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Interview mit dem Bürgermeister der Marktgemeinde Meitingen Dr. Michael Higl

 
Sie feierten ihr Partnerschaftsjubiläum: Die drei Bürgermeister (v.l.) Michel Roy, Pouzauges (Frankreich), Nancy Ford, Eye (England) und Dr. Michael Higl, Meitingen (Foto: Andrea Gärtner)
 
Bischof Walter Mixa zu Besuch in Ostendorf (Foto: Markt Meitingen)
 
(Foto: Markt Meitingen)
myheimat: Das Jahr 2009 neigt sich dem Ende zu, wie fällt Ihr Fazit aus?

Higl: Das Jahr 2009 war sicherlich ein Jahr mit Höhen und Tiefen, ein Jahr in dem die Wirtschaftskrise auch vor Ort spürbar wurde, aber auch ein Jahr, in dem viel Zuversicht und Hoffnung herrscht und viele optimistische Planungen von privater wie öffentlicher Seite angestoßen wurden.

myheimat: Aus dem Bevölkerungsspiegel Ihrer Gemeinde ist herauszulesen, dass es einen hohen Anteil von um die 70-Jährigen gibt. Was macht bzw. wird Ihre Gemeinde machen, um den Senioren das Leben angenehm zu gestalten?

Higl: Die Angebote für die ältere Generation sind in Meitingen vielfältig. Als erstes denkt man sicherlich an das umfassende Angebot an Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen, allen voran die Angebote der Johannesheims und der ökumenischen Sozialstation. Daneben gibt es aber ein breites Netz an ambulanten Angeboten, die pflegende Angehörige unterstützen und oftmals ein Leben zu Haus noch möglich machen. Ich bin überzeugt, dass es eine wesentliche Aufgabe unserer Gesellschaft ist, in Würde zu altern. Ich möchte aber die Seniorenthemen nicht auf die Betreuung und Pflege reduzieren. Die Generation ist ein wichtiger Aktivposten in unserer Gesellschaft, die mit Erfahrung und dem Willen, sich für die Gemeinschaft einzubringen unbezahlbar ist. Ich denke an die vielen Ehrenamtlichen in Vereinen, Organisationen oder in der Nachbarschaftshilfe, die unser Zusammenleben reicher machen. Im Moment erarbeiten wir im Rathaus eine Broschüre, die die Vielfalt der Angebote und Aktivitäten von und für Senioren zusammenstellt.

myheimat: Sie haben Ökonomie an der Universität in Augsburg studiert und lange Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter bzw. akademischer Rat gearbeitet. Wie kamen Sie zur Politik? Welche Erfahrungen sind Ihnen aus der Universitätszeit für Ihre Arbeit als Bürgermeister besonders hilfreich? Hängt mit Ihren Uni-Erfahrungen Ihr Ziel zusammen, den Bildungsstandort Meitingen zu fördern zusammen?

Higl: Als Meitinger war ich schon immer am politischen Geschehen interessiert. In der Jungen Union schnupperte ich „kommunalpolitische Luft“, wobei die Gemeinschaft sicherlich im Vordergrund stand. Eigentlich wollte ich immer beruflich unabhängig von der Politik sein, mein Schwerpunkt lag auf Studium und anschließend auf Lehre und Forschung in der Universität. Als im Jahr 2007 die Frage aufkam, ob ich mir das Amt vorstellen könnte, habe ich lange gezögert, die Verbundenheit zu meiner Heimat und die Aussicht, dafür etwas bewegen zu können, hat mich zur Kandidatur motiviert. Meine Ausbildung hilft mir gerade in den vielen wirtschaftlichen Fragestellungen der Kommune. Die Erfahrung, auch vor 600 Studenten Vorlesungen gehalten zu haben, macht mir öffentliche Auftritte sicherlich leichter. Am wichtigsten in meinem Beruf ist jedoch, auf die Menschen zuzugehen, zuzuhören, die wesentlichen Schlüsse zu ziehen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Da hilft mir meine langjährige Arbeit in Vereinen und im Gemeinderat. Die Kombination aus Verwurzelung und Studium ist mir wichtig, man darf in meinem Beruf nicht zu akademisch abgehoben agieren.

myheimat: Seit 1980 wächst Ihre Gemeinde konstant von Jahr zu Jahr. Was macht Meitingen so besonders lebenswert?

Higl: Meitingen wächst beständig seit noch viel längerer Zeit. Unsere Stärke ist, dass im Markt Meitingen ein umfassendendes Angebot an vielen Dingen, vom Arbeitsangebot über die Einkaufsmöglichkeiten, Schulen, Ärzteversorgung, Dienstleistungsangebot bis zu vielfältigen Freizeitmöglichkeiten besteht. Trotz dieser schon „städtischen“ Versorgung behält unser Markt mit seinen Ortsteilen eine Charakteristik, in der man sich noch kennt und zusammenhält. Wichtige Argumente für unsere Entwicklung sind natürlich die guten Verkehrsanbindungen. Hier sehen wir aufgrund der neuen B2 große Chancen.

myheimat: In Ihrer Gemeinde existieren eine Vielzahl von sozialen Projekten, wie z.B. die „Präventive Familienarbeit“ und die „Jugendsozialarbeit an Hauptschulen“. Können Sie diese Projekte bitte kurz vorstellen?

Higl Hilfe- und Beratungsangebote für Jugendliche und Familien sind bei uns weit gestreut. In unserer Hauptschule sind drei Sozialarbeiter beschäftigt, die als Anlaufstelle für Jugendliche und Lehrer vor Ort sind. Mit unseren weiteren Beratungs- und Hilfeangeboten setzen wir besonders auf die Familien, die das wichtigste Umfeld der Kinder und Jugendlichen sind. Hier ist unsere erstes Ziel, die Familien zu stärken und Eltern in Ihrer Erziehungs“arbeit“ zu unterstützen. Ein umfangreiches Bildungsangebot unter dem Titel „Kunststück Familie“ bietet Informationen. Sollten Probleme auftreten, steht die Familienberatung mit Rat und Tat zur Seite. Mit unserem Partner, der St.Gregor-Jugendhilfe, entwickeln wir das Netz beständig weiter und versuchen es, an neue Gegebenheiten anzupassen. Dabei beziehen wir insbesondere die Kindergärten und Schulen, aber auch die Vereine, die im Markt Meitingen eine hervorragende Jugendarbeit anbieten in die regelmäßigen Runden Tische mit ein.

myheimat: In Meitingen gibt es kein Gymnasium. Wie weit müssen die Kinder und Jugendliche bis zur Schule fahren? Wie ist die Situation der Infrastruktur für Senioren? Erreichen sie alle notwendigen Einrichtungen wie Ärzte und Einkaufsmöglichkeiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln?

Higl: Unsere Gymnasiasten gehen überwiegend in den Schulen in Wertingen und Gersthofen, zu einem kleineren Teil auch nach Augsburg. Real- und Hauptschulangebote bestehen vor Ort. Unsere guten Verbindungen per Bahn und Bus ins Umland sind gerade für Schüler ein wichtiges Argument, wie mir gerade die Diskussionen in unserem Jugendforum aufgezeigt haben. Dabei geht es für die Jugendlichen übrigens nicht nur um die Schule, auch in der Freizeit ist die nahe Stadt ein sehr attraktives Ziel. Die Situation für Senioren bewerte ich positiv. Wir haben Allgemeinärzte und Ärzte vieler Fachrichtungen am Ort, die mit dem Rufbus jetzt noch besser erreichbar sind. Darauf haben wir bei Festlegung der Haltestellen ein besonderes Augenmerk gerichtet. Ebenso bietet das Meitinger Zentrum auf engem Raum viele Einkaufsmöglichkeiten. Und das Einkaufszentrum Via Claudia im Meitinger Norden wird ebenfalls vom (Ruf)Bus angefahren.

myheimat: Am 9. November 2009 nahm der Rufbus seinen Betrieb auf. Welches Konzept steckt dahinter?

Higl: Der Rufbus schließt eine Lücke im Fahrplan zwischen den Busverbindungen im Schulverkehr. Zwischen acht und zwölf Uhr besteht ein Fahrplan rund um Meitingen. Der Bus muss eine spätestens eine halbe Stunde vor Abfahrt angefordert werden, dann bringt der die Fahrgäste zum gewünschten Ziel. Da kaum alle möglichen Haltestellen auf einmal angefahren werden, ergeben sich Zeitersparnisse für den Kunden. Darüber hinaus entfallen unnötige Fahrten, was ökologisch wie ökonomisch sinnvoll ist. Das Projekt, bei dem der Landkreis Augsburg sowie unsere Nachbarn Westendorf, Kühlenthal und Biberbach beteiligt sind, ist zunächst bis Ende 2011 begrenzt. Unsere ersten Erfahrungen stimmen uns zuversichtlich, dass wir durch dieses flexible Angebot die weniger stark nachgefragten Zeiten im Busverkehr versorgen können. Eine feste Linie bliebe dagegen unfinanzierbar.

myheimat: Die lokale Politik setzt sich für die Stärkung Meitingens als Einkaufsort ein. Welche Maßnahmen sind konkret geplant?

Higl: Man muss hier in erster Linie festhalten, dass die Politik nur Rahmen vorgeben kann. Weder können wir einen Unternehmer zu einem Vorhaben zwingen, noch ist es unsere Aufgabe, alles selbst zu regeln. Die Rahmenbedingungen beeinflussen wir beispielsweise durch die gute Verkehrsanbindung, der Rufbus ist hier ein wichtiger Mosaikstein. Das Parkplatzangebot ist ebenfalls ein wichtiger Faktor für Einkäufe, daher betreiben wir die Tiefgarage in der Schlossstrasse. Darüber hinaus unterstützen wir die Wirtschaftsgemeinschaft bei ihren Aktionen im Rahmen unserer Möglichkeiten. Für die Zukunft streben wir an, die Schlossstrasse und den Handelspark Via Claudia als unsere zwei Einkaufszentren zu stärken.


myheimat: Betroffene in Meitingen klagten in der Vergangenheit immer wieder über den unerträglichen Lärm durch die neue B2-Umfahrung. Zu Lärmschutzzwecken wurden 800.000 Euro im Haushalt und in der Finanzplanung eingestellt. Welchen Stellenwert nimmt der Lärmschutz in Ihrer persönlichen Priorität ein?

Higl: Eine detaillierte Bestandaufnahme des Lärms identifiziert die Hauptquelle des Lärms, die die weitereren Quellen in ihrer Intensität bei weitem überragt: der Bahnlärm. Daher bin ich froh, dass Meitingen im Lärmminderungsprogramm des Bundes aufgenommen ist. Uns ist ein umfassender Lärmschutz für Herbertshofen und Meitingen zugesagt, derzeit arbeitet die Bahn die konkrete Planung aus. Auf Basis dieser Planungen werden wir im Marktgemeinderat weitere Schritte unternehmen. Wir sind auf jeden Fall für die Lärmproblematik sensibilisiert: Deshalb nehmen wir beispielsweise für unsere Bauvorhaben vom Einbau von Pflasterflächen Abstand.

myheimat: Welche Ziele haben Sie sich für 2010 gesetzt?

Higl: Wir haben am 16.12.2009 den Haushalt 2010 im Marktgemeinderat verabschiedet mit dem wir uns ein umfangreiches Programm geben. Schwerpunkte werden die Sanierung von öffentlichen Gebäuden und Straßen sein. Insgesamt arbeiten wir kontinuierlich weiter an der guten Entwicklung des Marktes Meitingen und gehen mit voller Kraft und viel Optimismus ins neue Jahr 2010.
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Regionalmagazin meitinger | Erschienen am 10.12.2009
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