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1000-Kreuze-Marsch: Abtreibungsgegner rufen Linksradikale und Feministinnen auf den Plan

An der Spitze des Gebetszuges wird ein Marienbildnis getragen.

Zum elften Mal riefen ultra-christkonservative Abtreibungsgegner in Münster zu einem Gebetszug „1000 Kreuze für das Leben“ auf. Seit einigen Jahren werden werden die Betenden von Gegendemonstranten empfindlich gestört.

Die Teilnehmer an der Veranstaltung der "Lebensschützer" am Wochenende kommen zum Teil von weit her angereist. Gebetszüge dieser Art finden mittlerweile jährlich in vielen Städten Deutschlands statt. Im letzten Jahr kamen zu einer entsprechenden Veranstaltung nach Berlin sogar 3000 Teilnehmer, unterstützt durch katholische Marschierer aus Polen.


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Der Veranstalter EuroProLife e.V beklagt 1000 abgetriebene Ungeborene pro Tag in Deutschland, hat aber auch die Perspektive auf Europa, das angesichts der vom scheidenden Papst Benedikt beklagten Kultur des Todes als sterbender Kontinent gesehen wird. Die ins Gebet oder in heilige Gesänge vertieften rund 100 Teilnehmer, die von einem Marienbildnis angeführt wurden, führten weiße Kreuze als Zeichen der Trauer um die Ungeborenen mit sich. Diese wurden zu Beginn aus der Pfarrei der Aegidiikirche herausgereicht. Die teilweise kompromisslos argumentierenden Abtreibungsgegner berufen sich auch auf den Kardinal Graf Galen als Vorbild, der mehrmals in Predigten die Politik der Nationalsozialisten angeprangert hatte.

Der Gebetszug durchquerte die Innenstadt und führte doch zu beträchtlichen Irritationen im samstäglichen Shoppingpublikum, zumal er von heftigen Gegenprotesten und Störversuchen begleitet wurde. Linksradikale und Feministinnen hatten zuvor am Vormittag nämlich eine "Feministischen Demonstration" mit 400 Teilnehmern durch Münster mobilisiert, skandierten dabei staats- und christentumsfeindliche Parolen und verteidigten in Protesten das Recht auf Schwangerschaftsabbruch und abweichende Lebensformen. Mit Trillerpfeifen, Trommeln und Tröten versuchten sie anschließend auch die Gebete und Gesänge der Abtreibungsgegner zu übertönen, was ihnen auch immer wieder gelang. Die Polizei war mit einer Hundertschaft aus Osnabrück verstärkt im Einsatz, es kam Festnahmen und Anzeigen. Passanten zeigten sich verärgert über unanständig klingende Parolen.

Absurdes Finale der attackierten Trauerdemo war auf einer Brücke über die Aa an der Überwasserkirche erreicht, als die Kreuzträger weiße Rosen für die Ungeborenen ins Wasser warfen und mit etwa gleich vielen Gegendemonstranten konfrontiert waren. Die fischten die Rosen nicht nur wieder aus dem Wasser, sondern bauten zudem eine Lärmkulisse auf, die schon die Frage aufwarf, ob hier auch Anwandlungen des eigenen schlechten Gewissens übertönt werden sollte.

Die Abtreibungsfrage scheint in Deutschland recht unentschieden gelöst, was aber seinen Grund hat. Abtreibung gilt nach wie vor als "rechtswidrig, aber straffrei", was ungenau ist, sie ist verboten und nicht verboten zugleich.
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