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Stefan Murr, Heinz-Josef Braun: Das Bayerische Schneewittchen

Wann? 29.03.2017 19:30 Uhr

Wo? SWW Werkstatt Kultur, Roßtalerweg 2, 81549 München DE
Stefan Murr (links), Heinz-Josef Braun (Foto: Rainer Köfferlein)
  München: SWW Werkstatt Kultur |

Tod und Scheintod, nicht nur im Märchen

Im Gegensatz zur Gattung Sage, wo der Tod stets ein bedrohliches und düsteres Phänomen ist, gibt es für das Märchen „keinen wirklichen Tod, sondern nur einen ständigen Übergang vom Leben zum Tode und vom Tod zum Leben“. So hat es Lutz Röhrich, der Altmeister der Erzählforschung, in seiner Habilitationsschrift "Märchen und Wirklichkeit" festgestellt. „Die Toten werden mit dem Wasser des Lebens auferweckt, oder der Tod stellt sich als bloßer Scheintod heraus und die Prinzessin wird wieder zum Leben zurückgebracht (Schneewittchen).“

Bemerkenswerterweise spielte jenseits aller Gattungsdifferenzen auch in der zeitgenössischen Wirklichkeit (die erste Ausgabe der Grimmschen „Kinder- und Haus-Märchen“ erschien 1812) der Scheintod eine nicht unerhebliche Rolle, wie die Ausstellung „Vita Dubia“ im Kasseler Museum für Sepulkralkultur derzeit eindrucksvoll zeigt. Die wissenschaftliche Diskussion unter den aufgeklärten Ärzten seit dem 18. Jahrhundert führte schließlich dazu, dass rasche Beerdigungen verboten und auf den Friedhöfen die Leichenhalle zur Norm erklärt wurde.

Wisst ihr nicht, wie weh das tut,
wenn man wach im Grabe ruht?

Aber damit nicht genug: Heute kurios anmutende Apparate und Vorrichtungen, „Sicherheitssärge“, für die sogar Patente eingereicht wurden, sollten das Lebendigbegrabenwerden möglichst verhindern. Die Finger der Aufgebahrten wurden über Seilzüge mit Alarmglocken verbunden, die bei der geringsten Bewegung anschlugen. Klar, dass aufgrund der vielen Fehlalarme diese Vorkehrungen sich auf Dauer nicht durchsetzen konnten. Oder es wurden aufwändige Belüftungsvorrichtungen an den Grabstätten montiert, die nach einem möglichen Wiedererwachen ein Ersticken im Grab verhindern sollten. Als effizientes Mittel gegen den Scheintod erwies sich letztlich nur der testamentarisch verfügte Herzstich (siehe Abbildungen).

Bezeichnenderweise erscheint das Thema Scheintod im 18. und 19. Jahrhundert zugleich in der wissenschaftlichen und belletristischen Literatur; die Bandbreite reicht hier von Edgar Allan Poe bis Friederike Kempner, von der die obigen Verse stammen (und die zugleich eine Aktivistin für die flächendeckende Errichtung von Leichenhäusern war). Auch die Erzählforschung listet für den Scheintod viele Varianten auf, am bekanntesten vielleicht die Kölner Sage der Richmodis von Aducht, deren Bekanntheit von den beiden Pferdeköpfen am Turm des Richmodis-Hauses am Neumarkt lebendig (!) erhalten wird.

Die Mitwirkenden

Wir freuen uns sehr auf ein Wiedersehen mit Stefan Murr und Heinz-Josef Braun, die uns 2005 bereits die „Bayerischen Bremer Stadtmusikanten“ auf vergnügliche Weise nahegebracht haben. Beiden Schauspielern begegnet man häufig im Fernsehen, z. B. in den letzten Folgen des „Bergdoktors“. Murr war von 2009 bis 2012 und 2016 das Double von Karl-Theodor zu Guttenberg beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg. 2013 trat er dort als Hubert Aiwanger, 2014 als Florian Pronold und 2015 als Alexander Dobrindt auf. Auch Braun weist eine umfangreiche Filmografie auf. 1996 brachte er sein erstes Kabarettprogramm „Heinz bleibt Heinz“ auf die Bühne; ihm folgten im Jahr 2000 das Soloprogramm „3000Heinz“ und 2004 „Heinz & die Frauen“.

Eintritt: 15 Euro
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