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13. März: 2. Gedenkveranstaltung zum Deportationsbeginn Münchner Roma und Sinti 1943

Plakat Flyer-Motiv und Blumenstrauß (Foto: © Bild: www.facebook.com/oliver.stey CC)
 
Ansprache Alexander Diepold, Geschäftsführer Madhouse gGmbH (Foto: © Bild: www.facebook.com/oliver.stey CC)
 
Ansprache Brigitte Wolf, Stadträtin Die Linke (Foto: © Bild: www.facebook.com/oliver.stey CC)
München: Gedenkveranstaltung deportierter Münchner Sinti und Roma |

Was 2018 erstmals und damit spät, jedoch keinesfalls zu spät veranstaltet wurde, erlebte am 13. März 2019 seine zweite Realisierung: das Wachhalten der Erinnerung an einen der dunkelsten Momente Münchner Zeitgeschichte, die Deportation von mindestens 141 Münchner Sinti und Roma in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.

Eine Reihe von Cooperationspartnern, an deren Spitze die Madhouse gemeinnützige GmbH und deren hoch engagierter Geschäftsführer Alexander Diepold, hatte am 08. März, dem Tag der einsetzenden Verhaftungswelle, bereits zu einem ökumenischen Gebet in die Theatinerkirche geladen.

Angesichts des gegenwärtig mit unvorstellbarer Gesichtsvergessenheit, wie Verantwortungslosigkeit neu um sich greifenden Extremismus, Hass, Nationalismus und Rassismus ist das unmissverständliche Augenmerk so bitterst nötig, wie nie.

Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä hatte 2018 anlässlich der 75. Wiederkehr dieser Gräuel bei einem Festakt im Münchner Rathaus noch in atemberaubender Offenheit die Geschehnisse als ein Verbrechen aus rassistischen Gründen, begangen durch Angehörige und unter Mitwirkung der Münchner Polizei benannt.
Vor dem Bewusstsein der Vergangenheitsverantwortung verschließt die Münchner Polizei nicht die Augen vor der Schuld ihrer früheren Kollegen, sicherte er weiter zu, auch wenn wohl viel zu lange angenommen wurde, dass rassistische Vorurteile gegen Minderheiten nicht mehr vorhanden seien.
Die Polizei versteht sich als Hüter der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und tritt für die Sicherheit aller hier ebenden Menschen ein. Das war vor 75 Jahren nicht der Fall! Die Münchner Polizei hat im NS-Staat versagt und ihre eigenen Werte verraten. Dies darf nie wieder geschehen!
Doch ein Jahr später zeigt sich, dass diese Problematik weiter schwelt und größte Wachsamkeit geboten ist, wenn bsw. interne Ermittlungen gegen zwei seiner Beamten wegen Volksverhetzung laufen.

Dass zudem sowohl in Teilen der Bevölkerung dahingehend unverblümt artikuliert wird, wie auch Personen, welche sich so äußern, sogar im Deutschen Bundestag sitzen, muss ein unüberhör- wie -sehbares Warnsignal an uns Alle sein und bleiben!

Um 15.00 wurde am Platz der Opfer des Nationalsozialismus öffentlich mit Grußworten, Kranzniederlegungen, Namenslesung der Opfer und ökumenischem Gebet gedacht.
Entgegen den letztjährig zweifelsohne bereits diesem Anlass entsprechend zu steigernden ca. 300 TeilnehmerInnen, erfolgte leider ein deutlicher Einbruch auf ca. 100 Personen. An deren Spitze Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Stadtdekanin Barbara Kittelberger, Apostolos Malamoussis, Erzpriester des Ökumenischen Patriarchats, Brigitte Wolf, Stadträtin Die Linke und Ludwig Spänle, Kultusminister a D..
Umso wichtiger, dass künftig insbesonders Schulen, wie auch Institutionen, Organisationen und Vereine eine gezielte Einbindung erfahren, denn München hat schon oft, wie bsw. bei der legendären Lichterkette sein, in der Bevölkerung verankertes Herz unter Beweis gestellt!

Um 19.00 schloss sich im NS-Dokumentationszentrum einer Gedenkveranstaltung an.
Während der Platz der Opfer des Nationalsozialismus frei von Gruppierungsnennungen an die Schreckenszeit der Nazi-Diktatur und ihrer Opfer erinnert, wirft es Fragen auf, ob es wirklich der Weisheit letzter Schluss war, das NS-Dokumentationszentrum mit einem Max-Mannheimer-Platz zu verbunden, während sich die Landeshauptstadt München bis heute nicht zu einer entsprechenden Ehrung von Hugo-Höllenreiner durchringen konnte.
Es muss angesichts der Tatsache, dass wir in eine Zeit ohne Zeitzeugen gehen, alleroberstes Gebot sein, den Holocaust nicht alleine mit den Verbrechen an den Juden in Verbindung zu bringen, sondern allen andern Betroffenen, wie Euthanasieopfer, oder verfolgte Minderheiten der Sinti, Roma und Jenischen ebenfalls!
Das Vergessen wäre/ist eine Wiederholung der Gräuel: mit Bewusstsein erfolgt fast noch schlimmer, als die NS-Zeit!

Ein Fauxpas also geradezu, das die Bayerische Staatsregierung in Ludwig Spänle einen Antisemitismusbeauftragten und den Antiziganismus nicht personifiziert!

Stadträtin Jutta Koller, Bündnis 90/Die Grünen, sprach nach der Begrüßung von Hausherrin Prof. Dr. Mirjam Zadoff, in Vertretung von Oberbürgermeister Dieter Reiter in so erfrischend ehrlicher Deutlichkeit, dass es den Politgrößen ins Stammbuch geschrieben und echter Maßstab sei.

Neben den Grußworten von Erich Schneeberger, dem Vorsitzenden des Landesverbandes Bayern Deutscher Sinti und Roma brillierte Dr. Frank Reuter, von der Fachstelle Antiziganismus Heidelberg mit seinem Vortrag „… was kann geschehen, um unsere Glaubensbrüder zu schützen? Die Kirchen und der Genozid an den Sinti und Roma“ als dem Höhepunkt des Abends.
Mit der Akribie des kompetent engagierten Historikers zeigte er schonungslos auf, wie weit zurück in der Vergangenheit die Legendenbildungen, Ursachen und Weichenstellungen dafür liegen, dass eine nahezu komplett katholische Ethnie schäbigst verraten wurde und es so kam, dass die Schande für Deutschland entstand.
Die Mechanismen des Wegsehens erinnern an die heutigen Abläufe der von Skandalen um Missbrauch und Finanzen geschüttelten Kirche und demaskieren Würdenträger wie bsw. den so gerne hochstilisierten Kardinal Faulhaber anhand seiner eigenen Tagebucheinträge als unchristlichen Feigling, bestätigt einmal mehr, dass bei der Übermacht an Leviten die Samariter fehlen! Ein stilles Eingeständnis, dass die katholische Amtskirche – wie im Vorjahr schon – durch Abwesenheit glänzte?

Wohltuende Ausgleich für Augen, Ohren und Seele die Klänge von Sandor Lehmann & Friends neben Gesang und Tanzperformance der bezaubernden Jeany Seitz, welche eindrücklichst unter Beweis stellten, für welches hohe Kulturgut die – nach wie vor und völlig zu Unrecht in weiten Bevölkerungsschichten in die Kriminalitätsecke verbannten – Sinti und Roma stehen!

Erich Neumann, freier investigativer Journalist
über DFJ Deutsche-Foto-Journalisten e. V. www.dfj-ev.de
Medienunternehmer im Gesundheits- und Justizbereich
Postfach 11 11, 67501 Worms
GSM +49 160 962 86 676
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© Bild: www.facebook.com/oliver.stey CC – Plakat Flyer-Motiv und Blumenstrauß
© Bild: www.facebook.com/oliver.stey CC – Ansprache Alexander Diepold, Geschäftsführer Madhouse gGmbH
© Bild: www.facebook.com/oliver.stey CC – Ansprache Brigitte Wolf, Stadträtin Die Linke
© Bild: www.facebook.com/oliver.stey CC – Namenslesungen
© Bild: www.facebook.com/oliver.stey CC – der Opfer
© Bild: www.facebook.com/oliver.stey CC – Apostolos Malamoussis, Erzpriester des Ökumenischen Patriarchats und Ludwig Spänle, Kultusminister a D.
© Bild: www.facebook.com/oliver.stey CC – Begegnung der Religionen: Stadtdekanin Barbara Kittelberger und Apostolos Malamoussis, Erzpriester des Ökumenischen Patriarchats
© Bild: www.facebook.com/oliver.stey CC – Handreichung der Ethnien: Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und Erich Schneeberger, Vorsitzender des Landesverbandes Bayern Deutscher Sinti und Roma
© Bild: www.facebook.com/oliver.stey CC – Begrüßung Prof. Dr. Mirjam Zadoff
© Bild: www.facebook.com/oliver.stey CC – Ansprache Stadträtin Jutta Koller, Bündnis 90/Die Grünen
© Bild: www.facebook.com/oliver.stey CC – Ansprache Erich Schneeberger, Vorsitzender des Landesverbandes Bayern Deutscher Sinti und Roma
© Bild: www.facebook.com/oliver.stey CC – Vortrag Dr. Frank Reuter, Fachstelle Antiziganismus Heidelberg vordem Bild eines Kinder rettenden Priesters
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