Anzeige

Eichsfeld war Ziel der 16. Vereinsfahrt des Fördervereins der Neuenburg

Teilnehmer der 16. Vereinsfahrt des Neuenburgvereins auf der Burgruine Hasenburg im Eichsfeld
 
Das Kloster Volkenroda punktet mit der ältesten noch erhaltenen Zisterzienser-Klosterkirche und dem Christus-Pavillon.
Das Eichsfeld, geografischer Mittelpunkt von Deutschland, war das Ziel der 16. Vereinsfahrt des Vereines zur Rettung und Erhaltung der Neuenburg e.V. vom 2. bis 4. September 2011. Der selbst nach der Reformation fast ausschließlich katholische Landstrich besitzt eine faszinierende Schönheit und Menschen mit einem ausgeprägten Heimatbewusstsein. Reinhard Schmitt, Organisator und Führer dieser Reise, stimmte zu Beginn die Vereinsmitglieder ein: „Auf dieser Reise besteht allerdings keine Aussicht, große Burgen wie beispielsweise die Neuenburg, zu erkunden. Es erwarten uns kleinere Burgen und Klöster und viele Burgruinen. Das Gebiet des Eichsfelds unterlag viele Jahrhunderte eine wechselvolle Geschichte als Grenzregion“.
Erstes Reiseziel war die Burgruine Hohnstein in der Nähe von Nordhausen. Die Stammburg der ehemaligen Grafen und späteren Fürsten von Hohnstein wurde 1627 zerstört und ist jetzt eine Ruine, bei der zahlreiche Mauerreste der mächtigen Befestigungsanlagen erhalten geblieben sind. Die Ausmaße der Burganlage konnten nach einem steilen Aufstieg zu Fuß erkundet werden. Reinhard Schmitt erläuterte an den markanten Punkten der Burganlage die einstigen Funktionen und Ausdehnungen der Burgteile. Der Blick von einer in der Burgruine eingebauten Aussichtsplattform in das weite Thüringer Land war großartig.
Vor der nächsten Besichtigung gab es zur Stärkung das traditionelle erste Picknick der Vereinsfahrt, auf das sich immer alle Vereinsmitglieder freuen und erste Eindrücke und Erwartungen austauschen. Im Kloster Walkenried, das 1098 von den Zisterziensern gegründet wurde, erwartete uns ein modernes und innovatives Klostermuseum. Die Führung im Kloster nahm uns mit auf eine faszinierende Zeitreise durch die vollständig erhaltenen Klausurgebäude aus dem 13. Jahrhundert, in denen durch akustische und visuelle Inszenierungen das Mittelalter wieder lebendig wird. Im Außenbereich beeindruckte die riesige Ruine des gotischen Chores.
Die nächste Burgruine war so gut versteckt bzw. zugewachsen, dass wir sie gar nicht gefunden haben. Die Burg Sachsenstein gehörte zu den von Heinrich IV. um 1070 gegen die aufständischen Sachsen errichtete Burganlage. Unbeirrt setzen wir unsere Reise fort und fuhren nach Heilbad Heiligenstadt zu unserer Unterkunft mitten im historischen Stadtzentrum.
Der zweite Tag begann mit einer Wanderung zur Hasenburg, die zu den bedeutendsten frühgeschichtlichen Burgen Thüringens gehört. Lang, lang ist es her, dass Kaiser Heinrich IV. die Hasenburg in der Nähe von Buhla zu einer Reichsburg ausbauen ließ. Doch schon im 13. Jahrhundert büßte die Hasenburg ihre Bedeutung zu Gunsten der benachbarten Harburg ein. Bei Ausgrabungen in den 1970 und 1980er Jahren wurde ein Pfostenhaus teilweise rekonstruiert. Die fast von der Natur wieder zurück eroberte Burg war für alle ein besonders romantischer Rastplatz, nachdem der Aufstieg doch recht anspruchsvoll war. Hier entstand auch das obligatorische Gruppenfoto mit allen Reiseteilnehmern.
In einem ganz anderen Zustand empfing uns die Burg Bodenstein. Im 10. Jahrhundert als Reichsburg genutzt, kam sie nach mehrmaligem Besitzerwechsel 1448 in Besitz der Witzingeröder. 1945 wurde die Burg enteignet und geplündert und seit 1948 als Erholungsheim genutzt. Seit 1994 befindet sich in der Burg die Familienerholungs- und Begegnungsstätte der Evangelischen Kirche. Diese hat die Wohnbereiche der Kirche aufwendig saniert und die Funktionsbereiche auf einen modernen Stand gebracht. Es ist ein spannendes Ambiente zwischen zeitgemäßen Ansprüchen und historischer Bausubstanz entstanden.
Eine weitere bauhistorische Rarität erwartete uns auf Burg Adelebsen. Der freistehende fünfeckige Wohn- und Wehrturm entstand um 1300. Die Besteigung des Turms war nach den bereits erfolgten Besichtigungen eine weitere körperliche Herausforderung, die zusätzlich von einer Unmenge Dreck begleitet wurde, die eine Dohlenkolonie im Turm hinterlassen hatte.
Am Tag drei unserer Vereinsfahrt standen die Burgruine Hanstein, die Burg Scharfenstein und das Kloster Volkenroda auf dem Programm. Mitten im ehemaligen Grenzstreifen bei Bornhagen liegt die Burgruine Hanstein. In der schönsten Burgruine Mitteldeutschlands begrüßte uns standesgemäß ein Ritter. Auf Grund der Lage der Burg wurde der Nordturm in der DDR-Zeit von den Grenztruppen als Beobachtungsturm genutzt. Heute finden auf der Burg viele interessante Veranstaltungen statt, von denen das Mittelalterfest im August ganze Völkerscharen anzieht.
Bevor die Besichtigung des Klosters Volkenroda erfolgen konnte, fuhren wir zur zwischen Beuren und Leinefelde gelegenen Burg Scharfenstein. Seit 2002 ist die Burg im Besitz der Stadt Leinefelde, die seitdem viele Umbau- und Sanierungsarbeiten auf der Burg vorgenommen hat. Die gute Lage der Burg und die zahlreichen Nutzungsmöglichkeiten haben die Anlage wieder zu einem Touristenmagnet werden lassen. Ganz anders zeigte sich das 1131 gegründete Zisterzienserkloster in Volkenroda bei Mühlhausen. Von der ökumenischen Kommunität der Jesus-Bruderschaft verwaltet, weht ein frischer Wind durch die alten Mauern. Das Kloster punktet mit der ältesten noch erhaltenen Zisterzienser-Klosterkirche in Deutschland und dem Christus-Pavillon, der nach der EXPO 2000 dem Kloster übereignet wurde.
Mit zahlreichen neuen Eindrücken aus den historischen Burgen, Burgruinen und Klöstern des Eichsfeldes wurde der Heimweg angetreten. Die starke Präsenz der Heimatgeschichte in dieser Region und auch die Verbindung und Nutzung historischer Bausubstanz mit den modernen Anforderungen des Alltags wird noch lange nachwirken und zu neuen Ideen beflügeln. Bevor die Reise zu Ende ging, wurde bei einem letzten Picknick die nächste Zielregion für die Vereinsfahrt diskutiert und das Erzgebirge favorisiert. Auch dort werden uns wieder Burgen, Schlösser, Kirchen und interessante Orte und Menschen erwarten.
0

Weiterveröffentlichungen:

Naumburger Tageblatt | Erschienen am 28.12.2011
1 Kommentar
5.817
uwe Zeidler aus Bad Kösen | 18.12.2011 | 21:06  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.