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Japanreisebericht, Teil 3 - Kyoto

Äußerer Wachturm mit Burggraben des Nijo-Jo
 
Eingang zu den verwinkelten Gebäudekomplexen des Shogun mit dem Nachtigallenboden
 
Übergang innerhalb des Nijo-Jo zu einem weiterem, inneren Bereich
Die schöne Zeit in Nara, mit dem Kurzausflug zur beindruckenden Burg von Himeji ging zu Ende und wir machten uns mit dem JR Zug auf die ca. 45 min. Fahrt nach Kyoto.

Kyoto, die frühere Kaiserstadt, ist die geschichtlich und kulturell bedeutendste Stadt Japans. Die Schriftzeichen für Kyoto (alleine jeweils „Miyako“ gelesen) bedeutet im Japanischen wörtlich „kaiserliche Residenz“ - die Stadt war nämlich von 794 bis 1868 Sitz des kaiserlichen Hofes, dieser wurde danach nach Tokyo verlegt. Interessanterweise, so erklärte mir eine in Augburg lebende Japanerin, wurde damals nur der Stadtnamen getauscht bzw. die Wortsilben - also von KYO-TO zu TO-KYO.

Aber gerade der Umstand, das Kyoto lange Jahrzehnte die Kaiserstadt war, merkt man in vielen Ecken dieser Stadt, die jedoch vor Gegensätzen nahezu trotz! Auf der einen Straßenseite findet man typische, traditionelle japanische Tempel- und Gartenanlagen sowie Restaurant, auf der anderen Straßenseite ein uns allen bekanntes amerikanisches Fast-Food-Restaurant; traditionell gekleidete auf der einen Seite, in Magna-Kleidung laufende Jugendliche auf der anderen Seite!

Obwohl der Anlaß unseres Aufenthaltes in Kyoto das Budo-Weltseminar war, fanden wir doch ein bischen Zeit auch die Sehenswürdigkeiten von Kyoto zu besuchen.

Unser erster Ausflug führte uns zu dem, unweit unseres Hotels, dem Miyako, gelegenen "Silberne Pavillion", der Jisho-ji, besser bekannt unter dem Namen Ginkaku-ji, ein buddhistischer Tempel. Er wurde 1482 von Shogun Ashikaga Yoshimasa als Ruhesitz erbaut.

Zwei Gebäude der ursprünglichen Anlage, der Kannon-den und der Togu-do, sind aus dem 15. Jh. erhalten. Der Garten stammt aus der Edo-Zeit. Diese wunderschöne Anlage mit diversen Teichen und Gärten ist traumhaft angelegt und inspiriert den Besucher zu ausgedehnten Spaziergängen. Der Weg dorthin bzw. auch zu dem sog. "Goldenen Pavillion" ist ein, am Orts- und Waldrand angelegter Pfad, der sog. Philosophenpfad.

Herausragend, aufgrund seiner imposanten Darstellung, ist der Weg zum Heian Schrein. Dieser Weg wird durch ein, quer über die 4spurige Straße führendes Tori kenntlich gemacht. In gerader LInie führt die darunter verlaufende Straße direkt auf den Heian Schrein zu.

Dieser ist ein Shinto-Schrein und wurde zu Ehren des Kammu-tenno im Jahr 1895 errichtet (interessanterweise wird das Gründungsjahr des Dai Nippon Butoku Kai auf das gleiche Jahr datiert), 1.100 Jahre nach Gründung von Heian-kyo (heutiges Kyoto) durch Kammu. 1940 (im 2.600. Jahr der kaiserlichen Abstammungslinie) wurde zusätzlich der Komei-tenno, der letzte Tenno mit Regierungssitz in Heian-kyo, im Heian-jingu eingeschreint.

Unweit, quasi einen Katzensprung (und es ist wirklich nicht mehr) davon entfernt ist der Butokuden, die älteste Budotrainingsstätte, in welchem auch unser Weltseminar stattfand!

Aber auch Besichtigungen des Shorenin Tempels, welchem als Abt seine Exzellenz Prinz Higashi Fushimi vorsteht waren auf unserem Tagesprogramm. Dieser Ort strahlt eines aus: Ruhe. Automatisch fühlt sich der Besucher in diesen Bann gezogen, zauberhaft angelegte Teiche, verschlungene Pfade die durch Blumen-, Baumhaine führen, ein angelegter Wasserbrunnen, wundervoll platzierte kleine Wohn- und Aufenthaltsräume.

Aber ein wirklich herausragendes und beeindruckendes Erlebnis war der Besuch des Nijo-Jo. Diese Burg-/Schloßanlage beiinhaltet mehrere Gärten, Tempel und Häuser. Der Besucher hat den Eindruck beim passieren von diversen Toren immer tiefer in immer noch spezieller abgetrennte Bereiche vorzustoffen - und genau so ist es. Es gab Bereiche in denen die jeweiligen Besucher vorgelassen wurden, nicht alle aber wurden in den nächsten Bereich eingelassen. Dies steigert sich bis hin in die eigens nur für den Shogun und seine Familie vorbehaltenen Örtlichkeiten.

Nijo-Jo ist eine japanische Burganlage und ehemaliger Sitz des Shoguns in Kyoto. Der Name dieser Burganlage ergibt sich ganz einfach aus der Tatsache, daß die Straße, an der die Burg liegt, den Namen Nijo trägt. Die Anlage wurde 1601 vom Shogun Tokugawa Ieyasu (dieser siegte bei der bedeutenden Schlacht von Sekigahara im Jahre 1600 über den Taira Clan und der Clan der Tokugawa läutete danach eine 250 Jahre dauernde Herrschaft des Friedens ein) erbaut. Teile davon brannten 1788 und 1791 jedoch wieder ab, da die Anlage hauptsächlich aus Holz gebaut war.

Mehrere Gebäude sind verschachtelt angelegt, d.h. gehen an den Ecken ineinander über bis letztendlich das letzte Gebäude erreicht ist - die Privaträume des Shogun. Als Leser der Romane "Der Clan der Otori" hatte ich bereits vom sog. "Nachtigallenboden" gehört, dies aber als Romanerfindung abgetan. Hier nun, im Nijo-Jo gibt es diesen Nachtigallenboden wirklich!

Der Name entstammt dem Geräusch, den der Holzboden verursacht, wenn man auf ihm geht, zum Zeitpunkt als wir diese Örtlichkeit besichtigten, zusammen mit hunderten anderen, ein wirres, lautes Vogelgezwitscher!

Der Grund dieser architektonischen Leistung liegt in der Notwendigkeit einer "Alarmanlage". Zu dieser Zeit in Japan gab es neben dem Stand der Samurai, ehrenvolle Krieger eines Daimyo (Lord) oder Shogun (oberster Befehlshaber) auch die der Ninja, sog. bezahlten Mördern. Um nun sich innerhalb dieses Gebäudekomplexes zu bewegen mußte man auf dem Nachtigallenboden laufen und so wurde der Shogun sehr frühzeitig davor gewarnt, wenn sich jemand ihm näherte und konnte Vorsichtsmaßnahmen ergreifen bzw. wurden auch seine Samurai während der Wache auf mögliche Eindrinlinge aufmerksam.

Überhaupt ist Kyoto mit seinen ca. 1,5 Mio. Einwohnern, auf einer Fläche von ca. 830 km² eine bedeutende Stadt, die jeder Japanreisende besuchen sollte. Hier finden sich viele geschichtsträchtige Orte, traumhafte Gartenanlagen, Tempel und Museen und oftmals kann man noch den Hauch spüren und einatmen, der aus der Zeit der "alten Kaiserstadt" stammt.

Nur eines ist ein kleiner Wehrmutstropfen - im Gegensatz zu Nara (unserem Aufenthaltsort davor) ist Kyoto sehr teuer! So waren wir froh, vor Kyoto schon diverse Geschenke gekauft zu haben (und hier kann ich nur wärmstens die Einkaufsstraße in Nara empfehlen!) ansonsten hätte es ein großes Loch in unser jeweiliges Budget gerissen.

Speisekarten in den Lokalen werden übrigens auf Wunsch auch in englischer Sprache ausgehändigt, was allerdings nicht unbedingt eine Erleichterung darstellt, auch darf man sich nicht täuschen lassen von der Größe eines Einganges zu einem Lokal! Oftmals verbirgt sich hinter einem anscheins kleinem Geschäft oder Lokal ein wundervoll angelegter Park mit Restaurant.

Leider waren wir durch das Weltseminar des Dai Nippon Butoku Kai, DEM japanischen Budoverband, der seinerzeit unter der Schirmherrschaft des japanischen Kaiserhauses gegründet wurde, zeitlich sehr eingeengt und konnten nur so einen Hauch der möglichen Sehenswürdigkeiten besuchen - aber wir hatten uns bereits vor unserem Reisebeginn, noch hier in Deutschland, ausgiebig über unsere jeweiligen Aufenthaltsorte erkundigt und bereits hier festgelegt, was wir auf jeden Fall anschauen werden und genau dieses Ziel haben wir erfüllt!

Und so näherte sich auch der Zeitpunkt, da wir Kyoto verlassen mußten, wieder mit unserem bevorzugtem Reisemittel JR und wir machten uns auf zu unserer letzten Etappe nach Kobe, wo wir die restlichen Tage unseres Aufenthaltes in Japan zum ausspannen, relaxen, shopen und Sightseeing verwenden wollten - dies hatten wir uns (wir waren ja ursprünglich nach Japan gekommen um an dem einwöchigen Budoseminar teilzunehmen!), wie wir dachten, auch verdient.

Aber dazu mehr in unserem nächsten Teil unseres Japanreiseberichtes
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Rosalina M. aus Meitingen | 07.09.2008 | 17:00  
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