Anzeige

Deutsch-französische Partnerschaft

Latour-Denkmal in Oberhausen
Oberhausen –
ein Stück Frankreich auf bayerischem Boden

Die Freunde der deutsch-französischen Partnerschaft
Meitingen-Pouzauges besuchten Frankreich (in Bayern).

Wissen Sie, dass es ein Stück Frankreich auf bayerischem Boden gibt? – oder richtiger: Es gibt französischen Boden nur wenige Kilometer von Meitingen entfernt – exterritorial sozusagen.
Es sind zwar nur einige Quadratmeter, aber die Geschichte, die an diesen
286 Quadratmetern hängen, ist sehr interessant und für Bayern von großer Bedeutung.


Schlacht bei Oberhausen am 27. Juni 1800

›› Der Todt dehs Latour d‘ Auvergne ‹‹
ist menschliches Kapitel im unmenschlichen Kriegsgetümmel
und zugleich Beispiel für ein Kapitel bayerisch-französischer Geschichte:
ein Stück Frankreich in Bayern.

In Oberhausen, Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, westlich der alten Herzogstadt Neuburg
an der Donau, befindet sich ein kleines Areal, welches sich im Besitz der Republik Frankreich befindet. Es ist im Grundbuch von Oberhausen im Band 16, Blatt 556 eingetragen, hat die Bezeichnung „Latour-Äcker, Platz mit Denkmal“ und eine Größe von 286 Quadratmetern.
Dieser Platz und das Denkmal für den „Ersten Grenadier der Armeen Frankreichs“ werden heute
vom Freistaat Bayern gepflegt.
Am 27. Juni 1800 fand während des 2. Koalitionskrieges eine Schlacht zwischen den französischen Revolutionstruppen und verbündeten Einheiten aus Bayern-Pfalz und Österreich statt. Bei diesem „Gemetzel“ wurden tausende von Soldaten beider Kriegsparteien getötet.
Auf bayerischer Seite fiel der erst 30 Jahre alte Bataillonskommandeur des 8. Füsilierregiments, Peter Reichsgraf von Zedtwitz, aus französischer Seite fielen der Kommandeur der 46. Halb-brigade der Infantrie, Oberst Pierre Forty und der Kommandeur der Grenadiere, Theophile
Latour d‘ Auvergne, „le Premier Grenadier de les armees de la République Francaise“.
Befehlshaber der französischen Armee war General Jean Victor Moreau (1763-1813).
Nach der gewonnenen Schlacht ließ General Moreau vom Pfarrer von Oberhausen das Grund-stück für die Republik Frankreich kaufen (Kaufvertrag vom 12.09.1800). Außerdem liess er auf
dem Grundstück ein Denkmal für Latour d‘ Auvergne und Oberst Forty errichten, die dort am
30. September 1800 beigesetzt wurden. Ebenfalls wurden noch zwei französische Offiziere
neben dem Denkmal beigesetzt. Das Herz von Latour d‘ Auvergne wurde in einer Bleikapsel
auf der Fahnenspitze des Grenadierregiment bei allen Schlachten mitgetragen.
Bei der Beisetzung von Latour d‘ Auvergne befahl General Moreau dem Pfarrer zu sagen: „Schlafe in Frieden mein Kamerad. Ich vertraue diese Gruft allen Tapferen der ganzen Welt an“.
General Moreau marschierte mit seinen Truppen weiter nach Hohenlinden bei München, um
sich dort mit der Teilarmee, die unter dem Befehl Napoléons stand, zu vereinen. Bei der Schlacht von Hohenlinden siegten ebenfalls die Franzosen. Der 2. Koalitionskrieg wurde mit dem Frieden von Luneville beendet. Die Grenzen Frankreichs wurden durch Österreich anerkannt.
Bayern musste eine Kriegskontribution in Höhe von 6 Millionen Gulden an Frankreich bezahlen.
Das erste Denkmal, im Auftrag von General Moreau erbaut und am 30. September 1800 eingeweiht, verfiel jedoch im Laufe der Jahre; es wurde zwar im Jahr 1817 durch Eugen Beauharnais, dem Stiefsohn Napoléons und Herzog von Leuchtenberg renoviert. Es wurde 1837 abgerissen und entfernt und durch das heutige Denkmal, erbaut von König Ludwig I. ersetzt.









Zwei Bronzetafeln am La‘ Tour-Denkmal mit nachfolgendem Text erinnern an Oberst Pierre Forty und Latour d’Auvergne

A la mémoire A la mémoire
de La Tour d’ Auvergne de FORTY
Premier Grenadier de France Chef de la 46. Demi Brigade
D‘ Infanterie Francaise
tuè le 8.ieme Meßidor tuè le 8.ieme Meßidor
an 8. de l’ ere republicaine *) an 8. de l’ ere republicaine *)
27. Juin 1800 27. Juin 1800

Zur Erinnerung Zur Erinnerung
an Latour d’ Auvergne an Forty
Erster Grenadier Frankreichs Chef der 46. Halbbrigade
der Infanterie Frankreichs
gefallen am 8. Tag des Erntemonats gefallen am 8. Tag des Erntemonats
im 8. Jahr der Republik im 8. Jahr der Republik
27. Juni 1800 27. Juni 1800
(*) = Datumsangabe nach dem 2. Französischen Revolutionskalender des Jahres 1792)

Im früheren Forsthaus in Unterhausen starb am 27. Juni 1800 La Tour D‘ Auvergne.
Eine Bronzetafel, am Sterbehaus in Unterhausen am 27. Juni 1980 angebracht, erinnert an die Schlacht bei Oberhausen.

ICI EST MORT Hier verstarb
LA TOUR D‘ AUVERGNE La Tour d‘ Auvergne
PREMIER GRENADIER DES ARMEES Erster Grenadier der Armeen
DE LA REPUBLIQUE der Republik
AU COMBAT DU 27 JUIN 1800 nach der Schlacht am 27. Juni 1800

Napoléon hatte befohlen – und das war schon eine besondere Ehre für Latour d‘ Auvergne, dass der Name Latour d‘ Auvergne „nicht aus den Listen gelöscht werden darf“.
Wenn beim täglichen Appell des Regiments der Name Latour d‘ Auvergne aufgerufen wurde, trat der älteste Grenadier vor und meldete:
„ Il est mort au d´honneur pour la patrie chez Oberhausen de 27. juin 1800“.
„Er ist gefallen auf dem Feld der Ehre für das Vaterland bei Oberhausen am 27. Juni 1800.
Diese Prozedur dauerte bis zum Ende des Kaiserreichs.
In Carhaix im Dept. Finistere, dem Geburtsort von Latour d‘ Auvergne wurde im Jahr 1841 ebenfalls ein Denkmal errichtet. So war es auch nicht verwunderlich, dass die Franzosen den Leichnam ihres Nationalhelden nach Frankreich zurückholen wollten. Prinzregent Luitpold von Bayern ist dieser Bitte aus Frankreich natürlich nachgekommen. Am 29. Juli 1889 wurde Latour d‘ Auvergne mit einer großen militärischen Zeremonie exhumiert und nach München überführt. Von dort wurde er am 1. August 1889 nach Paris überführt, wo er dann am 4. August 1889 im Panthéon beigesetzt wurde. Sein Herz ruht allerdings im Invalidendom in Paris.

Gedenkplatte zur Erinnerung an die gefallenen bayerischen und österreichischen Soldaten
Auf Wunsch bayerischer Militärs, Soldatenvereine und Politiker wurde neben dem Denkmal am 29. Juni 1991 eine Gedenkplatte für die in der Schlacht bei Oberhausen gefallenen bayerischen und österreichischen Soldaten enthüllt. Bei der Gedenkfeier nahmen u.a. Dr. Thomas Goppel, damaliger Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten teil, sowie der Präsident des Partnerschaftsausschusses von Sète, Colonel Hubert Foucher.
Es war die erste Feierstunde, die Deutsche und Franzosen vor einem gemeinsamen Denkmal vereinte.

Auch ein Meitinger nahm an dieser Feier teil.
Pfarrer Joseph Liepert, damals Stadtpfarrer der Neuburger Pfarrei Heilig Geist, segnete am 29. Juni 1991 die Gedenkplatte für die gefallenen bayerischen und österreichischen Soldaten.



Gerhard Reiser, Meitingen
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.