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Die tatsächlichen Arbeitsmarktzahlen für Juni 2012

Wie jeden Monat von Sybilla:

Was ist Wahrheit?

Wir können nicht ent­scheiden ob das, was uns Medien und der Pres­se­dienst der BA als Wahr­heit sug­ge­rieren, wahr­haft Wahr­heit ist, oder ob uns das nur als ersehnte poli­tisch erwünschte Wahr­heit in unsere Köpfe gehäm­mert wird.

„Was ist Wahr­heit?“, Das ist die Frage, die ich an die Autoren in den Medien richte:
Medi­en­ver­ant­wort­liche fragen das nicht, weil sie anfangen, sich für die Wahr­heit zu inter­es­sieren, son­dern weil sie damit schon längst auf­ge­hört haben. Was ist Wahr­heit? Diese Frage wird oft abfällig, spöt­tisch, zynisch beant­wortet: „Was soll das schon sein, die Wahr­heit? Wo kann man denn schon Wahr­heit finden? Wenn man ihr begegnet, dann ist sie doch so sehr mit Irrtum und Lüge ver­mischt, dass nie­mand sie wirk­lich erkennen kann!“

Das Sozi­al­ge­richt (SG) Berlin hält die Hartz IV- Regelsätze für ver­fas­sungs­widrig und hat diese Frage dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zur Prü­fung vor­ge­legt.
Sozi­al­ge­richt Berlin S 55 AS 9238/ 12
http://www.berlin.de/sen/justiz/gerichte/sg/s_55_a...

Die offi­zi­ellen Zahlen des Pres­se­diensts der BA im Detail betrachtet

Offi­zi­eller BA — Zah­len­be­richt für Juni 2012 Seite 53

(Ich gehe davon aus, dass im offi­zi­ellen BA Bericht in Schät­zungen und Hoch­rech­nungen nicht alle arbeits­losen Per­sonen inner­halb Deutsch­land erfasst und gezählt werden.)

Im Juni 2012 müssen nach offi­zi­ellen BA Schät­zungen und Hoch­rech­nungen 5.241.407 Per­sonen ALG I (767.982) oder ALG II ( 4.473.425 ) nach offi­zi­ellen Schät­zungen und Hoch­rech­nungen Hil­fe­leis­tungen beziehen. Die Hil­fe­quote erwerbs­fä­hige Leis­tungs­be­rech­tigte ver­harrt wei­terhin bei 8,3 %

3.813.712 Per­sonen sind laut offi­zi­ellen BA – Bericht Juni 2012 unter­be­schäf­tigt das sind 8,8 %

2.809.105 Per­sonen werden nach § 16 SGB III als arbeitslos in der offi­zi­ellen BA Sta­tistik erfasst. Aller­dings ist die sai­son­be­rei­nigte Arbeits­lo­sig­keit ist in den letzten Monaten gestiegen. (BA – Bericht Juni 2012 Seite 12f –3.1)
Instru­mente der Arbeits­markt­po­litik in der Sys­te­matik ab 04/ 2012

Die Hoch­rech­nung am aktu­ellen Rand ist der­zeit auf­grund feh­lender Erfah­rungs­werte oder tech­nisch nicht rea­li­sierbar, darum ist der Ver­gleich mit Vor­jah­res­er­geb­nissen nur ein­ge­schränkt möglich.

Laut vor­läu­figer Schätzung/ Hochrechnung der BA sind im Juni 2012 962.623 Per­sonen Teil­nehmer an aus­ge­wählten Maß­nahmen aktiver Arbeitsmarktpolitik.

Bitte beachten Sie die Fuß­noten im BA Bericht Juni 2012 Seite 85

1) Die Hoch­rech­nung am aktu­ellen Rand ist der­zeit auf­grund feh­lender Erfah­rungs­werte oder tech­nisch nicht rea­li­sierbar, darum ist der Ver­gleich mit Vor­jah­res­er­geb­nissen nur ein­ge­schränkt möglich.

2) Die Ein­mal­leis­tungen umfassen: Ver­mitt­lungs­gut­schein, Ver­mitt­lung in sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tige Beschäf­ti­gung, För­de­rung aus dem Ver­mitt­lungs­budget, Beschaf­fung von Sach­gü­tern im Rahmen von Leis­tungen zur Ein­glie­de­rung von Selb­stän­digen sowie Ein­mal­leis­tungen zur Freien För­de­rung SGB II.

3) Es ist von einer Unter­er­fas­sung aus­zu­gehen, so haben bun­des­weit für Januar — Dezember 2011 (Daten­stand März 2012) nur ca. 68 % der Träger Daten zum Ein­satz der kom­mu­nalen Ein­glie­de­rungs­leis­tungen erfasst.

4) Es ist von einer Unter­er­fas­sung aus­zu­gehen, da nur sta­tis­ti­sche Daten der zuge­las­senen kom­mu­nalen Träger vorliegen.

5) Aus tech­ni­schen Gründen werden nicht alle Teil­nahmen erfasst. Es ist von einer Unter­er­fas­sung der Teil­nahmen auszugehen

6) Zum gesamten Umfang der För­de­rung der Teil­habe behin­derter Men­schen am Arbeits­leben sind Erläu­te­rungen in den metho­di­schen Hin­weisen enthalten.

7) Ohne Ergeb­nisse zu Teil­nahmen an Berufs­ori­en­tie­rungs­maß­nahmen nach § 48 SGB III, da dazu ab April 2012 sta­tis­ti­sche Daten nicht mehr vorliegen.

8) —fehlt im Bericht—

Auf­grund der Daten­lie­fe­rung zum Juni 2012 konnten die För­der­daten von 1 zkT für die Berichts­mo­nate Januar bis Juni nicht als plau­sibel ein­ge­schätzt werden.

Dies führt bun­des­weit und rechts­kreis­über­grei­fend zu einem unvoll­stän­digen Nach­weis des Bestandes an Teil­neh­mern i.H.v. 1408 für Berichts­monat März 2012 und 759 für Berichts­monat Juni 2012 (vor­läu­figer Wert).

Nied­rige Jugend­ar­beits­lo­sig­keit in Deutschland ?

Per­sonen unter 25 Jahren werden in die Bedarfs­ge­mein­schaft mit ihren Eltern ein­ge­rechnet. Sie haben damit keinen eigen­stän­digen Anspruch auf Arbeits­lo­sen­geld II.

- Leis­tungs­emp­fänger SGB II 4) * 6.945.767 Per­sonen

- Arbeits­lo­sen­geld bei Arbeits­lo­sig­keit * 767.982 Personen

- erwerbs­fä­hige Leis­tungs­be­rech­tigte * 4.473.425 Personen

- nicht erwerbs­fä­hige Leis­tungs­be­rech­tigte * 1.704.360 Personen

( nicht berück­sich­tigt sind Leis­tungs­emp­fänger von Wohn­geld, Kin­der­zu­schlag, Grund­si­che­rung im Alter, Sozi­al­hilfe SGB XII…)

*4)Endgültige Werte stehen erst nach einer War­te­zeit fest. Am aktu­ellen Rand können die Daten auf­grund von Erfah­rungs­werten über­wie­gend hoch­ge­rechnet werden.
(Im BA- Bericht Dezember 2004 wurden im Bereich des Arbeits­lo­sen­geld und der Arbeits­lo­sen­hilfe nur 4.321.000 Leis­tungs­emp­fänger gezählt.

Unicef beklagt hohe Kin­der­armut in Deutschland:
http://www.welt.de/politik/deutschland/article1063...
In Deutsch­land fehlt es den Kin­dern dem­nach am ehesten an Frei­zeit­ak­ti­vi­täten (6,7 Pro­zent). Nahezu 1 von 20 Kin­dern müsse auf eine täg­liche warme Mahl­zeit ver­zichten (4,9 Pro­zent). 4,4 Pro­zent hätten keinen Platz, an dem sie ihre Haus­auf­gaben machen könnten. 3,7 Pro­zent besäßen höchs­tens ein Paar Schuhe. 3,1 Pro­zent der unter 16- Jährigen erhielten nie neue Klei­dung, son­dern zum Bei­spiel getra­gene von älteren Geschwis­tern. …..Beson­ders häufig ent­behrten Kinder in Deutsch­land wich­tige Dinge, wenn die Eltern arbeitslos seien oder einen nied­rigen Bil­dungs­ab­schluss hätten.

Zahl der offenen Stellen — wird seit April kon­stant mit 499.000 Arbeits­stellen beziffert

BA Bericht Juni 2012 Seite 11 — 2.1 Gemel­dete Arbeitsstellen

Nicht sai­son­be­rei­nigt belief sich der Bestand im April und im Mai, Juni ver­mut­lich rein zufällig auf 499.000 Arbeitsstellen.

In der Job­börse (Samm­lung diverser Job­börsen) der BA sind 868.082 (Stand 28.06.12; 10 Uhr) offene Arbeits­stellen bekannt.

(darin ent­halten sind 499.000 offene Arbeits­stellen des BA– Berichts Juni 2012 zusätz­lich gibt es noch 369.082 offene Arbeits­stellen die nur in der BA Job­börse erscheinen)

Zudem sind in der Job­börse der BA 216.505 Aus­bil­dungs­plätze (Stand 28.06.12) bekannt.

Manche Medien fabu­lieren von mehr als 1,5 Mil­lionen offenen Stellen diese Zahl ist nur durch ein­fäl­tige und nicht zuläs­sige Addi­tion der BA Zahlen oder durch Daten­re­dun­danz (mehr­fa­ches Zählen der glei­chen Stel­len­an­ge­bote in ver­schiednen Job­börsen) möglich.

Quelle der Zahlen: BA – Monats­be­richt Juni 2012
http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Cont...

Nachdem die Früh­jahres– und Som­mer­be­le­bung 2012 am Arbeits­markt sehr mar­ginal aus­ge­fallen ist. Müssen nach offi­zi­ellen Angaben im Juni 2012 trotz poli­tisch und medial sug­ge­rierter Voll­be­schäf­ti­gung 5.241.407 Per­sonen ALG I oder ALG II beziehen Rund 4,5 Mil­lionen erwerbs­fä­hige Per­sonen müssen Hartz IV Leis­tungen beziehen.

Ist oder war Deutsch­land tat­säch­lich auf der Schnell­straße zur Voll­be­schäf­ti­gung (Rekord­be­schäf­ti­gung) ist das ein Job­wunder? Herrscht tat­säch­lich ein Mangel an Fach­kräften oder wird dieser nur suggeriert?

Die demo­gra­fi­sche Ent­wick­lung die unfrei­wil­lige Früh­ver­ren­tung und der völlig aus­ufernde Nied­rigst­lohn­be­reich senken die Zahl der offi­ziell regis­trierten Arbeits­losen ab. Hin­gegen auch die Voll­zeit­be­schäf­ti­gung immer weiter absinkt die Teil­zeit­be­schäf­ti­gung und Leih­ar­beit boomt.

Der sta­tis­tisch erfassten Arbeits­lo­sig­keit stehen 6.945.767 Leis­tungs­emp­fänger im Leis­tungs­bezug im Recht­kreis SGB II/ SGB III als (ALG I, ALG II, Sozi­al­geld) gegen­über das sind rund 60,74 % mehr Leis­tungs­emp­fänger als im Dezember 2004. (Ohne Sozi­al­hilfe diese im Jahr 2004 als auch im Jahr 2011 rund 1 Mil­lion Per­sonen erhalten haben)

Fak­ten­check „Jobboom“

"Es wird ein­fach weg­de­fi­niert, dieser hohe Berg von Arbeitslosen"

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/1...

(Die gewonnen Erkennt­nisse des Inter­views vom Mai 2011 sind auch im Juni 2012 zutreffend.)
Unter 3 Mil­lionen Arbeits­lose und so
http://www.youtube.com/watch?v=v3Mi5FlrpoU

Der „Beschäf­ti­gungs­boom“ Aty­pisch Beschäf­tigte (in Mio.) nach Erwerbs­formen in den Jahren 1999, 2008 bis 2010 Balkendiagramm:
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/1616...

45 Jahre Arbeit = 140 Euro Rente :
http://www.fr-online.de/wirtschaft/altersarmut-bei...

Neue Zahlen zum deut­schen Nied­rig­lohn­sektor kur­beln die Debatte um den Min­dest­lohn an. Knapp acht Mil­lionen Beschäf­tigte müssen mit weniger als 9,15 Euro brutto pro Stunde auskommen,…:
http://www.derwesten.de/nachrichten/niedriglohn-st...

Sybillas Kom­mentar:

In den gleich­ge­stimmten Sys­tem­me­dien: Spiegel TV (RTL)-Mitarbeiter kün­digt und packt aus : http://www.youtube.com/watch?v=ojlnDsZ-gxM&feature...

wird im Gleich­klang vom Schla­raffen– und Job­boom­land Deutsch­land berichtet. Über acht Mil­lionen von pre­kären Beschäf­ti­gungen werden zum Job­boom oder gar zum Job­wunder mystifiziert.

Die Nomen­klatur aus Wirt­schaft, Wis­sen­schaft, Politik und die gleich gestimmten Medien feiern eupho­risch die „Rekord­be­schäf­ti­gung“ auf­ge­bläht durch mehr als acht Mil­lionen Mini und Midi und Teil­zeit­jobs obwohl ihnen bewusst sein sollte, dass viele von ihrer Arbeit nicht leben können. 3 Euro 18 in der Stunde ver­dient eine Fri­seurin in Thü­ringen, oder 4 Euro 58 in der Stunde für eine Flo­ristin in Brandenburg.

Mehr als 20 Pro­zent aller Erwerbs­tä­tigen sind im Nied­rig­lohn­be­reich beschäf­tigt, Ten­denz schnell anstei­gend. Einen unbe­fris­teten, sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tigen Arbeits­platz haben nur noch 60 % aller Erwerbs­tä­tigen. Der „Job­boom findet vor allem in Mini­jobs und der Leih und Zeit­ar­beit statt. Die BA Sta­tistik ver­steckt viele Men­schen in Ein- Euro- Jobs, Bür­ger­ar­beit oder anderen arbeits­markt­po­li­ti­schen Maß­nahmen oder Beschäftigungsgesellschaften.

Ebenso werden diverse Gruppe von Arbeits­losen (über 58 jäh­rigen und die unter 25 Jäh­rigen) aus der Sta­tistik aus.. Andere haben sich nach dem aus­laufen des Arbeits­lo­sen­geldes I von den Job­cen­tern zurück­ge­zogen, sie sind zwar auf der Suche nach Arbeit, aber sie sind nicht im Sinne des SGB II bedürftig.

Dazu gehören Frauen/ Männer die über „Ver­mögen“ ver­fügen oder deren Partner ein „Ein­kommen“ erzielen das über der Grund­si­che­rung liegt. Viele Arbeits­lose werden mit pre­kären Job­an­ge­boten im Nied­rigst­lohn­sektor über­häuft. Nach dem Motto: Kann die Arbeit von anderen noch bil­liger erle­digt werden? Auch die Zahl der Woh­nungs­losen nimmt auf­grund von Armut zu.

Wer das kom­plette Zah­len­werk der BA detail­liert betrachtet, wird dann doch sehr ernüchtert.

Ent­gegen der poli­ti­schen und medialen Lob­ge­sänge ist die Lage am Arbeits­markt im beson­derem im Nied­rigst­lohn­be­reich bei weitem schlechter als von Politik und Mas­sen­me­dien den Massen und den Bür­gern sug­ge­riert wird.

Eines ist für mich kris­tall­klar das Job­wunder steht nur auf dem BA –Papier! Es ist der krea­tiven BA- Statistik entsprungen.

Arbeitsmarktzahlen: Die Version der Bundesagentur für Arbeit für Juni 2012:
http://www.meinpolitikblog.de/arbeitsmarktzahlen-d...

Erstellt von Sybilla am 28.06.12

Jeder darf diesen Bericht unter Hin­weis auf die Autorin frei verwenden
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1 Kommentar
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Ingeborg Steen aus Moormerland | 28.06.2012 | 17:29  
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