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Mit Zugabe zur weißen Weste

Nach dem Sieg gut gelaunt schrieben die Marburgerinnen fleißig Autogramme.
Marburg: Georg-Gaßmann-Halle | Planet-Photo-DBBL: BC Pharmaserv Marburg – SV Halle Lions 86:77 n.V.

Die Hinrunde in der Basketball-Bundesliga ist vorbei und Marburg steht mit sieben Siegen aus elf Spielen „viel besser da, als wir gedacht hätten“, sagt BC-Trainer Patrick Unger. Und die Weste für die Heimspiele bleibt weiß. Für den sechsten Heimsieg im sechsten Spiel brauchte das Pharmaserv-Team allerdings die Verlängerung. Der Abstand von neun Zählern am Ende täuscht über die Dramatik bis in die Schlusssekunden hinweg.

Die BC-Mannschaft spielte auch für Mali Sola, die durch einen Kreuzbandriss für den Rest der Runde ausfällt. Auf den Aufwärm-Shirts der Marburgerinnen prangten auf der Rückseite der Name „SOLA“ und ihre Nummer „5“.

Das erste Viertel ging – nach starken letzten drei Minuten – mit 21:16 an die Gastgeberinnen. Der zweite Abschnitt gehörte klar den Lions aus Halle: Das 23:10 bedeutete eine 39:31-Halbzeitführung für die Gäste. Nach dem schlimmstmöglichen Start aus Marburger Sicht, einem Vier-Punkte-Spiel (Dreier plus Freiwurf) für den Gegner, legten die Lahnstädterinnen neun Zähler in Folge in die Reuse. Bis auf einen Punkt kamen sie heran, ehe der SVH bis zum Ende des Durchgangs wieder ein kleines Polster herausholte (57:51).

Mit einem erneuten 9:0-Lauf zogen die Hessinen nun vorbei. Es blieb spannend: Anderthalb Minuten vor Ende der 40 Minuten lag Halle nach drei verwandelten Freiwürfen wieder vorn (65:64). Von sechs Marburger Freiwürfen in der letzten Minute saßen nur vier, so dass die Gäste bei 15 Sekunden auf der Uhr und einem 65:68-Rückstand noch eine kleine Chance hatten. Die nutzte in letzter Sekunde Janee Thompson – vorher 4 von 10 aus dem Feld – mit einem Dreier zum Ausgleich.

Die Zugabe verlief bis in die letzte Minute hinein spannend. Beim Stand von 77:75 fasste sich Paige Bradley – vorher 0 von 3 – ein Herz und versenkte mit Ablauf der 24-Sekunden-Sirene einen Dreier. Die BC-Verteidigung stand und sechs der acht erzwungenen Freiwürfe fielen.


Patrick Unger (Trainer Marburg):
„In der ersten Halbzeit haben wir unseren Rhythmus nicht gefunden und nicht getroffen. Teilweise haben wir zwar unseren Game-Plan umgesetzt, waren aber im Angriff nicht bis zur letzten Sekunden konzentriert genug. Halle hat gut gespielt. René Spandauw hat seine Mannschaft wie immer gegen uns gut eingestellt. In der zweiten Halbzeit war unsere Defense viel besser. Halles Dreier in letzter Sekunde nehme ich auf meine Kappe. Das hätte ich nicht so weit kommen lassen dürfen. Aber wir haben hinten raus noch Luft gehabt und Charakter gezeigt. Ich hab der Mannschaft gesagt: ,Macht so weiter, glaubt an euch werft weiter.ʻ Bestes Beispiel ist Paige Bradley, die einen wichtigen Dreier reinmacht. Diana Voynova ist eine Kämpferin, die sich nicht von ihrem Nasenbeinbruch beeinflussen lässt. Sie hat heute unheimlich stark unter dem Korb gearbeitet. Svenja Greunke hat am Freitag nach zwei Wochen zum ersten Mal wieder trainiert und war deshalb relativ frisch. Ein großer Dank gilt der medizinischen Abteilung der Nationalmannschaft, denn ohne deren Behandlung der Muskelentzündung hatte Svenja heute nicht spielen können.“

Diana Voynova (Spielerin Marburg):
„In der ersten Halbzeit hat bei uns die Intensität gefehlt. Das haben wir dann geändert und da konnte Halle nicht gegenhalten. Ich bin stolz auf die Mädels, wie sie sich zurückgekämpft haben. Von dem Ausgleich in letzter Sekunde haben wir uns nicht beeinflussen lassen, sonst hätten wir nicht gewonnen. Halle hat viele gute Würfe herausgespielt und getroffen. Wir haben unter dem Korb die Missmatches genutzt. Dabei hat uns geholfen, dass Halle am Ende Foul-Trouble hatte. Ich bin freue mich riesig, dass wir die Hinrunde mit einem Sieg beendet haben.“

René Spandauw (Trainer Halle):
„Ich fand, dass wir besser waren. Wir haben taktisch alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten und Marburg unter Druck gesetzt. Das Spiel haben wir im Rebound verloren. Als Kaneisha Horn in der 40. Minute mit fünf Fouls rausmusste, war bei uns die Power weg. Marburg hatte Glück, dass Greunke spielen konnte, wir Pech, dass das bei Hammond nicht der Fall war. Das hat unter dem Korb viel ausgemacht. Es ist frustrierend, wenn man sich die ganze Woche vorbereitet und dann mit leeren Händen nach Hause fährt. Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Man sieht, was sie kann. Wenn wir immer so spielen, werden wir zwar nicht jedes Spiel gewinnen, aber in jedem Spiel eine Chance haben.“

Laura Hebecker (Spielerin Halle):
„In der Verlängerung haben wir ein paar hektische Entscheidungen in der Offense getroffen. Marburg stand gut in der Defense, hat die Bälle abgefangen und leichte Punkte gemacht. Entscheidend war auch deren Überlegenheit im Offensivrebound.“



Fun Facts: Zwei angeschlagene Marburgerinnen, Svenja Greunke (27) und Diana Voynova (19), erzielen persönliche Punkterekorde für Marburg. – Marburg bleibt in der Hinrunde in eigener Halle ungeschlagen (6-0, wie auch 1997/98. 2010/11: 5-0, 2002/03: 4-0). – Marburg gewinnt erstmals das erste und das letzte Heimspiel des Jahres gegen den selben Gegner (1997 und 2001 ging in dieser möglichen Konstellation das jeweils letzte Spiel verloren). – Mit Verlängerung... gegen Halle 3-0... vierter Heimsieg in Folge... höchste erzielte Punktzahl seit 24.10.2001 (107:109-Heimniederlage gegen Freiburg)... höchste erzielte Punktzahl in der Verlängerung seit 30.11.1996 (18:9 – extakt gleiches Ergebnis – 93:84-Sieg bei CB Berlin, damals startete Marburg noch als VfL und es wurden noch nicht 4 x 10, sondern 2 x 20 Minuten gespielt).

Fail Facts: 0,1 Sekunden vor Schluss mit einem Dreier den Ausgleich zugelassen. – -13 (10:23, 2. Viertel) egalisiert die höchste Differenz in einem verlorenen Viertel diese Saison (13:26 in Hannover, ebenfalls das 2. Viertel).


Statistik
Viertel: 21:16, 10:23, 20:18, 17:11 + 18:9.
Marburg: Baker 9 Punkte (7 Assists), K.Barra (n.e.), Bradley 3/1 Dreier, Greunke 27/1 (8 Rebounds, 3 Blocks), Köppl 3, Schaake 2, Voynova 19 (7 Reb.), Wilke 4, Yohn 19/4. Feldwurfquote 38 Prozent (25/65), Freiwq. 86 (30/35), Reb. 42 (def. 27), Turnovers 12, Ass. 13, Steals 3, Bl. 5, Fouls 18.
Halle: Büschel (n.e.), Engeln 8, Hanzalek (n.e.), Hartmann 2, Hebecker 16/3, Henningsen 14/3, Horn 9 (13 Reb.), Pohlmann 13/1, Rouault, J.Schinkel (n.e.), L.Schinkel, Thompson 15/1 (7 Ass., 3 St.). Feldwq. 38 (23/63), Freiwq. 88 (23/26), Reb. 31 (d. 21), TO 14, Ass. 10, St. 6, Bl. 2, F. 28.
Schiedsrichter: Holger Lohmüller, Paulina Sobieszuk. Zuschauer: 450.
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