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Bayrisch schnitzen

München: Marienplatz | 161. Kurzgeschichte

Bayrisch schnitzen
24.05.2015 (c) Zauberblume

Vorgabe: Idee die 5 Sinne - Hören - Riechen - Fühlen - Schmecken - Sehen. 1 vertieft Junge 2 Zu zweit 3 Weide 4 5 Fernglas 6 Hochhaus 7 Dachterrasse sieht blondes Mädchen mit Zöpfen Schleife auf der Terrasse am Hochhaus Katze

Nach dem sommerlichen Sturm, der einem fünf-Minuten gegen Fünf Uhr Orkan glich, weil dieser laut heulend um die Ecke fegte, über das Land und quer durch die Stadt, war nichts mehr wie vorher. Es krachte und knackte, Bäume entwurzelten sich und vor allem die kleine Holzhütten wurden zu Brennholz verarbeitet. In so einer kleinen Kate im Heimgarten hatte der Sturm die zwanzig Meter hohe flach wurzelnde Fichte einfach wie ein Streichholz umgelegt. Seppl schlief an diesem Abend nur schwer ein, weil sein Vater ihm die traurige Nachricht überbracht hatte und dachte an seine feinen Schnitzarbeiten, die er in der Hütte fein säuberlich aufgereiht hatte.
In der Pause wurde der Sturm zum Hauptthema in der Schule und die zarte Liesl, die blonde gschnappige Göre war heute ebenso traurig wie der unruhige Sepp.
Eigentlich war das der richtige Zeitpunkt, dachte sich der Seppl, sie die unnahbare Liesl anzusprechen und zu trösten. Dass sie traurig war, hatte er sofort erkannt und er schob seine immer wiederkehrenden Gedanken schweren Herzens auf die Seite und näherte sich Liesl, die einsam auf der hölzernen Bank der Schul-Linde sass.
Seppl: "Du, Liesl, i mog di, derf i mi zu dir hocka?" Sie wischte schnell die kullernde Träne von der Wange und es kam eine leise seufzende Antwort wie ein Windhauch flüsternd über ihre Lippen.
Liesl: "Wenn du meinst!" Sepp hockte sich ganz nah an sie heran und rückte mehrmals noch näher an sie heran. Sie widersprach nicht und als er schüchtern ihre Hand nahm, lies sie es geschehen.
Seine Gedanken suchten im Sturm seiner Gefühle ein paar besänftigte Worte. Jetzt war er so weit gekommen und er fühlte die Wärme die von ihrem Körper zu ihm hin strahlte. Er war ganz vertieft, als sie zu ihm auf Berlinerisch sagte: "Ike bin aus Berlin!" Seppl: "I woass, I bin vo da, glei gegenüba von …"
Lies unterbrach ihn: "Ich sehe dich, wenn du auf der Bank vor dem kleinen Gartenhaus sitzt!"
Seppl seine Neugier war erwacht. Hatte sie seine Schnitzereien gesehen? Er überlegte kurz und dachte Liesl ging in seine Klasse. Sie wohnte im Hochhaus, ganz oben mit Dachterrasse und kleinem Weidenbäumchen.
Seppl: „I hob dein Bam do oben g’seg’n, weil i doch da unt’ schnitzen dua und zu dir oben auffi schau. Aba heit hob i dein Bam net g’seg’n. Liesl sagte nur: "Mein Dachgarten hat der Sturm weggerissen!"
Schule aus nix wie nach Haus. Das war das Lieblings-Motto vom Seppl. Doch heute nahm er sich die Zeit, mit Liesl zu plaudern und er erzählte ihm von dem Sturm und ob sie ihn vielleicht eam begleiten wui, nach der Schui.
Jetzt standen sie beide vor den Resten seines Lieblingsplatzes. Die Hütte war schräg eingedrückt und darüber lag die umgefallenen Fichte. Papa war bereits da und versuchte das Chaos zu beseitigen.
„Mei Bua, des duat mia leid, aba i glab du kannst no einiges retten.“
Mit der Liesl zusammen, suchten sie die Schnitzereien, die nur auf ganz wenige Stücke heil geblieben waren.

Gedanken-Spuren
Es sprach die Zauberblume danach.
Es kommt immer was Gutes nach
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