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Wir müssen leider draußen bleiben- Ende der Netzwerke zur Integration von Flüchtlingen

 

Marburg. Sie flüchten vor Diskriminierung, Unterdrückung, politischer Verfolgung. Ihr Weg in ein besseres menschenwürdigeres Leben ist schwierig. Wenn Flüchtlinge beschließen, in Deutschland Asyl zu beantragen, hören diese Schwierigkeiten jedoch nicht auf. Residenzpflicht, Arbeitsverbote, unsicherer Aufenthalt, jahrelange Rechtsunsicherheit sind nur wenige der Hürden, die sich ihnen stellen. Hier braucht es viele besondere Hilfen, um den Weg in den Arbeitsmarkt zu finden.



Bundesweit haben über 11000 Flüchtlinge die Chance bekommen, durch die Beratungen der regionalen Netzwerke „zur arbeitsmarktlichen Förderung von Bleibeberechtigten und Flüchtlingen“ eine Chance auf Arbeit und Ausbildung und damit wichtige Schritte für die Integration in Deutschland bekommen. Von den Personen mit Vermittlungsaktivitäten fanden ca. 50 % eine Arbeits- oder Ausbildungsstelle. „Diese sehr gute Quote zeigt, wie motiviert viele Flüchtlinge sind endlich wieder ihren Lebensunterhalt zu verdienen“, stellt Christian Hendrichs (Koordinator des Netzwerkes BLEIB in Hessen) fest. Über 90% der Männer und Frauen sind zwischen 18-49 Jahren und damit ebenfalls als zukünftige Arbeitskräfte denkbar. Dass die Flüchtlinge einen positiven Beitrag zur Gesellschaft leisten können, wenn man sie lässt, beweisen auch die Zahlen der Schulbildung: Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden des ESF-Bleiberechtsnetzwerkes hat neun Jahre und mehr die Schule besucht. 13% haben sogar ein Studium begonnen. Der Großteil von ihnen, in den für Deutschland so interessanten Ingenieurs-, Wirtschafts- und Erziehungswissenschaften. 20% von Ihnen haben eine Berufsausbildung und fast die Hälfte zudem noch Berufserfahrung.

Flüchtlingsarbeit in Hessen

BLEIB in Hessen hat in den letzten Jahren 762 Geflüchtete beraten und bei der Arbeitsaufnahme unterstützt. Eine von ihnen ist Frau S. Frau S. kam mit 16 als Flüchtling ohne Eltern nach Deutschland. Nachdem sie in drei Jahren ihr Fachabitur absolviert hat, ist sie heute Filialleiterin eines Bekleidungsgeschäftes. Ein anderer ist Herr R. Herr R, kam aus Indien und lernte innerhalb weniger Monate deutsch. So gut, dass er die Realschule als Jahrgangsbester abschloss. Bis heute pendelt er zwischen Bonn, wo er eine Ausbildung zum Bürokaufmann absolviert und seiner Heimatstadt Wetzlar. Diese Strecke muss er täglich bewältigen, da ihm die Ausländerbehörde in Bonn einen Umzug nicht bewilligte.

Trotz dieser erfolgreichen Arbeit, hat das BMAS nun vor, diese Projektlinie in der neuen ESF-Förderperiode nicht mehr zu bedienen und damit alle 28 Bleiberechtsnetzwerke zu beenden. Mit dieser Nichtverlängerung des BLEIB-Projektes wird ganz klar, wer in den Augen der Bundesregierung die guten und wer die schlechten Migranten sind. Die guten, die alle haben wollen, sind die Studierten und die Hochqualifizierten. Für die gibt es extra Visaprogramme (Green Card, Blue Card). Die schlechten sind die Geflüchteten. Dass diese auch Qualifikationen haben, auf diese Idee kommt die Bundesregierung trotz besseren Wissens nicht.

BLEIB in Hessen war ein vom ESF und BMAS gefördertes Netzwerk zur Integration von Flüchtlingen und Bleibeberechtigten. Der Mittelhessische Bildungsverband e.V. koordiniert eines der Projekte in Hessen. Es gab in der Bundesrepublik 28 Netzwerke, davon zwei in Hessen.

Weitere Informationen finden Sie unter www.bleibin.de
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Weiterveröffentlichungen:

Oberhessische Presse | Erschienen am 16.03.2013
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