinbrüche und die durch bäuerliche, extensive Bewirtschaftung entstandenen Niederwälder bilden die Grundlage für diese artenreiche Standorte. Schon immer waren die Orchideen selten und bedürfen ganz besonders heute des aktiven Schutzes durch den Mensch. Ein Rückgang der Beweidungswirtschaft bedeutet eine zunehmende Verbuschung und die Gefährdung vieler wertvoller Arten im Tier- und Pflanzenreich. Durch ein vor gut einem Jahr eingerichtetes Beweidungskonzept auf dem Rödel eröffnet sich die Chance , die offene charakteristische Landschaft des Trockenrasenbetriebs im größeren räumlichen Umfang zu erhalten.
Zum Schauen und Entdecken, Wandeln auf den Spuren einer bewegten etwa 1000-jährigen Geschichte bieten Freyburg und Laucha verschiedene Möglichkeiten. Dazu zählen Schloss Neuenburg mit Doppelkapelle, Wohnturm, Bergfried "Dicker Wilhelm", als Traditionsort der Heiligen Elisabeth, Landgräfin von Thüringen (1206-1231). In der Stadt beeindruckt die Stadtkirche St. Marien, ist im Jahnmuseum als besonderes Ausstellungsstück ein 1812 von Turnvater Jahn entwurfenes Turnpferd zu sehen, sind Teile der Stadtmauer mit Eckstädter Turm erhalten geblieben. Die Rotkäppchen-Sektkekllerei - eines der ältesten Sekthäuser Deutschlads - mit 1896 eingeweihten "Domkeller" erstreckt sich über drei Kelleretagen und ist größtes Gewölbe des Hauses. Die Landschaft prägen terrassierte Weinberge mit ihren Weinberghäusern und der Haineberg mit dem Naturpark-Infozentrum Herzoglicher Weinberg.
Zeugen barocker Landschaftsgestaltung ist die Lindenallee ins Burgholz und in der alten Göhle das ehemalige Jagdschlossgelände Klein-Friedental. In Laucha ist ein umfangreicher Bestand der Stadtmauer erhalten geblieben, geprägt durch die Zwingertoranlage Obertor. Glockenmuseum und Heimatstube können besichtigt werden.

Am 29.01.11 im Burgenlandjournal des Naumburger Tageblatt/Mitteldeutsche Zeitung erschienen.
Verfasser: Gisela Jäger
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Magazin Naumburg | Erschienen am 26.12.2011
1 Kommentar
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 31.07.2011 | 15:08  
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