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Japanreisebericht, Teil 2 - Ausflug zur Burg Himeji

Himeji-jo, zu erreichen über eine Holzbrücke
 
die Burg selbst mit einer schematischen Darstellung der gesamten Anlage
Im Rahmen eines Tagesausfluges von Nara besuchten wir die Burg von Himeji. Unser häufig benutztes Verkehrsmittel „Zug“ brachte uns kostengünstig zu dieser, nordwestlich von Osaka gelegenen Örtlichkeit. Die Fahrt dauerte ca. 40 min und kostete ca. 5 Euro pro Person.

Auf jeden Fall sollte man die Gelegenheit ergreifen, wenn man in Japan verweilt, einmal mit dem Zug zu fahren – ein Erlebnis!

Am Bahnsteig geht es trotz des Chaos, geregelt zu. Linien in Richtung der Bahngleise symbolisieren den Standort der Zusteigenden – und genau an dieser Linie bleiben die Türen des Zuges stehen, nicht einen Meter vorher oder nachher! In Reih und Glied reihen sich die Zusteigenden auf, lassen jedoch erst alle Aussteigenden heraus und ohne Gedränge geht es dann hinein, wobei die Priorität es ist, einen Sitzplatz zu bekommen.

Höflichkeitsformen, wie hier in Europa üblich, werden in Japan schamlos ausgenützt! Bietet man z.B. einen älteren Person einen Sitzplatz an, oder auch einer schwangeren Frau und erhebt sich hierzu vom Sitz, so ist dieser sogleich schon von einem anderen besetzt.

Japaner nutzen die Zeit des Zugfahrens zu mehreren Tätigkeiten, wobei an erster Stelle das Schlafen steht, gefolgt von Handy-Spielereien und (bei Frauen) schminken.

Wir Europäer sind während unseres Japanaufenthaltes, nicht zuletzt auch wegen unserer „Einheitskleidung“ ständig aufgefallen. Überhaupt sind uns in Nara, Himeji und später in Kobe sehr wenig, um nicht gar zu sagen fast keine, Europäer begegnet, so dass wir schon aufgrund dieser Tatsache sehr auffielen.

Aber zurück zu Himeji! Sie befindet sich in der gleichnamigen Stadt, in der Präfektur Hyogo. Die Burg wurde im 17. Jahrhundert erbaut (wobei Teilgebäude bereits 1346 erbaut wurden) und ist eine der ältesten, erhaltenen Bauwerke Japans. Die Burganlage besteht aus 83 einzelnen Gebäudeteilen und trägt bei der Bevölkerung den Spitznamen Shirasagi-jo, was soviel heißt wie „Weißer Reiher“ – eine Namensgebung aufgrund der weißen Außenmauern.

Die Burganlage besteht aus einem Wassergraben mit Holzbrücke, Wehrmauern, einem großem Platz, der mehrstöckigen, ebenfalls mit Wehrmauern umgebenen äußeren und inneren Burganlage, abgegrenzten Teilbereichen und letztendlich der Burg selbst! Ein absolutes Muß für jeden Japanbesucher!

Aufgrund der Anordnung der Burg und Wehranlagen galt diese als praktisch uneinnehmbar!

Das Hauptgebäude ist, wie erwähnt, mehrstöckig und über diverse Innenhöfe bzw. separat abgeschottete Bereiche zu erreichen. An einer Örtlichkeit, an der man hier vorbei geht, überkommt einem ein leichter Schauer „Seppuku grave“ – der Ort an dem die in Ungnade gefallen Samurai den traditionellen Selbstmord in Anwesenheit ihrer Herrscher bzw. Ermächtigten verübten. Hierzu wurde in der Platzmitte eine Stelle vorgesehen an welcher der „Hauptdarsteller“ mit dem Kaishakunin, dem Assistenten beim Seppuku, Position bezog. Dieses Ritual ist strengen Regeln unterworfen und detailliert vorgegeben. Dieser Örtlichkeit gegenüber, in einem zu dieser Seite offenen Gebäude, nahmen dann die offiziellen Platz um ihren Beitrag zum Seppuku zu leisten.

Aber zurück zum Hauptgebäude. Der Besucher entledigt sich beim Betreten dieses (wie in nahezu allen traditionellen Gebäuden in Japan) seiner Schuhe und geht barfuß oder mit Socken in das Gebäude. Der Boden ist auf allen Etagen mit Holz ausgelegt, alle Treppen, Wände, Decken – alles aus Holz. Schießscharten dienten dazu belagernde Feinde zu erschießen. Darstellungen an den Wänden schildern die genaue Vorgehensweise bei Belagerungen!

Es gab Samurai, die die Waffen von den Wandständern nahmen, weiterreichten an diejenigen, die Pulver und Feuerstein anbrachten und weitere, die sie bis zum letztendlichen Schützen reichten!

Daneben dient das Hauptgebäude nun als Museum und es werden diverse Gegenstände der Herrscher, wie Siegel, Kaligrafien, komplette Samurairüstungen und uralte Samuraischwerter, sog. Katana, ausgestellt! Für den Kenner ein bedeutsamer Augenblick!

Wie bereits oben erwähnt, wurden Teilgebäude bereits 1346 erbaut, die Burganlage selbst wurde 1580 von Toyotomi Hideyoshi, einem der mächtigsten japanischen Shogune, der die Burg übernahm, bereichert mit dreistöckige Burgtürmen. Nach der Schlacht von Sekigahara im Jahr 1600 fiel die Burg an Tokugawa Ieyasu, dieser übergab sie weiter an Ikeda Terumasa. Innerhalb einer 8jährigen Bauzeit (1601-1609) erweiterte er die Bauwerke bis hin zu der heutigen Form, dazu gehörte auch das imposante fünfstöckige Hauptgebäude.

Wie anderen bedeutende Tempelanlage Japans gehört Himeji-jo zu den nationalen Kulturschätzen Japans und wurde 1993 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt.

Als wir vor diesem beeindruckendem Gebäude standen kam uns immer in den Sinn „Irgendwie kommt mir das bekannt vor!“ – unser Verstand schlug uns kein Schnippchen! Im James Bond Film „Man lebt nur zweimal“ aus dem Jahr 1967 wurde es als das Hauptquartier der japanischen Geheimpolizei gezeigt und in dem Film „Shogun“ mit Richard Chamberlain (Autor James Clavell) aus dem Jahr 1980 war das Schloß unter dem Pseudonym „Schloß von Osaka“ zu sehen. Weiter war die Burg Kulisse für diverse japanische Samuraiverfilmungen aber auch Szenen aus „Der letzte Samurai“ mit Tom Cruse (2003) wurden hier gedreht!

Wer nun vorhat, anlässlich eines Japanaufenthaltes die Burg Himeji-jo zu besuchen, sollte dafür einen Tag einplanen, um auch wirklich die gesamte Vielfalt der Burg zu entdecken und alles aufnehmen zu können!

Aber alles schöne geht einmal zu Ende, so auch unsere Besichtigung von Himeji-jo und wir traten mit dem Zug die Rückreise nach Nara an – waren uns aber einig, dass diese Burganlage mit zu den Highlights unseres Japanaufenthaltes zählt!
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1 Kommentar
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Ursula Schriemer aus Greifenberg | 18.08.2008 | 10:57  
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