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Festveranstaltung: Ein Jahr Pulse of Europe Marburg, im Historischen Rathaussaal

Vor dem mit den Flaggen der EU-Mitglieder geschmückten Rathaus setzten Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (rechts) und alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Veranstaltung ein Zeichen für die europäische Einigung. (Foto: (Foto: Stadt Marburg, i. A. Heiko Krause))
 
Peter Reckling begrüßt die Gäste
 
OB Dr. Spies hält die Eröffnungsrede
 
Dr. Siegfried Schröer zitiert aus verschiedenen Werken
 
Stefan Enders hält einen sehr interessanten Vortrag
Nach der Begrüßung durch Peter Reckling (Städte-Koordinator von PoE Marburg) hielt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies die Eröffnungsrede.

Festveranstaltung zu Europawoche im Marburger Rathaus
OB Spies wirbt für Zusammenhalt in Europa: „Das ist der einzig richtige Weg“
Marburg. Rund um den Europatag am 9. Mai findet in Deutschland zwischen dem 2. und 15. Mai die Europawoche statt. Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies hat in Kooperation mit der Europa-Bewegung „Pulse of Europe“ zu einer Festveranstaltung in den Historischen Saal des Rathauses eingeladen, bei der der Fotograf Stefan Enders Bilder präsentierte, die bei einer siebenmonatigen Rundreise an den Außengrenzen der Europäischen Union entstanden sind.

„Der Zusammenhalt in Europa ist der einzig richtige Weg“, betonte Oberbürgermeister Spies. Von China aus gesehen sei Luxemburg klein, Deutschland aber auch. „Deshalb ist ein gemeinsames Europa wichtig in einer Welt, in der jeder alleine zur Bedeutungslosigkeit verdammt wäre“. In Zeiten des Brexit und des Erstarkens rechtspopulistischer Parteien sei diese zentrale Bedeutung Europas für Frieden und Wohlstand der Bürgerinnen und Bürger aber nicht mehr selbstverständlich. Es sei daher wichtig, dass Menschen die europäische Idee weiter verteidigten. Deshalb sei er der Bewegung „Pulse of Europe“ auch sehr dankbar für ihr Engagement. „Wir wollen gemeinsam mit den engagierten Marburgerinnen und Marburgern ein Zeichen für Europa setzen, Stereotype abbauen und geeint nach vorne blicken“, so das Stadtoberhaupt.

Peter Reckling, Städtekoordinator für Marburg bei „Pulse of Europe“, stellte die Aktivitäten der Europa-Bewegung in der Universitätsstadt seit April 2017 vor. Unter dem Motto „Lasst uns lauter und sichtbarer werden“ hatten bei einer ersten Kundgebung, zu der die Initiative auf den Marburger Marktplatz aufrief, bereits rund 300 Marburgerinnen und Marburger demonstriert, erinnerte Reckling. „Wir haben ein großes Ziel: So viele Menschen wie möglich in Europa zu versammeln, die für Europa einstehen und so dazu beitragen, dass nach den Wahlen pro-europäische Kräfte mehrheitsfähig regieren können“. Mehrere Veranstaltungen hat „Pulse of Europe“ Marburg inzwischen organisiert. „Und auch wenn wir eine konstante Gruppe in Marburg sind, so freuen wir uns über den Zuspruch weiterer Aktiver und Mitstreiter. Lasst uns den Pulsschlag für Europa weitertragen“, schloss er.

In der Festveranstaltung berichtete der Fotograf Stefan Enders von seinem Projekt, in dem er seit März 2015 15 Länder besuchte, um unter dem Motto „Weit weg von Brüssel“ an der etwa 31.000 Kilometer langen Außengrenze der EU Menschen zu porträtieren. „Es war mir wichtig, das zu zeigen, was nicht so bekannt ist“, so der Fotograf. Die 150 Schwarz-Weiß-Fotografien erzählen etwa 200 Lebensgeschichten. Einige stellte der Fotograf in Marburg vor.

Von Dr. Siegfried Schröer vorgetragene Gedichte und Zitate bedeutender Europäer umrahmten die Veranstaltung. Zudem wurden einige Lieder gemeinsam gesungen, so auch die Europahymne, Beethovens „Freude schöner Götterfunken“.

Dr. Siegfried Schröer zitierte aus Erinnerungen eines Europäers von Stefan Zweig und las ein Zitat von Winston Churchill.

Alle Anwesenden sangen gemeinsam das Eurovisions-Lied.

Peter Reckling
referierte über:
Pulse of Europe Marburg seit 1 Jahr – wir sind stolz auf das Engagement der Marburger Bürger.

Gegründet im April 2017 mit einer Gruppe von 6 Personen. Der Impuls bestand schon mindestens seit Ende 2016 etwas gegen die schlechte Stimmung nach dem Brexit und der Wahl von Donald Trump in den USA zu unternehmen. Da kam die Meldung Anfang 2017 wie gerufen, dass sich in Frankfurt eine pro-europäische Initiative gebildet hat, die sich für etwas einsetzt und nicht alles schlecht macht.

So saßen wir Anfang April 2017 in kleiner Gruppe im Bekanntenkreis am Küchentisch, freuen uns über die Frankfurter Pulse of Europe -Initiative, die wir auch in Marburg aufgreifen wollten. Da es scheinbar keine anderen Aktiven in Marburg gibt, wurden wir aktiv. Unerfahren in der Organisation von politischen Aktivitäten meldeten wir die 1.Kundgebung für den 23.04. an, organisierten eine Lautsprecheranlage und wandten uns an die örtliche Presse. Diese brachte auch gleich einen größeren Bericht und zitierte unsere Motive:
- An der rasanten Radikalisierung des politischen Lebens wirkt vieles bedrohlich. Nach Brexitvotum und Trump können wir aber nicht in Schockstarre verharren. Denn im Jahr 2017 finden entscheidende Wahlen in mehreren europäischen Ländern statt.

- Wir, die Initiatoren des Pulse of Europe, wollen einen Beitrag dazu leisten, dass es auch danach noch ein vereintes, demokratisches Europa gibt – ein Europa, in dem die Achtung der Menschwürde, die Rechtsstaatlichkeit, freiheitliches Denken und Handeln, Toleranz und Respekt selbstverständliche Grundlage des Gemeinwesens sind!

- Wir sind überzeugt, dass die Mehrzahl der Menschen an die Grundidee der Europäischen Union und ihre Reformierbarkeit und Weiterentwicklung glaubt und sie nicht nationalistischen Tendenzen opfern möchte. Es geht um nichts Geringeres als die Bewahrung eines Bündnisses zur Sicherung des Friedens und zur Gewährleistung von individueller Freiheit, Gerechtigkeit und Rechtssicherheit.

- Deshalb: Lasst uns lauter und sichtbarer werden! Wir alle müssen jetzt positive Energie aussenden, die den aktuellen Tendenzen entgegenwirkt. Der europäische Pulsschlag soll allenthalben wieder spürbar werden!

- Jede und jeder ist für das Scheitern oder das Gelingen unserer Zukunft verantwortlich, niemand kann sich herausreden. Zu hoffen, alles werde schon gutgehen, ist zu wenig und brandgefährlich.

- Wir haben ein großes Ziel: So viele Menschen wie möglich in Europa zu versammeln, die für Europa einstehen und so dazu beitragen, dass nach den Wahlen pro-europäische Kräfte mehrheitsfähig regieren können. So können wir über viele Orte eine Menschenkette durch Europa bilden, die die Länder miteinander verbindet.
Zur ersten Kundgebung kamen schließlich 250 Menschen. Wir verlasen die 10 Thesen, die auch heute noch Ihre Gültigkeit haben und die Grundlage für die PoE-Aktivitäten an allen Standorten darstellen.

1. Europa darf nicht scheitern
2. Der Frieden steht auf dem Spiel
3. Wir sind verantwortlich
4. Aufstehen und wählen gehen
5. Grundrechte und Rechtsstaatlichkeit sind unantastbar
6. Die europäischen Grundfreiheiten sind nicht verhandelbar
7. Reformen sind notwendig
8. Misstrauen ernst nehmen
9. Vielfalt und Gemeinsames
10.      Alle können mitmachen – und sollen es auch

Politische Ereignisse von europäischer Bedeutung waren im vergangenen Jahr die Wahlen in den Niederlanden, in Frankreich und schließlich die deutschen Bundestagswahlen.
Wir sammelten alsbald bei den Kundgebungsteilnehmenden ihre Visionen und Forderungen zur Weiterentwicklung der Europäischen Union ein. Uns war von Anfang an klar, dass wir nicht nur Befürworter der EU sein, sondern auch durchaus kritisch Reformen einfordern wollen.

1. FÜR EIN SOZIALES EUROPA
2. FÜR INTEGRATION UND TOLERANZ, WENIGER LOBBYISMUS
3. FÜR EINHEIT IN VIELFALT
4. FÜR VEREINIGTE STAATEN VON EUROPA, EINE STIMME, GGF. EIN PRÄSIDENT
5. FÜR RECHTSSTAATLICHKEIT
6. FÜR EINE gerechte EUROPÄISCHE STEUERPOLITIK

Begonnen mit Diskussionsveranstaltungen: zur Bundestagswahl kamen alle Parteivertreter der großen Parteien und 100 interessierte diskutierten mit diesen an Thementischen über die von der Marburger Bewegung gesammelten Visionen und Forderungen.
Weitere Veranstaltungen – vornehmlich im Lomonossow-Keller am Marktplatz – waren zu den Themen „notwendige Reform der EU“, „Italien-Wahl“ und „Europas Gesundheitspolitik in Afrika“.

Es stehen jetzt an
- Die aktuelle Europa-Woche mit dieser Festveranstaltung, mit Kundgebung und Informationstisch (einschl. Transparent am Rathaus mit allen 28 EU-Flaggen bis morgen)
- Eine bundesweite Veranstaltung in der Paulskirche mit Bürgerfest auf dem Römer.

Wir werden mit einer Delegation von 25 Mitstreitern nach Frankfurt fahren und dort auch unser Großtransparent zeigen, und einem musikalischen Beitrag und
- im kommenden Jahr die Europa-Wahlen!

Europa den Bürgern näher bringen durch Beteiligung und Diskussion wichtiger Entscheidungen.
An einigen Standorten der Pulse-of-Europe-Bewegung wird über Formen der Bürgerbeteiligung bei der Weiterentwicklung der Europäischen Union nachgedacht. Bei unseren Kundgebungen in Marburg im vergangenen Jahr haben Bürgerinnen und Bürger immer wieder ihre Visionen und Forderungen zur Weiterentwicklung der Europäischen Union vorgetragen.
Die Pulse of Europe Bewegung, die in Hunderten Städten aktiv ist, hat bei ihrem Netzwerktreffen 2017 in Luxemburg beschlossen, an „wirkungsvollen Bürgerbeteiligungsmodellen“ zu arbeiten. Wir wollen neue Dialogformen zwischen Politik und Bürgern auf europäischer Ebene fördern und die breit gestreute Bewegung dazu nutzen, dies möglichst gleich auch selbst auszuprobieren.
Dort soll auch der Startschuss gegeben werden für die „Hausparlamente“, wie der Arbeitstitel heißt, damit soll versucht werden die Europa-Politik in die Wohnzimmer zu bringen.
An folgendes Verfahren ist dabei gedacht: Das Europaparlament könnte Bürger beauftragen, zu aktuellen, umstrittenen Gesetzgebungsverfahren ein Votum abzugeben. Die Gastgeber der Hausparlamente laden fünf bis acht Bekannte zu sich nach Hause ein. Sie erhalten vorher Arbeitsunterlagen, die sie zusammen durcharbeiten und bewerten. Die Ergebnisse der Hausparlamente werden anschließend zusammengeführt und Europa-Parlamentariern zur Verfügung gestellt. Diese dürfen die Bürgerempfehlung nicht ignorieren, sondern müssen zumindest Stellung nehmen, warum sie welche Entscheidung getroffen haben.
Dadurch könne im Idealfall ein permanenter Dialog zwischen Bürgern und Euro-Parlamentariern entstehen. Diese „Sofa-Parlamente“ könnten die Kluft zwischen Bürgern und Brüssel beziehungsweise Straßburg deutlich schließen. Natürlich sei vielen Menschen bewusst, dass ihre Empfehlungen nicht unbedingt eins zu eins übernommen würden. Mindestens genauso wichtig ist aber das Gefühl, gehört zu werden und Antwort zu bekommen.

Auch wenn wir eine konstante Gruppe in Marburg sind, so freuen wir uns über den Zuspruch weiterer Aktiver und Mitstreiter. Lasst uns den Pulse(schlag) für Europa weitertragen!

Dr. Siegfried Schröer zitierte das Gedicht Europa der Freiheit

Stefan Enders hielt den Vortrag: Weit weg von Brüssel

Stefan Enders hat sich aufgemacht, sein ganz persönliches Europa zu entdecken. Und er hat Antworten bekommen wie diese von Charles Harkins: »Ob ich mich als Europäer fühle? Keine Ahnung – ich bin Schotte.«
Niemand ahnte, welche Aktualität dieses Projekt bekommen würde, als Stefan Enders im
März 2015 zu seiner Reise aufbrach. Als Fotograf wollte er etwas über die Menschen in der Europäischen Union erzählen. Und zwar nicht dort, wo man alles schon kennt, in den Zentren, sondern in den Rand- und Grenzregionen.
Seine siebenmonatige Reise führte ihn 31.000 km entlang der gesamten Außengrenzen – von Schottland über Portugals bis zum äußersten Nordosten Skandinaviens. Einmal »rund um die Europäische Union«. Mehr als 200 Menschen hat Enders dabei porträtiert.
In seinen intensiven SW-Bildern zollt er allen den gleichen Respekt: dem Fabrikdirektor genauso wie dem Gewerkschaftsboss, der Arbeiterin, den Arbeitslosen bis hin zu den in Europa gestrandeten Flüchtlingen. Seine Farbaufnahmen betten das Projekt in die aktuelle historische Situation Europas ein. Herausgekommen ist eine Hommage an die Menschen dieses Europas, eine poetisch-kritische Auseinandersetzung voll Sympathie und Strahlkraft.
»Weit weg von Brüssel bringt mit seinen Bildern, begleitet von faszinierenden und oft berührenden Geschichten, verschiedenste Menschen und Lebenswirklichkeiten aus den Grenzgebieten ins Zentrum der EU.
Den Stimmen aus den entferntesten Städten und Regionen in Brüssel Gehör verschaffen,
das ist auch der Auftrag des Europäischen Ausschusses der Regionen.
Aus diesem Grund bin ich sehr stolz, dass der Europäische Ausschuss der Regionen die
Schirmherrschaft für dieses ganz besondere und besonders europäische Projekt übernommenhat.«
Karl-Heinz Lambertz, Präsident des Europäischen
Ausschusses der Regionen

Stefan Enders studierte an der Kunstakademie Düsseldorf Malerei, bevor er sich der Fotografie zuwandte. Ihn faszinierte die unausweichliche Nähe zur Realität, die er als Fotograf eingehen musste. Über 20 Jahre lang arbeitete er für internationale Magazine vor allem für stern, Der Spiegel, Focus, GEO und Merian.
Seine Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet. Im Jahre 2005 wurde er von der Hochschule Mainz zum Professor für Fotografie berufen. Stefan Enders lebt in Köln und Mainz.

Zum Abschluss wurde von allen Anwesenden die Europa-Hymne gesungen.

Aus lichttechnischen Gründen wurde ein Gruppenfoto vor dem Rathaus noch vor der Veranstaltung gemacht.

https://youtu.be/JROfcImRwzA

https://youtu.be/a_jY6q7l89c

https://youtu.be/ZLC35y_fhPE

https://youtu.be/di4gPDKjmC4
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