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Ist das Insolvenzverfahren human oder menschenunwürdig?

Der Gerichtsvollzieher klingelt. Der Briefträger bringt Schreiben vom Inkassobüro. Das Kreditinstitut mahnt. Wenn das zutrifft, ist es Zeit eine Privatinsolvenz in Betracht zu ziehen. Ist man einmal in der Schuldenspirale gefangen, kommt man zumeist von selbst nicht mehr heraus. Auch wenn man keine zusätzlichen Schulden mehr macht, führen die hohen Inkassokosten, Exekutionskosten und nicht zuletzt die anfallenden negativen Zinsen und Zinseszinsen zu einem immer fortwährendem Wachstum der Schulden.

Wie sind die Schulden entstanden?

Die Gründe für Privatinsolvenzen sind quer durch die Bank gemischt. Sie liegen oftmals in den Arbeitsverhältnissen begründet. Arbeitslosigkeit, ein zu niedriges Einkommen oder auch eine gescheiterte Selbstständigkeit sind oft ursächlich. Auslöser für die Schuldenfalle sind vielfach auch im familiären Bereich zu finden. Scheidungen oder Trennungen und Krankheiten bewirken, dass das geordnete Leben aus dem Ruder läuft. Ein dem Einkommen nicht angepasstes Konsumverhalten und viele Lockangebote von Versandhändlern oder auch Kreditinstituten tragen ihren Teil zur übermäßigen Verschuldung bei. Die meisten Privatpersonen haben ihre Schulden bei Kreditinstituten, Vermietern und Versandhändlern.

Privatinsolvenz

In Deutschland sind beinahe 700.000 Menschen von einem Insolvenzverfahren betroffen. In der Regel müssen die Schuldner sechs Jahre lang am Existenzminimum leben. Das Einkommen oberhalb der Pfändungsgrenze muss abgegeben werden. Auch das Auto oder Motorrad des Schuldners gehört zur Insolvenzmasse und wird zur Verwertung herangezogen. Selbst ein von einer Bank finanziertes Fahrzeug ist meistens weg. Die Bank gehört zu den Gläubigern und wird den Kredit kündigen.


Sind 6 Jahre zu lang?

Ob man das Insolvenzverfahren nun als human oder menschenunwürdig empfindet, hängt wohl zumeist davon ab, ob man ein Betroffener ist. Gerade für Menschen über 50 führt die Privatinsolvenz sehr oft ins Harz4 Gelände. Nach 6 Jahren Leben am Existenzminimum und drei Jahren Schufa Eintrag wird sich die Einkommenssituation für sie kaum mehr bessern. Hat man von Freunden oder Angehörigen keine finanzielle Hilfe für die Insolvenzzeit, dann ist ein menschenwürdiges Leben in der Privatinsolvenz schwer. Das Privatinsolvenzverfahren endet nach 6 Jahren mit einer Restschuldbefreiung. Die Information darüber bleibt jedoch für die Dauer von drei Jahren bei der SCHUFA gespeichert. Da alle Insolvenzverfahren bei der SCHUFA gemeldet sind, ist die Kreditwürdigkeit passe.

Was viele nicht wissen: Eine bereits vorhandene Kreditkarte muss in der Privatinsolvenz abgeben werden. Es gibt die Möglichkeit einer Prepaid Kreditkarte. Sie funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie eine Telefonwertkarte. Diese Kreditkarte wird aber nicht überall akzeptiert. Bei der Reservierung von Mietwagen oder der Buchung von Hotelzimmern kann es mit der Prepaid Kreditkarte Probleme geben.Das bedeutet, man kann sich auch nach sechs Jahren kein Auto finanzieren. Erst nach neun Jahren sind die negativen finanziellen Folgen der Privatinsolvenz überwunden.
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