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Die Brandstiftung vor 485 Jahren in der Naumburger Domfreiheit und ihre Folgen

Man schrieb das Jahr 1532, als im April in Naumburg Glorius Beyer und sein Sohn Nicol hingerichtet wurden. Wie überliefert, hat man sie zunächst „auf den Kreuzen der Freiheit und in der Stadt herumgeführet“, dabei „mit glüenden Zangen hin und wider gezwicket, hernachher neben dem Rabenstein auf dem Galgenberg mit dem Rade von unten aufgestoßen“ und „schließlich auf einem Rost, von Holz gemacht, geleget und zu Aschen verbrennet.

Was war der Grund für diese, aus heutiger Sicht, grausame Bestrafung?

Verschiedene Quellen nennen den 27. März bzw. den 7. April 1532 als den Tag, an dem mittags zwischen 1 und 2 Uhr auf der Domfreiheit ein Brand ausbrach, der drei Stunden wütete und großen Schaden anrichtete. „Über 30 Menschen und Kinder“ kamen dabei ums Leben und die „Freiheit vor dem Herrentor brannte ganz und gar ab“ einschließlich der „Domherren Höfen bis auf die Domprobstei, die Kirchen, das Closter zu St. Georgen, dem zwar die Ställe und Gemächer auch abgebrennet, und das Dom Gefängnis“. „Auf dem ganzen Dome, ausgenommen des Bischofs Hof, nichts anders als die Mauern verblieben, die Glocken zerschmolzen, die Orgeln und schönen Tafeln, auch feine Antiquitäten der Stifter verbrannt und jämmerlich umkommen“.
In späteren Berichten ist von 34 Opfern und 451 Häusern die Rede, die in Schutt und Asche sanken.
Am Dom verbrannte das gesamte Dachwerk. Die vom Chronisten erwähnten geschmolzenen Glocken lassen vermuten, dass auch die oberen Teile der Türme vollständig ausbrannten. Die Gewölbe hielten dem Feuer stand, so dass das Innere des Doms nur im Bereich des Westchores und der Seitenschiffe Schaden nahm.
Als Grund für die gewaltige Ausbreitung des Feuers kann man die damalige Bauweise der Häuser annehmen. Auch ist von mangelnder Löschhilfe die Rede, weil viele Einwohner der Domfreiheit sich gerade in Flemmingen befanden, um „einen lutherischen Prediger zu hören“.

Als Brandursache stellte sich heraus, dass der oben genannte Glorius Beyer und sein Sohn Nicol in zwei Brauhöfen Feuer gelegt hatten. Um ihre Tat zu verschleiern, halfen sie anschließend heftig beim Löschen. Allerdings hatte der Vater beim Legen des Feuers Schießpulver verwendet und sich dabei eine Verbrennung an der Hand zugezogen. Dem Barbier, den er später in der Stadt zur Wundbehandlung aufsuchte, erzählte er, dass es zu dieser Verletzung beim Löschen des Feuers gekommen wäre. Der Barbier aber erkannte, dass die Wunde nur durch Verwendung von Pulver entstanden sein konnte, zog die entsprechenden Schlussfolgerungen daraus und meldete den Fall an die Obrigkeit. Vater und Sohn wurden festgenommen und bekannten bald, vermutlich unter Folter, ihre Schuld.

Was trieb die beiden nun zu ihrer Tat? Es ist überliefert, dass ein anderer Sohn bzw. Bruder der Brandstifter zuvor „einen Mord an einer Magd auf der Straßen begangen und sie beraubet“ hatte. Dieser wurde gefasst und „mit dem Schwerte gerichtet“. Vermutlich wollten sich die Brandstifter dafür rächen.

Die Domfreiheit wurde in den nächsten Jahrzehnten nach dem Brand nach und nach wieder aufgebaut. Der Verlauf der Reparatur und Instandsetzung des Domes mit den zugehörigen Gebäuden kann heute noch anhand der erhalten gebliebenen Rechnungen gut nachvollzogen werden. Als letztes erfolgte die Sanierung des Nordwestturmes, die 1560 abgeschlossen wurde.
Einzig die Marienkirche am Dom blieb eine Ruine. Erst 1894/95 wurde im Anschluss an den erhalten gebliebenen Ostchor der Kirche eine Turnhalle für die Domschule erbaut. Damit verschwand das letzte äußere sichtbare Zeichen der Geschehnisse von 1532.
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