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Max Bryan - Odyssee einer Suche - Wie alles begann

Obdachloser Max Bryan - damals - in 2010 (Foto: Facebook / Max Bryan)
 
Max Bryan auf Wohnungssuche im Winter 2011 (Foto: Facebook / Max Bryan)
 
Eine Frau in Bad Nauheim nahm den damals noch Obdachlosen bei sich auf und veränderte sein Leben. (Foto: Facebook / Max Bryan)
 
"Ein Herz für Klaus" - Max Bryan hat seinen Kumpel Klaus über die Jahre nicht vergessen (Foto: Facebook / Max Bryan)
Viele Monate lang suchte der Blogger und ehemalige Obdachlose Max Bryan einen Ort zur Aufstellung eines Wohncontainers für seinen obdachlosen Kumpel Klaus, um den 61-Jährigen das Überwintern zu ermöglichen.

Doch die Suche nach einem geeigneten Stellplatz erwies sich als äußerst schwierig. Wie es überhaupt dazu kam, dass Max Bryan dem Obdachlosen Klaus Hilfe anbot, zeigt nun ein Bericht in der Huffington Post - wo Max Bryan auf inzwischen Jahre zurückblickt.


http://www.huffingtonpost.de/max-bryan/klaus-obdac...

An die erste Begegnung mit Klaus erinnert sich Max Bryan noch sehr genau. Es war Anfang 2010 - als die Beiden sich auf einer Rolltreppe trafen. "Haben wir die selben Wege?", fragte Klaus und Bryan drehte sich um zu dem Mann, mit den langen Dreads und so kamen die Beiden ins Gespräch.

Max Bryan war damals selbst noch obdachlos und kennt die Situation, wie es ist, keine Wohnung zu finden. 2010 lief er von Wohnungsbesichtigung zu Wohnungsbesichtigung, ohne Erfolg. Er hörte Sätze wie: “Wir rufen Sie an, wenn es für Sie geklappt hat” - doch ein Anruf kam nie und so lebte Max Bryan auf der Straße, wie tausende Andere in Deutschland auch.

"Viele Stellen sind bemüht zu helfen, doch wenn es konkret wird, finden sie viele Gründe, warum sie doch nicht helfen können", beschreibt Bryan seine Erlebnisse. Meist blieben dann nur die Notunterkünfte der Stadt und dort lebt man auf sehr engen Raum mit fremden Menschen zusammen und die Furcht vor Übergriffen sei groß. Es gäbe Schlägereien und auch "die Sachen werden geklaut".

Das war nichts für Max Bryan und so suchte auch er sich eine "Platte" - also einen Schlafplatz im Freien, wie die Obdachlosen das nennen. Erst schlief er im Hamburger Schanzenviertel, doch dann kamen die Maikrawalle und er wurde vertrieben, musste sich was Neues suchen. Bryan bekam dann einen Tipp, es im Hafen zu versuchen und fand dann schließlich jene Sitzbank, die lange Zeit sein Zuhause werden sollte.

Mit dem Fahrrad Richtung Süden

Nach 18 Monaten dann hatte Max Bryan die Nase voll. Auf einer Demo gegen den Hamburger "Mietenwahnsinn" sprach er zu 6000 Menschen und verließ die Stadt anschließend mit dem Fahrrad Richtung Süden. "Ich steige nicht eher aus dem Sattel, bis ich eine Wohnung habe", sagte er seinen Kumpels zum Abschied.

https://www.youtube.com/watch?v=7EqGx5TVHzo

Max Bryan fuhr 1000 Kilometer - 4 Monate - und lange Zeit war auch unterwegs niemand bereit, dem damals 36-Jährigen eine Chance zu geben. Bryan traf nette Menschen und nicht so nette Menschen. "Die Liebsten aber in Minden", wie er selbst sagt und wo er dann auch länger blieb, eine Wohnung war dennoch nicht dabei. "Wenn es für Sie geklappt hat, rufen wir Sie an" - hieß es auch dort und wieder ging Max Bryan leer aus.

Frau nahm ihn auf

Am Ende landete Max Bryan dort, wo er vor 20 Jahren weg ging - in seiner alten Heimat Bad Nauheim, wo er als junger Mensch im Reisebüro gelernt hatte. Seine Hoffnung war groß seinen alten Chef dort zu finden, doch das Reisebüro gab es nicht mehr. "Alles kaputt und nur noch eine Baustelle" - schreibt Max Bryan.

Max Bryan ließ sich dann am "Sprudel" nieder, einer historischen Brunnenanlage und der seines Erachtens einzige gute Schlafplatz der Stadt. Eine Frau sprach ihn an: "Bevor es Dir hier zu kalt wird, ich habe ein Gästezimmer, dort kannst Du Dich mal aufwärmen", sagte sie.

Es war das erste Mal - nach fast 2 Jahren - dass Max Bryan ein solches Angebot bekam und es veränderte sein Leben. Erst wohnte er drei Wochen bei dieser Frau, dann half sie ihm, eine Wohnung zu finden. Sie legte ein gutes Wort für ihn ein und er konnte auf einen wunderschönen Hof ziehen. Dort lebt er heute noch, arbeitet im Garten und betätigt sich als Chronist des riesigen Anwesens aus dem 16. Jahrhundert.

https://www.youtube.com/watch?v=cU2VtDHCr30&index=...

Von Zeit zu Zeit kehrt Max Bryan dann nach Hamburg zurück - wie auch jetzt - wo er Klaus hilft - denn er habe Klaus nie vergessen, schrieb er neulich im Blog. Die räumliche Trennung der Beiden änderte also nichts an den Bildern der Vergangenheit und so kam Max Bryan auf die Idee ein paar Spenden zu sammeln, damit Klaus wenigstens im Winter ein Dach über dem Kopf hat. Vielleicht auch ein Anfang zur Veränderung. "Meine Erfahrung zeigt ja, dass eine kleine Entscheidung - eine kleine Chance - ein ganzes Leben verändern kann" - weiß Bryan zu berichten. Deshalb appelliert er immer wieder auch an die Menschen Chancen zu vergeben: "Werdet Chancengeber! Für die Hoffnung auch der Anderen!", sagt er immer.

https://www.facebook.com/notes/max-bryan/chronik-2...

Klaus helfen

Im Juni letzten Jahres gründete Max Bryan dann die Bürgerinitiative - "Hilfe für Hamburger Obdachlose" - um etwas zurück zu geben - von dem - was er bekam. "Heute habe ich die Möglichkeiten dazu - habe ein große Facebook-Gemeinde, die ich fragen kann, ob Sie Klaus mit unterstützen mag" - erklärt Max Bryan.

Schnell kamen über 5000 Euro zusammen. Von dem Geld hat Max Bryan dem Klaus dann einen beheizten Wohncontainer organisiert, doch als es um die Aufstellung des Containers ging, wurde es schwierig. Trotz intensivster Suche nach einem Stellplatz erhielt Max Bryan nur Absagen. "Wir hatten zwar das Geld und den Container - aber wir bekamen keinen Stellplatz für den Container", heißt es in dem Bericht.

http://www.huffingtonpost.de/max-bryan/klaus-obdac...

So fragte Max Bryan zum Beispiel auch die Hamburg Messe - die allein schon über 10.000 Quadratmeter Freifläche besitzen, ob auf dem riesigen Gelände dort irgendwo 6 Quadratmeter Platz wären, um den Winter über einen Wohncontainer für einen Hamburger Obdachlosen aufzustellen, aber nix da - keine Chance! Die Flächen seien "zu stark frequentiert", gab es nur zur Antwort.

Selbes Dilemma am Hamburger Fischmarkt. Auch dort eine Riesen-Fläche, die den ganzen Winter leer steht. Als Absage bekam Max Bryan dann nur: "Wir können das nicht machen, weil mit Zusage ein Präzedenzfall geschaffen würde, auf den sich Andere berufen könnten". Will heißen, die Leute hatten Angst, dass auch Andere kommen könnten, die auf selbem Wege Obdachlosen helfen wollen. Offenbar ist das so nicht erwünscht.

250 Pastoren angeschrieben

Am meisten aber haben Max Bryan die Kirchen enttäuscht. 250 Pastoren hat er angeschrieben. Nur etwa 50 meldeten sich zurück. Entweder hatten sie keinen Platz oder bekamen keine Baugenehmigung von der Stadt. Andere wiederum hatten seltsame Ausreden, zum Beispiel, dass es aus technischen Gründen nicht klappen würde.

Auch Hamburgs Hauptpastor Alexander Röder war darunter. Max Bryan und er kennen sich schon länger und auch Röder hat am Ende schwer enttäuscht. Erst lud er Max Bryan ein - dann sagte er ab, weil ein 16-köpfiges Gremium sich angeblich dagegen entschieden hätte. Am Ende stellte ich heraus, dass auch er selbst nicht wollte und das obwohl er zuvor noch groß in die Kamera tönte, wie wichtig es sei den Obdachlosen zu helfen.

Hier Röders Video: https://www.youtube.com/watch?v=thsPzvBWt28

Zitat daraus: "den Willen zu entwickeln - diese Menschen von der Straße zu bekommen - und ein Obdach wenigstens für die Nacht anzubieten - finde ich - ist etwas - was wir aus unserer christlichen Verantwortung heraus unterstützen müssen" - sagt der selbe Mann - dessen Gremium sich am Ende gegen die Unterbringung von Klaus auf dem freien Platz bei St. Michaelis entschieden hat. "Ein trauriges Beispiel für Scheinheiligkeit und Heuchelei der Kirchen" - sagt Bryan.

https://www.youtube.com/watch?v=cU2VtDHCr30&index=...

"Wir sind zu klein"

Unrühmlich auch die Absage einer freikirchliche Christusgemeinde aus Hamburg Bramfeld. Dortiger Kirchenvorsteher Sven Godau hielt es wochenlang nicht mal für nötig zurück zu rufen.

Als Bryan ihn dann nach unzähligen Anrufversuchen doch noch an die Strippe bekam, sagte der Pastor nur: "Ich antworte nicht Jedem" - und fügte hinzu, dass Max Bryan seine Initiative "zu klein" sei und er nur mit großen Organisationen wie der Diakonie zusammen arbeite.

Platz wäre also gewesen - aber in dem Fall scheiterte es an der "Größe der Initiative" - man war dem Pastor schlicht "zu klein" für das Vorhaben. "Das war schon hart - so etwas zu hören. Nach all den Mühen, die offenbar nicht gut genug sind für so manchen Kirchenvorsteher" - resümierte Bryan.

https://www.facebook.com/notes/max-bryan/der-lange...

Unzählige Versuche - 1000 Seiten Protokoll

Ein Hamburger Radiosender brachte es dann schließlich auf den Punkt: "755 Quadrat-Kilometer groß ist unser hübsches Hamburg - genug Platz gäbe es also" - aber keine 6x2 Quadratmeter für einen Obdachlosen-Container, die waren dann einfach nicht drin.

"Das war schon frustrierend, all die Absagen zu hören und zu lesen". Fast 1000 Seiten lang ist Bryan´s Schriftverkehr mit all den Kontakten aus 4 Monaten Stellplatzsuche. "Ein trauriges Beispiel, dass so gar niemand helfen wollte" - bis zu jenem Tag - als Hamburg Wasser sich bereit erklärte, den Container bei sich aufzustellen.

https://www.youtube.com/watch?v=cawLomDRg78&list=U...

Durchbruch mit "Hamburg Wasser"

E-Mail Nummer 674 brachte dann den lang ersehnten Erfolg. Die in Hamburg sehr beliebte Szene-Bar "Strand Pauli" empfahl den Großkonzern "Hamburg Wasser" - ein Trinkwasser-Unternehmen, die einen Parkplatz vor Strand Pauli gemietet hatten "und tatsächlich, schon beim 1. Treffen war Max Bryan klar, dass die das machen würden. Nur der Grundstückseigentümer müsse noch zustimmen - "was gar nicht so leicht war", berichtet Bryan. Aber auch das wurde geschafft und überwunden.

https://www.facebook.com/notes/max-bryan/geschafft...

Niemals aufgeben

Inzwischen steht der Container und ist auch am Strom angeschlossen. Ein Dixi-Klo wurde auch aufgestellt.



Seit Ende Februar kann Klaus drin wohnen und wieder einmal lässt sich erkennen, dass es sich durchaus lohnt für sein Glück zu kämpfen. "Hätte ich nicht darum gekämpft, wäre es nie dazu gekommen und manchmal kann es helfen auch zwei oder drei Briefe mehr zu schreiben", schreibt Bryan in sein Tagebuch.

https://www.youtube.com/watch?v=cawLomDRg78&list=U...

Man solle also "bloß nicht aufgeben, wenn die erste Absage kommt", denn meistens säßen im selben Haus "noch andere Personen", die vielleicht mehr Verständnis für das Anliegen entwickeln. Max Bryan hat es selbst ja erlebt - dass ein zweites und drittes Nachfragen durchaus Sinn machen kann, sofern es gute Gründe dafür gibt und die gab es. "Einen Obdachlosen unterzubringen ist immer eine gute Sache!" - so Bryan im Interview danach.

Mut machen

Schon bald sammelt Max Bryan wieder Spenden. Denn aus “Ein Herz für Klaus” soll “Ein Haus für Klaus” werden. Klaus soll nach Ende der Container-Miete etwas Eigenes bekommen, das er nie wieder verliert, was ihm für immer auch gehört. Was genau das sein wird - dazu später mehr.

https://www.youtube.com/watch?v=UVrGkiy-esI&list=U...

Für den Moment freut sich Max Bryan über das Erreichte und auch das Symbol darin. Denn würde Jeder, der kann, auch nur einen einzigen Wohncontainer bei sich aufstellen, gäbe es viel weniger Obdachlose auf den Straßen dieser Stadt und dieses Landes. "Ein Ziel, für das es sich weiterhin zu kämpfen lohnt". (Max Bryan am 15. März in der Huffington Post).

Fotos: Facebook / Max Bryan

www.maxbryandiary.com
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Luise Naujocks-Schoolmann aus Marienhafe | 04.04.2017 | 23:31  
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