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Neuenburgverein zu Burgen, Schlössern und Kirchen im Erzgebirge unterwegs - 17. große Vereinsfahrt fand vom 31. August bis 2. September 2012 statt

Die Teilnehmer der 17. Vereinsfahrt des Neuemburgvereins vor dem "Dicken Heinrich" auf Schloss Wildeck in Zschopau.
 
Im Kloster Frankenhausen führte uns der Sächsiche Heimatschutz e.V., der die Klosterschule und ehemalige Wohngebäude vor dem Verfall rettete
 
Die berühmte Tulpenkanzel von 1505 im Freiberger Dom beeindruckte sehr.
Trotz Warnungen vor Unwettern und Starkregen starteten Mitglieder und Freunde des Vereins zur Rettung und Erhaltung der Neuenburg am frühen Morgen des 31. August mit einem Reisebus gut gelaunt und voller Vorfreuden in Richtung Erzgebirge. In der Nähe von Crimmitschau war Schloss Blankenhain die erste von insgesamt elf historischen Anlagen, die auf der dreitägigen Fahrt besichtigt wurden. Der Museumskomplex beherbergt heute das deutsche Landwirtschaftsmuseum und besteht aus achtzig Gebäuden auf insgesamt 11 Hektar. Kern dieser Anlage ist das ehemalige Rittergut mit Schloss, Park und Wirtschaftsgebäuden. Die ursprüngliche Burg wurde 1279 erstmals genannt. Die Museumsleiterin führte uns durch die Ausstellungen im Schloss und zeigte im Anschluss die Kirche, das Pfarrhaus, die Schule, Neubauern- und Umgebindehaus. Auf den weitläufigen Freiflächen beeindruckte eine Vielzahl an technischen Geräten, die in der Vergangenheit in der Landwirtschaft zum Einsatz gekommen waren und nun für die Nachwelt erhalten bleiben sollen.
Bevor das nächste Reiseziel angesteuert wurde, brachte das erste Picknick Stärkung und gute Laune. Das war wichtig, weil es nach Blankenhain zur Rudelsburg bei Rußdorf ging. Ein kurzer, aber sehr steiler Anstieg führte auf eine Anhöhe mitten im Wald, wo einstmals die Wehranlage stand. Kein einziger Stein war zu entdecken. Nur die Profilierung des Geländes zeigte deutlich, wo sich Wallgraben und Zugbrücke befanden.
Im Kloster Frankenhausen begrüßte uns der Vorsitzende des Sächsischen Heimatschutz Frankenhausen e.V. Wir erfuhren von ihm, dass bereits in der DDR-Zeit eine Initiative von Bürgern aus Frankenhausen verhinderte, dass die Klosterschule und ehemalige Wohngebäude abgerissen wurden. Nach der Wende gründete sich der Verein und begann nach und nach mit der Sanierung. Über die Fortschritte konnten wir uns selbst überzeugen. Die Entstehung des Vereins und seine Ziele haben viele Gemeinsamkeiten mit dem Neuenburgverein. Bei Kaffee und Kuchen wurde darüber angeregt diskutiert.
Zwickau, das „Tor zum westlichen Erzgebirge“, war an diesem Tag der letzte Besichtigungsort. Dort empfing uns der auf das Jahr 1206 zurückgehende Dom St. Marien mit seiner eindrucksvollen sächsischen Gotik und einer prachtvollen Ausstattung. Beeindruckend der Hochaltar mit den Marienbildern von Michael Wolgemut, interessant die Nachbildung des Grabes Chisti in Jerusalem von 1507. Silbererzfunde machten die Stadt sehr reich und so konnte der Dom nach mehreren Bränden im 16. Jahrhundert neu gebaut werden. Direkt neben dem Dom befinden sich die kultur- und baugeschichtlich bedeutenden Priesterhäuser. Sie zählen zu den ältesten erhaltenen Wohngebäuden in Sachsen. Bei einer Führung wurde das Leben im Mittelalter anschaulich vermittelt. Voller neuer Eindrücke kamen wir gegen Abend im Hotel Alekto an, wo wir während unserer Reise übernachteten.
Punkt 8 Uhr startete der Bus am nächsten Tag zur Besichtigung der Burg Stein bei Hartenstein. Bei einer sehr unterhaltsamen Führung erfuhren wir, dass sich die Burg seit zwanzig Jahren wieder im Besitz der Grafen von Schönburg-Hartenstein befindet und nur Teile der Burg besichtigt werden können. Als Wehranlage auf einem großen natürlichen Felsen erbaut, zeigen die Räume der Burg eine ungewöhnliche Geometrie. Bei wider Erwarten recht schönem Wetter ging es weiter zur kleinsten Burg von Sachsen, zur Burg Rabenstein in der Nähe von Chemnitz. Wie die Burg Stein ist auch diese Burg auf einem Felsen erbaut und konnte besichtigt werden.
Am Fuße des Osterzgebirges erreichten wir die Universitätsstadt Freiberg. Die durch den Bergbau und den Fernhandel reich gewordene Stadt hat viele stadtbildprägende, historische Gebäude. Der über 800 Jahre alte Freiberger Dom St. Marien empfing uns mit einem besonders wertvoll ausgestatteten spätgotischen Kirchenraum. Die Führung begann mit herrlicher Orgelmusik, die auf der ältesten erhaltenen Orgel von Gottfried Silbermann gespielt wurde. Nach der „Goldenen Pforte“, ein Juwel der mittelalterlichen Steinmetzkunst, besichtigten wir die Grablege der lutherischen sächsischen Landesfürsten, die freistehende Tulpenkanzel (1505) und die Bergmannskanzel (1638). Mit einem Bummel durch die Altstadt zwischen Obermarkt und Untermarkt klang dieser Tag eindrucksvoll aus.
Sonnenschein begleitete den Start in den letzten Tag der Erzgebirge-Burgenfahrt. Schloss Lichtenwalde, Schloss Augustusburg und die Burg Zschopau standen auf der Agenda. Bei Braunsdorf gelegen, erreichten wir das Schloss Lichtenwalde über den in die Landschaft eingefügten barocken Schlosspark. Das sehr bemerkenswerte Ensemble wurde vom Land Sachsen in den letzten Jahren umfangreich saniert und beherbergt heute ein Museum und wird für Trauungen genutzt.
Als „Krone des Erzgebirges“ thront Schloss Augustusburg hoch über dem Zschopautal. Zwischen 1568 und 1572 als Jagd- und Lustschloss für den sächsischen Kurfürst August erbaut, erlebte es eine wechselvolle Geschichte. Uns erwartete das imposante Schloss mit einer Vielzahl von Angeboten: Schlossmuseum, Motorradmuseum, Trauungen, Adler- und Falkenhof, Schlosstheater u.v.m. Bei einer nahezu schauspielerisch dargebotenen Führung durchstreiften wir die riesige Dachwelt des Schlosses, in der sich damals große Tanz- und Bankettsäle befanden. Das fürstliche Leben im Schloss war noch gut zu spüren.
In Zschopau war Schloss Wildeck unser letztes Reiseziel. 1299 erstmals als mittelalterliche Befestigungsanlage urkundlich erwähnt, ließ Herzog Moritz, später Kurfürst von Sachsen, die Burg 1545 bis 1547 zum Jagdschloss im Renaissancestil umbauen. Im Hof des Schlosses steht der „Dicke Heinrich“, ein Wohn- und Wachturm aus dem 12. Jahrhundert. Der Vergleich zum „Dicken Wilhelm“ auf Schloss Neuenburg lag nahe und so wurde hier das obligatorische Gruppenfoto arrangiert. Mit vielen Eindrücken und Erlebnissen verließen wir das liebreizende Erzgebirge. Bei einem Picknick wurde wie jedes Jahr das neue Reiseziel für die 18. Vereinsfahrt demokratisch festgelegt. 2013 geht die Burgenfahrt nach Würzburg und Umgebung, das Zentrum des Frankenweines.
Kurz vor Reiseende fuhren wir auf der A 9 in einen Stau, der uns für zwei Stunden festhielt. Als Picknickgeübten hatten wir schnell unsere neuen Klapptische herausgeholt und die letzten Essen- und Trinkreste verteilt. Dabei kamen wir mit anderen Staugeplagten ins Gespräch und erzählten von unserer Vereinsfahrt und auch von den Zielen, die der Verein verfolgt. Vielleicht haben wir auf diese Art wieder neue Mitglieder gewonnen. Wir würden uns sehr freuen.
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Weiterveröffentlichungen:

Naumburger Tageblatt | Erschienen am 06.10.2012
1 Kommentar
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Your Beoland aus Bösel | 13.10.2012 | 22:34  
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