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G20-Krawalle: Recherchebericht enthüllt neue Details - Untersuchungsausschuss immer wahrscheinlicher

G20-Aufarbeitung: Recherchebericht wirft neue Fragen auf - Untersuchungsausschuss immer wahrscheinlicher
Aussagen der Polizeiführung im Innenausschuss stimmen nicht überein mit den Aussagen der Kommandoführung vor Ort.

In einer 1. Sondersitzung des Innenausschusses der Hamburgischen Bürgerschaft Mitte Juli wurde unter anderem gefragt, warum die vor Ort mit 6 Hundertschaften bereitstehende Polizei die Anwohner des Hamburger Schanzenviertels am Abend des 7. Juli nicht habe vor Randale schützen können.

Ein umfassender Recherche-Bericht enthüllte nun, dass die Aussagen der Polizeiführung im Innenausschuss mit den Aussagen der Kommandoführung vor Ort nicht übereinstimmen. Krawallmacher seien von der Polizei zudem auch gezielt in die Schanze "hinein getrieben" worden, so ein Bericht des Bloggers Max Bryan.

Der renommierte Hamburger Rechtsanwalt Gerhard Strate schlussfolgerte zudem, dass das G20-Sicherheitskonzept "verfassungswidrig" sei. Von Beginn an habe die Sicherheit der Staatsgäste Vorrang vor den Sicherheitsinteressen der Bürger gehabt, so der Anwalt. Strate zog 2009 die HSH Nordbank vor Gericht.

Quelle: http://www.huffingtonpost.de/max-bryan/g20-ermittl...

Ein sehr umfassender, lesenswerter Bericht, der viele neue Fragen aufwirft, die so bislang nicht diskutiert wurden. Wie beispielsweise die Tatsache, dass die verantwortlichen Einsatzführer gegenüber dem Innenausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft berichteten, das SEK sei unter anderem mit "Holzpaletten und Eisenstangen" beworfen worden. SEK-Kommandoführer Mewes hingegen berichtet, es habe überhaupt keine Gegenwehr gegeben. Die Aussagen unterscheiden sich deutlich.

Auch seien auf den Dächern weder Molotow-Cocktails noch andere größere Wurfgeschosse wie Gehwegplatten und Ähnliches gefunden worden. Dies aber wurde als Grund her genommen, die Schanze nicht früher schon räumen zu können. Es habe "Gefahr für Leib und Leben bestanden", argumentiert die Polizei.

Interessant dabei ist die augenscheinliche Diskrepanz zwischen dem, was anfänglich verweigert, dann aber problemlos umgesetzt wurde. So weigerten sich die vor Ort vorhandenen Kräfte zwischen 21 und 23 Uhr in die Schanze vorzurücken, aus Angst, man könne vom Dach aus beworfen werden. Die selbe Truppe aber, die sich zuvor noch geweigert hatte, ging dann um 23:37 Uhr zusammen mit dem SEK bis vor die Haustür des Gebäudes am Schulterblatt 1, wo ja immer noch die Gefahr von herunter fallenden Gegenständen bestand.

Der Blogger Max Bryan fragte sich daraufhin, wie dies zusammen passe? Eine Gehwegplatte vom Dach geworfen um 22 Uhr sei doch "die selbe schlimme Gefahr wie eine Gehwegplatte um 23:37 Uhr, oder etwa nicht?".

http://www.huffingtonpost.de/max-bryan

Die Frage ist durchaus berechtigt. Zumal in der Tat unklar ist, wo der Unterschied zwischen beiden Gefahrensituationen im Einzelnen nun liegen soll. Nur weil das SEK mit dabei ist, wird die Gefahr des Beschusses von oben ja nicht geringer, im Gegenteil. Angeblich sei ja auch das SEK angegriffen worden, "mit Eisenstangen, großen Steinen und Holzpaletten", wie es hieß, doch das wurde bis dato weder belegt noch bewiesen.

Frage daher bleibt: Waren die vorhandenen Kräfte tatsächlich nicht in der Lage das Gebäude am Schulterblatt 1 auch ohne dem SEK und vor 23 Uhr schon zu sichern?

Der ehemalige Kriminalbeamte Thomas Wüppesahl findet klare Worte für das Versagen der Hamburger Polizei. Zitat: "Die Behauptung, die Lage wäre nicht beherrschbar gewesen, ist grober Unfug", sagt der ehemaliger Polizist. Hier sein Video:


Und hier von Beginn an: https://www.youtube.com/watch?v=ORxg3B2b2Fk

Auch seiner Meinung nach hätte man "von der Altonaer Strasse aus reingehen können und den Widerstand dort brechen können" und eine Befehlsverweigerung wie geschehen "ginge so auch gar nicht", weil jeder Polizist einen "Amtseid geschworen" habe, der besagt, dass man "zur Not auch unter Einsatz des eigenen Lebens" versuchen müsse "den Schutz der Bevölkerung sicherzustellen", so Wüppesahl im Interview Ende Juli. Doch das sei in der Schanze am 7. Juli nicht passiert. Stattdessen wartete man auf das SEK, während die Randalierer ungestört großen Schaden im Viertel anrichten konnten. Im Grunde sei das ein "Skandal", da sind sich Kritiker und Anwohner einig.
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 03.08.2017 | 00:38  
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