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Die Legende vom - Diebesloch - in Colbitz

Kirche von Colbitz
 
Der Sternenhimmel über dem Altar
 
Lange Kerls
Die Legende vom „Diebesloch“ in Colbitz

Wir schreiben das Jahr 1890, da trug sich folgendes in Colbitz, dem Wald- und Bauerndorf, zu.
Die drei Straßen und viele kleine Winkel, durchschritt Tag für Tag ein sonderbarer Trupp, verschwanden mit rot – weißen Stangen von ca. zwei Metern im Wald, wurden mal in der Feldmark gesehen, mal anderswo, aber dann waren sie auch schon wieder weg. Keiner konnte sich richtig ein Vers darauf machen. Vor allem fragten sie sich, was schleppte der Lange von ihnen in dem kleinen Holzkästchen herum. Nach den schönen Tagen vor dem Siebenschläfer, schlug das Wetter um. Die Wege verwandelten sich in Schlammpisten und an arbeiten war selbst für diesen wetterfesten Trupp nicht zu denken.
So klopften die Kerle klitschnass an die Kneipentür im Volkshaus und traten ein. Stellten ihre Stangen und ein ausziehbares Stativ in die Ecke und blickten sich um. Die üblichen Verdächtigen am Stammtisch schauten nur kurz auf und widmeten sich wieder ihrem Skat. Ein paar Tische waren besetzt, mit einigen Fuhrknechten, die mit ihrem Holz und den Pferden aussichtslos festsaßen. Ein paar Bauernburschen lungerten mit ein paar Holzfällern zusammen und tranken sich zu. Denn in der Heide konnte man eben nur im Wald oder bei einem Bauern arbeiten.
Die Wirtin, Lisa, eine große, stattliche Frau sah fasziniert zu, wie sich die neuen Gäste aus ihrem Ölzeug auspellten und vorsichtig, ganz vorsichtig, stellte der Lange ein Holzkästchen auf den Tisch. Wie hypnotisiert schaute sie auf den Langen und als er für alle Drei eine deftige Mahlzeit und drei Krüge Bier bestellte, fand sie die Sprache wieder. „Was seid ihr denn für welche und was macht ihr hier.“ „Wir sind ein Katastertrupp und ich der Kataster - Techniker und vermessen in der Heide, das Eigentum vom Preußenkönig“, so seine Antwort. „Danach ist mit königlichem Mandat fürderhin auch das Eigentum von jedem Grundbesitzer zu vermessen, aber das wird später erfolgen und noch Jahre in Anspruch nehmen“.
Eigentum, Grundbesitz, das waren die Stichworte und alles lauschte angespannt dem Gespräch an der Theke. „Lisa frag doch mal was der Lange in seinem Holzkästchen für einen Schatz hütet, den die beiden Anderen jetzt im Auge haben“, fragte einer der Bauern am Stammtisch und stand auf um es an sich zu nehmen. „Wag es bloß nicht, es auch nur anzurühren“, kam drohend die Antwort. „Das ist ein neues Gerät, ein Theodolit, damit kann man in alle Richtungen kilometerweit sehen, ohne das Gerät kann man nicht das Gelände vermessen und die neuen Grenzsteine setzen.


Außerdem“, flachste er weiter, „ deine Frau beim Fremdgehen von weitem zusehen, ist jetzt ein Kinderspiel.“ Dabei schmunzelte er, die Anwesenden lachten, wussten sie doch, dass der Angesprochene für eine Frau hatte, die, wie man so sagt, – ein Feger im Dorfe war -. Doch jetzt widmete sich der Lange mit seinen Helfern einer deftigen Bauernmahlzeit. Ein Streifen Brot, für Jeden einen Schinkenriegel, 2 Spiegeleier und ein Stück Bratwurst verschwanden in den offensichtlich hungrigen Mägen. „Lecker, sehr lecker“, war der kurze Kommentar und das Bier schmeckt vielleicht hier, daran könnte man sich gewöhnen“, so einer von den neuen Gästen. „Das brauen wir selber hier in Colbitz“, erwiderte ungefragt die Wirtin.
Doch Lisa, die Wirtin, rief auf einmal, als würde sie mit sich selbst reden, „ich hab’s, du“, und damit meinte sie den Langen, „bist ein Enkel von meinem Urgroßvater“. „Wie das“? kam die Frage vom Langen, ich war noch nie in Colbitz und Verwandte habe ich auch nicht hier.“ Triumphierend hielt sie ein gemaltes Bild mit einem darauf abgebildeten- LANGEN KERLS vom Alten Fritz - in die Höhe und zeigte es in der Kneipe herum. „Seht ihr nicht die Ähnlichkeit, er ist auch mindesten einsneunzig groß und sieht auch so aus“, rief sie triumphierend. Dabei hielt sie ein verblichenes Bild mit der Darstellung eines „Langen Kerls“ vom Preußenkönig hoch.



Doch, doch, er sieht ihm ähnlich, versicherten alle das Gleiche, aber eigentlich war es wirklich nur die Größe, die stattliche Größe, die stimmte.


„Was war denn das Besondere an deinem Urgroßvater, Gott hab ihn selig, erzähl doch mal“, fragte er die Wirtin. „Für eine gute Geschichte sind wir immer zu haben, denn machen können wir sowieso nichts mehr bei dem Sauwetter. Ich gebe auch ne Runde aus, wenn sie gut ist“, sagte der Lange. Jetzt spielte keiner mehr Karten, keiner laberte mit dem Anderen, alle wollten Lisas Geschichte hören, denn erzählen kann sie wie keine Andere, das war allen Einheimischen bekannt.
„Es war 1838“, begann sie, „ da saßen zwei Schulkinder im Gottesdienst, ein großer, hoch aufgeschossener Junge und ein hübsches, schmuckes Mädchen zur Einsegnung dicht beieinander. Er mit geflickten Hosen, sauberen Hemd, barfuss und ordentlich gestriegelt, wie es die Mutter immer machte wenn es in die Kirche ging, ein Häuslerjunge von einem Holzfällerehepaar. Sie in schmucker sauber gestärkter Bauerntracht, schmucken Häubchen, weißen gestrickten Kniestrümpfen und niedlichen geputzten Schuhen daneben. In der Einklassenschule, wo jeder Jahrgang eine, maximal 2 Reihen, der Schulbänke besetzte und dahinter der nächste Jahrgang, also die nächste höhere Klasse war.. Verschämt schauten sie sich heimlich an, sprachen aber nicht miteinander, auch nicht als er auf dem Hof ihrer Eltern bei der Ernte auf ihrem Hof half. Die Sympathie zeigte sich nur darin, dass die Bauernschnitte mit der meisten Leber-, Knack- oder Rotwurst immer Gottfried, so hieß er, bekam. Der Pfarrer hatte sie in der Kirche willkürlich zusammengesetzt und nun brach das kindliche Eis, sie redeten miteinander, der Liebe Gott, so dachten sie, hat sie zusammen gebracht. Marie und Gottfried waren ein kindliches, heimliches Pärchen. Wenn es die zeit erlaubte spielten sie miteinander ungesehen im Wald. Andächtig und artig saßen sie beisammen in der Kirche und versprachen sie sich einander zur Konfirmation. Als sie das Abendmahl erhielten, war das so etwas wie Gottes Segen. Heimlich nahm Gottfried die Hand von Marie und versprach ihr den Siebten Stern in der 2 Reihe direkt über Ihren Sitzplatz vom Kirchenhimmel über dem Altar in der Kirchenbank. In der alten Kirche waren auch ein paar Sterne über dem Altarhimmel, nicht wie jetzt in der neuen Kirche wo der ganze Altarhimmel wunderschöne, goldene Sterne auf blauen Grund hat. Denn jetzt kann sich Jeder im Dorf einen Stern aussuchen wo er leben will, wenn er die Radieschen von Unten anguckt und die Seele im Himmel ist“. „Wenn ich groß bin, hole ich Dir einen Stern vom Himmel und komme mit ihm zu Dir und heirate dich“, versprach er.
*

„Die Zeit verging, die Schulzeit war für Gottfried vorbei, doch das Glück dauerte mit Marie nur noch kurz.



Denn die Not im Hause bei Gottfried im Häuslerhaus war groß, da verschacherte der Holzfällervater Gottfried sechzehnjährig, den Werbern von der Preußischen Armee als Rekrut für ein Handgeld. Ob seiner Größe von über 1,88 m diente er fortan bei der 1. Leibkompanie des Preußenkönigs. War abrupt von seiner Liebsten getrennt und hatte keine Hoffnung sie je wieder zu sehen. Er war jetzt ein Soldat der Riesengarde, den weit und breit berühmten „Langen Kerls“ die dem Preußenkönig als Leibwache diente. So vergingen die Jahre in Sehnsucht, Drill und Gehorsam Jahr um Jahr. Schikanen, wechselten mit Saldatenfreuden, mit ab und an fremden Frauen machte er seine ersten Erfahrungen, denn begehrt waren sie in Potsdam aber verheiratet durften nur die Offiziere sein. So blieb er allein und wurde Dreißig. Nach wie vor glühte die Sehnsucht nach Marie in ihm.
Marie hingegen wurde verheiratet, denn Geld heiratet Geld, Acker heiratet Acker, so wurde sie auch Bäuerin. Mit Liebe hatte das nichts zu tun, es war ein Geschäft der Alten, dessen sie nicht erwehren konnte und durfte.
Nur einmal in 13 Jahren sah sie Gottfried, in seiner prachtvollen Uniform, als er Begleiter des Kronprinzen zur Jagd in der Heide war und wo sie im Jagdschloss einquartiert waren.. Doch ihre und seine Sehnsucht blieb. So wie es bei Ihm Zwang gewesen war, Soldat zu werden, so war es bei ihr Zwang, zu heiraten, so war es damals und so ist es fast immer noch heute“, erzählte die Wirtin und gönnte sich eine Pause.
*
„Im 13. Jahr der Dienstzeit bei den Soldaten geschah ein Unglück im Wald von Colbitz, den Holzfällervater von Gottfried erschlug es beim Bäume fällen, also musste Hilfe her. Denn der Ernährer der Familie war tot und eine Rente oder ein anderes Auskommen hatte die Mutter nicht. Von einer Zicke im Häuslerhaus und ein paar Karnickeln und Gänsen konnte man nicht leben. Auf dem Acker sich verdingen oder im Wald beim Beeren und Pilzen sammeln, konnte sie einfach nicht existieren. Das war Anlass für Gottfried seinen Abschied zu betreiben, um so mehr, als er seine unglückliche heimliche Liebe auf dem Gottesacker bei der Beerdigung traf und sie tief traurig und unglücklich gesehen hatte.
Wie eine Sturmflut am Meer das Land überschwemmt, Menschen, Tiere und Häuser mitreißt, so überwältigte die beiden die Liebesglut. Sie verschwanden alsbald, nach dem mageren Leichenschmaus, im Dunkel der Nacht, und das ganze Dorf hatte einen Skandal. Tief im Wald umarmten sie einander, er bedeckte ihr Gesicht mit Küssen, sie streichelte seinen Rücken und
merkte tiefe Narben darauf. „Was ist das?“ fragte sie. „Es ist ein Andenken von Colbitz“, erwiderte er. „Wie das?“ fragte sie mit zitternder Stimme. „Bei meinem letzten Jagdbesuch in Colbitz bekam ich die Erlaubnis zum Besuch der Eltern, dabei vergaß ich die Zeit und war nicht pünktlich in der Garnison, so bekam ich die Rute beim Spießrutenlauf in zwei Durchgängen zu spüren. Doch das schmerzt schon lange nicht mehr, wenn du nur bei mir bist, ist nur noch Freude da.“ So sanken sie ins Gras und liebkosten sich mit der Kraft der Jugend und nur die Sterne sahen zu.
Bald nach der Beerdigung war auch sein Abschied von 6. Leibregiment des Königs genehmigt. Er hatte den großen Preußenstern als Auszeichnung auf der Brust und schenkte, nicht nur seine Liebe seiner Marie, sondern auch ihr den versprochenen Stern, wie vor langer, langer Zeit versprochen..
Jetzt wurde er Jagdgehilfe im Colbitzer Schloss, unterstand dem Verwalter vom Jagdschloss und dem Förster. Hier wies er jetzt die Holzfäller an, jagte Wilddiebe in der Heide und begleitete fürstliche Jagdgesellschaften bei ihren Treibjagden.
In dieser Zeit riss Marie, von ihrem reichen, gewalttätigen Ehemann aus und zog zu Gottfried in seine Häuslerhütte, die sie nun, mit seiner alten Mutter bewohnte. Sie brach mit ihrem Bauernleben, die Liebe war wichtiger und loderte wie in ihrer ersten Sternenacht weiter. Jetzt bekam sie auch ihr erstes Kind, denn mit dem Bauernehegemahl war sie all die Jahre nicht schwanger geworden.
Gerede gab es im Dorf genug, doch an den Forst- und Jagdgehilfen von Preußens Gnaden traute sich niemand, denn er war auch so etwas wie die Macht des Preußenkönigs, so sahen es die Leute im Dorfe.
War es schon bei den Soldaten hart gewesen, dass Oben, die Offiziere in Saus und Braus lebten, und die Untergebenen , die Soldaten darbten, gequält und gedemütigt wurden, so war es in der Heide bei der Jagd nicht anders.
Noch dazu, als von einer Strecke, die nach einer erfolgreichen Jagd sich über eine ganze Waldlichtung erstreckte, die 15 Treiber und der Forst- und Jagdgehilfe, zwei lumpige Hasen und ein mickriges Reh als Lohn für ihre Hilfe bei der Jagd bekamen. Den ganzen Tag waren sie unterwegs, über Berg und Tal, durch Gestrüpp und Dickicht waren sie selbst gehetzt, und als die prachtvolle Strecke gelegt war, war Angesichts von erlegten Rehen, Hirschen, Wildscheinen und Hasen nur der Brosamen für sie übrig. So war es immer.
Diese Ungerechtigkeit hatte Gottfried immer schon mit Zorn erfüllt, erst beim Preußenkönig, jetzt bei der fürstlichen Jagd, noch dazu, da er als bester Schütze für die „feinen Herrschaften“ die besten Stücke geschossen hatte.
„Jetzt ist Schluss damit“, dachte er sich, und beschloss selbst zu für sich zu jagen, also zu wildern.
Ein Jagdgewehr hatte er, ein guter Schütze war er, im Wald kannte er sich aus wie in seiner Westentasche und so begann sein heimliches Tun. Die guten Mahlzeiten machten ihn und seine Marie mit der Zeit verdächtig und im Dorf hatte man jetzt den Aufhänger für die Verleumdung und Verdächtigung, doch nachweisen konnte man ihm noch nichts.
*
Jetzt holte Lisa Luft beim Erzählen und fragte, „habt ihr denn keinen Durst mehr, außerdem lebe ich davon, dass ihr trinkt und nicht nur zuhört.“
„Der erste Teil deiner Geschichte gefällt mir so gut“, so der Lange, „dass ich schon jetzt eine Lage bezahle. Bitte Lisa, mach schnell die Humpen voll und erzähl weiter, die Großbauern vom Stammtisch aus der „Langen Straße“ dahinten, können anschließend einen ausgeben“. „Nur dann erzähle ich weiter“, so Lisa. Als das geklärt war, begann sie wieder.
„Das Gerede und Verleumdung im Dorf genügten, Gottfried war sein Forst- und Jagdhelferjob los und war nun Holzfäller wie sein verunglückter Vater. Jedes Mal, wenn er in den Wald ging verzauberte ihn die Schönheit der Natur , der herrliche Laubbaumbestand, die Gräser, die Blumen, die Büsche und Dickichte und die blühende Heide, es war sein Traumland. Der unschätzbare Reichtum an Tieren in der natur war das Leben nachdem er sich immer gesehnt hatte, selbst in den vielen Jahren in der Kaserne, hatte er im Traum immer den Geruch vom Wald und Heide in der Nase, daneben lag dann immer seine Marie. Doch die Arbeit war schwer als Holzfäller, denn nach fast 10 Stunden im Wald, war immer noch nicht Schluss. Die Äxte mussten geschärft werden, die Sägen geschränkt und angefeilt, die Viehzeug, mit zwei Zicken für die Milch, die Hühner und Karnickel mussten gefüttert werden. Nur eines brachte ihm sein Holzfällerleben ein, ein Leseschein für Brennholz brauchte er nicht, wie alle anderen armen Luder im Dorf.
Die heimliche Leidenschaft, die Wilddieberei hatte er aber nun perfektioniert. Sie waren drei Kameraden, alles Holzfäller, einer aus Hütten, tief in der Heide gelegen, einer aus Burgstall und Gottfried aus Colbitz. Die Wilddieberei blieb den Förstern und Jagdaufsehern nicht verborgen, aber klären konnten sie sie nicht. Denn unser Trio, sprach sich auf der Arbeit ab, einmal schlugen sie in Blätz – Cröchernschen Wald zu, dann wieder einmal in den Colbitzer Forsten und wieder einmal in den Forsten von Letzlingen, aber zu fangen waren sie nicht. Denn auf Wilddieberei stand die Todesstrafe und der Förster dufte den finalen Todesschuss bei einem Wilddieb setzen, ohne dafür bestraft zu werden.
Die Beute teilten sie redlich und hatten dafür diverse Verstecke im Wald angelegt. Das waren richtige ausgebaute Räuberhöhlen unter der Erde, getarnt im Dickicht, aber immer unweit, der in der Heide versteckt liegenden Förstereien. So eben auch in der Nähe von der Försterei – Golzhausen – und in der Nähe von – Kesselsohl-. Wenn sie suchen, dann nicht im Schatten der Forstwirtschaft im Wald, so dachten sie und taten gut daran.
Es waren Ihre Vorratskammern in denen sie nur etwas holten, wenn zu Hause etwas gebraucht wurde und auch gleich verbraucht werden konnte. Der Verdacht lag bei den Förstern nahe, aber gefunden wurde nie etwas. Und wer davon wusste, hielt dicht. Lange Zeit ging alles gut.
Dann aber brachte der Zufall Aufklärung, denn im Schuppen, wo Gottfried sein Werkzeug als Holzfäller pflegte und herrichtete, war ein kapitales Geweih an der Wand. Von diesem Prachtstück hatte er nicht lassen können und der Zufall wollte es, dass der Förster seinen Vorarbeiter wegen der Arbeit im Wald überraschend besuchte und das Geweih im Schuppen sah und erkannte. Er sagte aber kein Wort. Er nahm sich aber vor, Gottfried ab jetzt zu beobachten, denn auch er hatte seinen Stolz und in ihm loderte jetzt das Jagdfieber auf einen Wilddieb, den er in Gottfried vermutete. Doch erst mal geschah nichts.
Einmal schlich er Gottfried nach, der gerade im Dickicht, unweit seiner Försterei verschwand und nicht wieder auftauchte. Erst mal suchte er vergebens, dann fand er Tage danach eine Veränderung in einer Rasenfläche, kratzte und grub, und auf einmal kam ein Loch, dann eine Treppe und eine Höhle zum Vorschein, ein rechtes Jagd – Diebesloch. Da hing eine Stück geteiltes Wildschein und ein aufgebrachtes Reh. Jetzt habe ich Dich, dachte er.
Aber auch hierbei kam er zu spät, denn Gottfried Platter aus Colbitz und Friedrich Efterlein aus Burgstall waren für den Preußenkönig in den Krieg gezogen und fielen für Volk und Vaterland in Schlesien beim Kampf mit den Österreichern“, und damit endete Lisa ihre Erzählung.

„Jetzt weiß ich“, so der große Kataster -Landvermesser, „Die Gemarkung wird
- Diebesloch –
heißen.
Und für mich ist das auch die Lösung, ich muss nur den Leuten aufs Maul schauen, dann habe ich auch Bezeichnungen für die nächsten Gemarkungen. Jetzt aber Lisa, bring mal die Bauernrunde Bier und einen Doppelten dazu, das war die Geschichte allemal wert“.
*
Und so kamen die Gemarkungsbezeichnungen in Colbitz und anderswo zustande. Und ich bin mir sicher an jeder dieser Bezeichnungen, wie
Bullenbreite, Langer Saal, Blätzer Berg, Futtersäcke, Die Breite, Seelenhau, Gänsekiel usw. hängen tolle Geschichten, die alle noch entdeckt werden wollen.

Auf meinen Wanderungen in der Heide, unweit von der nicht mehr vorhandenen Försterei – Kesselsohl – erzähle ich dann
- die Legende vom Diebesloch -.

Eckhard Mohaupt / 09.07.2011
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H K aus Emmendingen | 01.01.2014 | 19:47  
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