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Besuch der Porzellan-Manufaktur Meissen

Die „Saxonia“ in der Erlebniswelt HAUS MEISSEN® im...
 
Besucherzentrum der Manufaktur Meissen
 
zu Beginn ein ungewöhnlich leerer Parkplatz
Meißen: Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen | Obwohl sich die Stadt an der Elbe in Sachsen Meißen nennt, trägt die

älteste Porzellan-Manufaktur Europas den Namen Manufaktur Meissen

Seit ihrer Gründung im Jahre 1710 durch August den Starken
, damals auf der Albrechtsburg, steht das für ein einzigartiges Kunsthandwerk.
Über die Manufaktur selbst, ihre Geschichte, Handwerkskunst, Künstler und Kollektionen und Produkte einschließlich Ikonen kann man sich bestens auf der Homepage der
informieren; aber auch

Ich möchte auf einige Besonderheiten, sprich Rekorde, näher eingehen.
Seit dem Anfang des 13. Jahrhunderts importierten europäische Fürstenhöfe zu horrenden Preisen das wundervolle und begehrte Porzellan aus China. Fast kostbarer als Gold war damals das Hartporzellan, dessen Herstellungsprozess offenbar nur die Chinesen seit mehr als 1500 Jahren kannten Besonderes von dieser Sammelwut befallen war auch August der Starke, Kurfürst von Sachsen und König von Polen.
Um die Kosten zu senken holt er sich den jungen Alchemisten Johann Friedrich Böttger (1682 bis 1719) an den Hof nach Dresden, um aus einfachen Metallen Gold zu machen, was nicht gelang.

Unter Aufsicht des Mathematikers und Physikers von Tschirnhaus und in Zusammenarbeit mit Freiberger Hüttenleuten gelingt es 1707 zunächst das rote „Jaspisporzellan“ herzustellen und am 15. Januar 1708 gelingt endlich das Brennen des
*Erstes weißes europäisches Porzellan.


Für dieses „Weiße Gold“ musste neben Feldspat und Quarz als der dritte Bestandteil nur noch ein weißes Kaolin entdeckt werden. Und das fand man, welch glücklicher Zufall, in unmittelbarer Nähe von Meißen.

Zwei Superlative kennzeichnen das Kaolin-Abbaugebiet der Manufaktur Meissen: Es gilt als

Kleinstes und ältestes Bergwerk aller derzeit noch in Betrieb stehenden Kaolingruben Europas.

Nur wenige Kilometer Luftlinie von der Porzellan-Manufaktur Meissen entfernt, liegt der Rohstoff für das «Weiße Gold» in seltener Reinheit in der Erde. Und
die

Lagerstätte in der Ortschaft Seilitz gilt als erdgeschichtlicher Glücksfall


Im Feuilleton „Glück auf, Seilitz!“ findet man nähere Hinweise und auch den Ursprung des Wortes „KAOLIN“ für die Porzellanerde. Wer kennt ihn?

Seit 1722 wurde das Meissner Porzellan mit den gekreuzten Schwertern als Teil des sächsischen Wappen, gekennzeichnet und ist bis heute die alleinige Bodenmarke der Porzellankennzeichnung in Meißen. Somit sind die

Gekreuzten Schwerter eines der ältesten, fortwährend verwendeten Markenzeichen.

Auf weitere Rekorde werde ich nachfolgend bei einigen Bemerkungen über das

Besucherzentrum der Manufaktur Meissen Erlebniswelt HAUS MEISSEN®

eingehen.
Wir besuchten es zur Mittagszeit am Dienstag, den 10. Oktober und fanden erstaunt einen fast leeren Parkplatz vor.
Ein ähnliches Bild sogar im Museum der Meissen Porzellan-Stiftung. Trotzdem mussten wir noch eine Stunde warten bis wir an einer Führung durch die Schauwerkstatt teilnehmen durften. Die Wartezeit lässt sich aber mühelos durch einen ersten Blick in die Shoppingräume (alles sündhaft teuer – auch als Weihnachtsgeschenk) und die „Erlebniswelt Haus MEISSEN®“ werfen.

Doch nach dem Verlassen des Eingangsbereiches wird der Blick magisch angezogen von der

Saxonia

Zum 25. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung setzte damit MEISSEN der Handwerkskunst in Sachsen ein Denkmal. Unter der Federführung des ehemaligen Chefplastiker Jörg Danielczyk entstand mit „Saxonia“ die größte freistehende Porzellanskulptur der Welt. Insgesamt 8.000 handgeformte „Schneeballblüten“ – ein historischer Dekor der Manufaktur aus dem Jahr 1739 – zieren das Kleid der „sächsischen Freiheitsstatue“, die mit 800 Kilogramm und 1,80 Metern Höhe eine Höchstleistung der Porzellangestaltung darstellt. Ihre Herstellung in Lebensgröße fordert Jörg Danielczyk und allen beteiligten Gewerken der Meissener Manufaktur handwerkliche Meisterschaft ab. Allein drei Wochen benötigt die Skulptur für den Brand.

Doch das ist nicht der einzige Weltrekord!
Zwischenzeitlich besuchten wir dann die Schauwerkstatt. Eigentlich hatte ich keine rechte Lust, denn wir hatten am 6. September erst die der Manufaktur Fürstenberg besucht. Doch Meissen ist eben Meissen. Hier ist alles handgemacht und es wird nicht aus ökonomischen Gründen mit „Abziehbildern“ gearbeitet!

In der Schauwerkstatt habe ich zwar über die Herstellung des Meissner Porzellans vier kurze Videos gedreht – so vom
  • Drehen und Formen einer Tasse durch einen Figurenkeramikformer,
  • Dem Zusammenfügen einzelner Figurenteile in der Bossiererei,
  • der Unterglasmalerei mit einem der weltberühmten Zwiebelmusters und
  • der Aufglasmalerei am Beispiel bunter Blumen
Doch ich verweise auf ein zusammenfassendes Video
Schauwerkstatt - Porzellan-Manufaktur Meissen
Hier gäbe es weitere Superlative zu erwähnen:
MEISSEN kann aus dem weltweit größten und ältesten Bestand an Gipsformen, historischen Modellen und Vorlagen schöpfen, die unter anderem zur Reproduktion für nahezu alle Formen genutzt werden können, die je in der Manufaktur geschaffen wurden.
Im Farblabor der Manufaktur werden beständig neue Farben entwickelt. So sollen hier mittlerweile 10.000 Farbrezepturen streng gehütet werden...


Über den Besuch der Schauhallen selbst fasse ich mich kurz. Man brauchte Tage um alle Exponate gebührend zu bestaunen.
Visuell besonders beeindruckend fand ich den Ehrentempel und die vielen Großplastiken.

Erwähnen möchte ich noch einen weiteren Rekord. Auf der oberen Etage erspähte ich fast versteckt in einer Ecke

Orgelpfeifen aus Meissner Porzellan

Vergeblich hatten in der Anfangszeit der Manufaktur Kändler und andere versucht Orgelpfeifen aus dem "weißen Gold" zu fertigen.
In den 1950er Jahren hatte der damalige Berufsanfänger und inzwischen verstorbenen Künstlerischen Leiter der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meissen, Ludwig Zepner auf dem Dachboden Bruchstücke jener Orgelpfeifen entdeckt, das Projekt wieder aufgegriffen und über Jahrzehnte verfolgt. Unter seiner Leitung gelang es der traditionsreichen Manufaktur zusammen mit der Firma Jehmlich Orgelbau Dresden im Jahr 2000, die erste Orgel mit stimmbaren Pfeifen aus Meissener Porzellan zu fertigen (Bild 49).
Nun soll auf seine Idee hinaus die Frauenkirche Meißen als weltweit erstes Gotteshaus neben seinem Glockenspiel aus Meißner Porzellan auch eine Porzellanorgel bekommen.
Immerhin wurde am Turm des Gotteshauses 1929 das weltweit erste stimmbare Glockenspiel aus Meissener Porzellan installiert.
Die neue Orgel solle überwiegend aus Spenden finanziert werden, betont Pfarrer Haubold.
Ich hoffe, dass ich das noch erlebe.
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3 Kommentare
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 26.11.2018 | 13:04  
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Wolfgang Erler aus Sandersdorf | 11.12.2018 | 18:26  
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 11.12.2018 | 18:35  
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