Es ist ein Kreuz mit dem Kraut: Jakobskreuzkraut

Foto: Christian Fischer/wikipedia

Nachdem unsere Weidegemeinschaft gestern Jakobskreuzkraut auf der Koppel gefunden hat, nutze ich dieses Ereignis um auf diese höchst gefährliche Pflanze aufmerksam zu machen, die sich im Landkreis Marburg-Biedenkopf ausbreitet.
Jakobskreuzkraut (JKK) oder Jakobs-Greiskraut gehört zu den Korbblütlern. Mit den gelben Blüten und einer Höhe zwischen 30 und 120cm sieht es auf einer Wiese eigentlich ganz harmlos, ja sogar hübsch aus. Aber JKK hat es in sich! Alle Teile der Pflanze, auch die Wurzeln, enthalten Pyrrolizidinalkaloide, die zu irreversiblen und nicht behandelbaren Leberschäden führt. Die älteren Pflanzen werden in der Regel von Weidetieren gemieden, da sie starke Bitterstoffe enthalten. Die jungen Rosetten enthalten diese Stoffe noch nicht, allerdings das Gift.
Auch getrocknet verliert die Pflanze nicht an Giftigkeit. Das macht sie besonders im Heu gefährlich, wo man als Halter die Triebe nicht erkennt. Ausserdem verlieren die Pflanzen durch die Trocknung die Bitterstoffe, so dass die Tiere sie im Futter nicht bemerken- dafür erhöht sich die Konzentration der Giftstoffe. Wiesen, auf denen JKK gefunden wurde dürfen daher auf keinen Fall zur Heuernte verwendet werden.
Von den Weidetieren reagieren besonders Pferde empfindlich auf JKK. 40 Gramm der Pflanze pro Kilo Pferdegewicht führen bereits unweigerlich zum Tod. Bei einem Gewicht um die 500 kg bei einem Großpferd klingt das noch nicht bedenklich, allerdings wiegt ein einzelner Trieb des JKK im Schnitt bereits 70 Gramm. Ausserdem muss die tödliche Menge nicht auf einmal gefressen werden, da sich eine schleichende Vergiftung einstellt und den Stoffwechsel der Leber langsam, aber unaufhörlich schädigt. Bei einer Belastung von 1% im Heu ist eine tödliche Dosis für Pferde nach 3 Monaten, bei einer 10% Belastung nach 20 Tagen erreicht.
Erste Vergiftungserscheinungen beim Pferd sind Appetitlosigkeit, Koliken, Schwellung an Nase und Fesseln, Fellverlust und typisches Gähnen. Neben Darmbeschwerden kommt es auch zu Gelbsucht-Syptomen wie verfärbte Schleimhäute oder hohe Leberenzymblutwerte. Leberversagen führt zu Gehirnreizungen und einer Schädigung des zentralen Nervensystems. Bewusstseintrübungen zeigen sich u.a. durch eine allgemeine Wesensänderung, unkoordiniertes Im-Kreis-Laufen, Taumeln und typisches "Kopf-Anlehnen". Diese Phase kann übergehen in aggressives Verhalten, Krämpfe und endet im Koma. Bei akuten Vergiftungen tritt der Tod in wenigen Tagen ein, bei einer langsamen Vergiftung durch Heu oder Silage kann es Wochen oder Monate dauern.
Die Pflanze verbreitet sich sehr schnell und ist schwer zu bekämpfen. Jede Pflanze kann bis zu 150.000 Samen bilden, die sich durch den Wind verbreiten. Die Samen sind 15-20 Jahre haltbar, sie verotten nicht und lassen sich nicht kompostieren. Auf Schnitt reagiert JKK mit stärkeren Trieben und einem höheren Alkaloidgehalt. Wird es vor oder kurz nach der Blüte geschnitten kommt es sogar zu einer Notreife: die Pflanze bildet am Boden liegend noch Samen. Der einzig sichere Weg, JKK auf Dauer in Schach zu halten besteht darin, die Pflanze mit ihren Wurzeln auszustechen. Nicht blühendes JKK kann im Kompost oder Mist entsorgt werden (es kann vorkommen, dass das Kraut hier neue Wurzeln schlägt, also gut beobachten), blühendes oder samentragendes muss verbrannt werden.
In Neuseeland, Großbritannien und Teilen der USA gilt JKK bereits als ein Hauptproblem in der Viehhaltung. In Teilen der Schweiz besteht eine Meldepflicht für JKK. Nachdem in Großbritannien die Alkaloide von JKK im Honig nachgewiesen wurden, wird das Kraut hier massiv bekämpft. Auch in Milch und Eiern wurden Pyrrolizidinalkaloide bereits entdeckt - und landen so in der Nahrungskette des Menschen.

Wer an einer Weide vorbeikommt und Jakobskreuzkraut entdeckt, sollte unbedingt den Besitzer der Wiese ansprechen und darauf aufmerksam machen.

Zum Weiterlesen und für zusätzliche Bilder:
http://de.wikipedia.org/wiki/Jakobs-Greiskraut
http://www.jacobskreuzkraut.de/index.htm
http://www.phcg-hessen.de/pageID_6048426.html

Bürgerreporter:in:

Nicole Henshke aus Marburg

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