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Plastikfasten - Ein Selbstversuch Teil 3

Mein Wochenendeinkauf. In den Boxen ist Hackfleisch, eine Putenbrust und Käse. Am Sonntag gab es eine wunderbare Lasagne.
 
Ein Spruch, über den man diskutieren kann und zu dem sicher jeder eine Meinung hat. (Foto: Instagram / originalunverpackt)
München: München |

Plastik ist überall! Aus unserem Alltag ist es nicht mehr wegzudenken, und wir konsumieren es ohne groß darüber nachzudenken. Das ging mir nicht anders. Lebensmittel, Körperpflege, Kleidung und alles Alltägliche... in der Plastikverpackung gut geschützt. Ein Bericht im Fernsehen, in welchem zu sehen war, wie eine Meeresschildkröte an einer kleinen Platiktüte erstickt, hat mich wachgerüttelt.

Seit gut drei Wochen läuft das Plastikfasten nun bei mir. Ich finde mich immer besser in der plastikfreien Welt zurecht, der Einkauf fällt leichter, man weiß, wo was zu finden ist. Ich habe mit einer riesigen Zahl von Menschen kommuniziert und mich mit den verschiedensten Meinungen, Tipps und Fragen auseinandergesetzt. Ich finde es toll, dass so viele Leute sich mit dem Thema beschäftigen, es in Ihr Leben integrieren oder aber Alternativen finden, um sich auf ihre Art für die Umwelt einzusetzen.

Anti-Plastik-Terror?

Interessant fand ich ein Bild, dass mir eine liebe Freundin geschickt hat. Sie hatte es auf Instagram gefunden und gleich an mich gedacht. Darauf war der Satz zu lesen: "Plastik ist der Pelz von heute!" welcher aus der Saarbrücker Zeitung entnommen war.
Ich kann diesem Satz nicht ganz beipflichten. Was die mediale Aufmerksamkeit zu dem Thema angeht, scheint es wohl so zu sein. Aber ich finde nicht, dass der Kampf der Tierschützer gegen die sinnlosen Qualen von Pelztieren für die Modenindustrie mit einem bewussten Lebensstil und einer persönlichen Entscheidung zum nachhaltigen Konsum vergleichbar ist.
Im weiteren Verlauf des besagten Posts auf Instagram war dann zu lesen, dass man sich wohl nicht mehr mit einer Plastiktüte in der Hand auf die Straße trauen könnte. Auch das finde ich sehr überspitzt formuliert.
Beim Plastikverzicht geht es nicht um die Stigmatisierung von Menschen, die dazu nicht bereit sind. Es geht um eine kontinuierliche Sensibilisierung der Öffentlichkeit zum Thema Plastik, um kleine Änderungen, die zu großem Umdenken in Industrie und Handel führen können und darum, unsere Erde auch für zukünftige Generationen noch lebenswert zu erhalten. Mit all ihren Wundern.
Ich finde nichts verwerfliches daran, wenn jemand sagt, dass er mit dem Thema plastikfrei nichts anfangen kann. Es gibt immer Menschen, denen eine Aktion zu weit geht. Oder nicht weit genug. Und es gibt darunter auch immer Menschen, die die Einstellung der Andersdenkenden mit allen Mitteln ändern wollen, aber das ist nicht die Mehrzahl! Also wenn jemand eine Plastiktüte tragen möchte, so tue er oder sie das doch. Und wenn er oder sie diese Tüte dann noch mehrfach verwendet, ist es auch schon wieder eine Art Plastikverzicht im Kleinen.

Nicht genug?

Oft hörte ich in den letzten Wochen auch den Kommentar: "Das was du tust, reicht nicht. Du fährst weiterhin Auto und du bist kein Veganer. du ziehst es nicht durch!"
Und diese Leute haben Recht! Ich fahre nicht nur ein Auto, ich fahre ein hochmotorisiertes Auto, dass ich auch noch größtenteils allein nutze und dass auch noch fast täglich. Und ich esse Fleisch, Fisch und Milchprodukte. Letzteres täglich.
Wenn ich auf mein Auto verzichten würde und nur noch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren würde, würde ich ganz sicher noch mehr für den Umweltschutz tun. Würde ich vegan oder zumindest gänzlich vegetarisch leben wäre mein Beitrag zum Tierwohl größer und mein Öko-Fußabdruck auf dieser Erde wäre kleiner.
Fakt ist aber auch: Ich liebe mein Auto! Wirklich. Es steht auf meiner Liebesliste ganz knapp hinter meinem Freund und ich gebe offen zu, dass ich es manchmal mit Tränen des Glücks in den Augen anschaue, weil es so wunderschön ist.
Wenn jemand die Plastiktütchen im Supermarkt so sehr liebt wie ich mein Auto, dann soll er sie auch benutzen! Meinetwegen sogar die ganze Rolle auf einmal.
Und ich esse Fleisch und Fisch, weil sie mir schmecken. Ich achte auf Qualität und Herkunft der Waren, esse also weniger aber dafür bewusst, aber ich würde niemals auf sie verzichten.
Ob das meinen Versuch des Plastikfastens und meine Bemühungen, plastikfreier zu leben weniger gut oder wertvoll macht, muss jeder für sich entscheiden. Ich finde, und da wären wir dann auch wieder beim Thema aus dem vorhergehenden Absatz, dass jeder den Beitrag leisten soll, den er für sich leben möchte. Was wurde eigentlich aus "Leben und Leben lassen?" Ich werde auf jeden Fall auch in Zukunft nicht durch die Gegend laufen und den Veganern in meinem Umfeld die honigfreien Müsliriegel aus der Hand schlagen, nur weil sie in Plastik verpackt sind. Das verspreche ich!

Der Plastik-Unfall bei IKEA

Nun aber wieder zur Plastikfastenzeit. Mein Einkauf letzten Freitag lief wirklich gut. Ich habe fast alles plastikfrei bekommen und habe einen mehr als adäquaten Ersatz für Nutella, welches leider nur mit dickem Plastikdeckel zu haben ist, gefunden. Die Verpackung des Produktes "Bionella" ist nicht nur plastikfrei, es wird auch nur Bio-Palmöl aus Plantagen verwendet, für die nicht der Urwald gerodet wurde. Ja, und es ist vegan, das auch noch. Kaffeepulver habe ich nicht ohne die Aromaschutz-Plastikfolie bekommen, also geht dafür 50 Cent in die Plastikkasse.
So gut fing das Wochenende an, und dann kam IKEA. Der Plastik-Gigant. Der Ort, den  vermutlich jeder Plastikfrei-Guru meidet wie Fitnessfreaks die Konditorei. Aber ich hatte meiner Mama versprochen, dass wir da hin gehen und ich brauchte dringend Vorhänge an meine Balkontür, bevor der Sohn unserer Nachbarn, dessen Fenster genau gegenüber ist, weiterhin ungewollte Einblicke erhält. Vier in Plastik verpackte Teile habe ich erworben. Eines davon war ein typischer Spontankauf, Kerzen, die ich wirklich nicht dringend gebraucht hätte. Dafür habe ich mich am Ende sogar etwas geschämt, weil ich so schwach geworden bin. Für die dicken Verpackungen gehen 4 Euro in die Plastikkasse. Immerhin findet man im Restaurant kaum Plastik, sogar die Cremedesserts sind in Gläsern und nicht in Plastikbechern.

Zum Schluss möchte ich noch sagen, dass ich mich riesig über die Entscheidung der EU freue, ab 2021 Plastikartikel wie Strohhalme, Wattestäbchen oder Einweg-Plastikbecher zu verbieten. Es ist ein kleiner Schritt, aber es ist ein toller Anfang. Ich fände es aber wichtig, dass die Unternehmen jetzt nicht alles durch Papier und Holz ersetzen sondern auf Mehrwegartikel und Recycling von Papier und Holz setzen. Ich bin gespannt, was die Zukunft zum Thema Plastikverzicht noch bringt.

In den nächsten Wochen warten wohl noch viele Herausforderungen auf mich, sei es beim Einkaufen, bei der täglichen Hygiene oder im Arbeitsalltag. Ich habe vor, zu dem Thema noch ein paar Artikel zu schreiben und bin für Fragen und Vorschläge, aber auch Tipps offen. Bis dahin, bleiben Sie sauber!
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