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Burgen, Schlösser und Herrenhäuser des Nordens erkundet

Eingangsportal der Burgkapelle (1470) in Ziesar mit Maßwerk
 
Im Museum der Burg Neustat-Glewe
Der Besuch von Burgen, Schlössern und Herrenhäusern in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern stand auf dem Programm der 15. Vereinsfahrt des Vereins zur Rettung und Erhaltung der Neuenburg e. V., die vom 3. bis 5. September 2010 stattfand. Drei Tage lang erkundeten fünfzig Vereinsmitglieder und Freunde des Vereins historische Zeitzeugen in Belzig, Ziesar, Paretz, Wittstock, Neustadt-Glewe, Schwerin, Güstrow, Penzlin, Burg Stargard und Oranienburg.
Die Organisation der Reise und die Reiseleitung lagen wie bei jeder Vereinsfahrt in den bewährten Händen von Vereins- und Vorstandsmitglied Reinhard Schmitt. Dieser hatte auch wie in jedem Jahr zu allen Objekten einen kleinen Reiseführer zusammengestellt, der viele Informationen zur Geschichte und Baugeschichte enthielt.
Der erste Tag der Reise führte in den Fläming, die Burgenregion im Süden des Landes Brandenburg. Auf der Burg Eisenhardt, die sich hoch über Belzig erhebt, begann die erste Besichtigung. Die Backsteinburg wird von einem heute noch gut erkennbaren Wallgraben umgeben. 997 erstmals erwähnt, zeigt die Burg eine wechselvolle Geschichte. Eine Steinbrücke führt durch das von zwei Türmen flankierte Torhaus. Im Innern der Burg steht ein mächtiger Bergfried aus spätromanischer Zeit. Im 15. Jahrhundert wurde die Anlage zur Festung ausgebaut. Sie ist eine der wenigen ihrer Art in Norddeutschland und damit ein wichtiges Beispiel für den Übergang vom Burgen- zum Festungsbau. Heute beherbergt die Burg ein Heimatmuseum, Grundbuchamt, Hotel und einen Trauraum.
Weiter ging die Fahrt nach Ziesar. Nach einem stärkenden Picknick wurde die ehemalige Bischofsresidenz Burg Ziesar besichtigt. In einer innovativen Dauerausstellung werden mittelalterliche Fußbodenheizungen, prächtige Wandmalereien, vergessene Kamine und vieles mehr gezeigt. Sensationell sind die großflächigen Wandmalereien im Jerusalemsaal, bei denen es sich vermutlich um die Darstellung von Szenen der Heiligen Stadt handelt. Von der Kernburg haben sich bis heute der bischöfliche Palas, die reich ausgemalte Burgkapelle und der Bergfried erhalten.
Bevor es zu den Unterkünften nach Wittstock weiterging, wurde im Schloss Paretz die Sonderausstellung „Luise. Die Kleider der Königin“ besucht. Schloss Paretz, 1797 von David Gilly erbaut, war der Lieblingssitz der preußischen Königin Luise. Der Ausstellungsbesuch war eine interessante Ergänzung zu einem Vortrag über das Leben der Königin, der beim Remisentreff im Juli zu hören war.
Am nächsten Tag standen die Burg in Neustadt-Glewe, das Schweriner Schloss sowie das Güstrower Schloss auf dem Programm. In Neustadt-Glewe konnte die älteste Burganlage der Vereinsfahrt besucht werden. Eine engagierte Museumsleitung hat in den letzten Jahren viel zur Attraktivität der Burg und ihres Museums beigetragen. Höhepunkt des Tages war ganz sicher der Besuch des mitten auf einer Insel im Schweriner See gelegenen Schlosses. Mit seiner Architektur zählt das Schloss zu den bedeutendsten Bauten des Historismus in Europa. Der Gang durch die ehemaligen Wohn- und Gesellschaftsräume von Friedrich Franz II. und seiner Gemahlin war ein ganz besonderes Erlebnis. Prunkvoll und verschwenderisch ausgestaltet, zeigen sie eindrücklich das höfische Leben der damaligen Zeit.
Der dritte Tag der Reise begann mit einer kurzen Stippvisite in der Burg Wittstock. Reinhard Schmitt übernahm hier selbst die kurze Führung und erläuterte die Anlage, die im 12. Jahrhundert durch die Havelberger Bischöfe erbaut wurde. Weiter ging es zur Burg Penzlin mit ihrer Präsentation des spätmittelalterlichen und neuzeitlichen Hexen(un)wesens und danach nach Burg Stargard. Die Höhenburg Stargard ist das älteste weltliche mittelalterliche Bauwerk in Mecklenburg-Vorpommern. Es wurde zwischen 1236 und 1270 erbaut. Heute findet man auf der Burg das städtische Museum. Der Bergfried und der einstige Torbau sind zugänglich; außerdem ist ein großer Kräutergarten zu besichtigen.
Den letzten Halt legte unser Reisebus in Oranienburg ein. Nach einer wechselvollen und folgenreichen Nutzungsgeschichte präsentiert das dortige Schlossmuseum heute eine Sammlung einzigartiger Kunstwerke, darunter die prächtigen Etagèren in der Porzellankammer. Herausragend ist eine Gruppe von Sitzmöbeln aus Elfenbein, entstanden um 1640 in Brasilien. Ebenso bedeutend ist eine Serie von Tapisserien aus der Manufaktur von Pierre Mercier in Berlin, die die Ruhmestaten des Großen Kurfürsten schildern. Einen weiteren glanzvollen Höhepunkt bildet das Silbergewölbe, in dem ausgewählte Beispiele königlichen Prunksilbers gezeigt werden.
Mit der Besichtigung dieses vielleicht schönsten Schlosses in Preußen endete die 15. Vereinsfahrt. Beim letzten Picknick auf dem Weg nach Hause wurde wie immer demokratisch festgelegt, dass uns die Vereinsfahrt im nächsten Jahr in das Eichsfeld führen soll.
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Weiterveröffentlichungen:

Naumburger Tageblatt | Erschienen am 22.09.2010
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