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Marburg im Literaturland Hessen

Lesung:
Erinnerungen an Ingeborg Weber-Kellermann und Lisa de Boor

Hessische Städte sind in die Weltliteratur eingegangen: Thomas Manns „Hochstapler Felix Krull“ ist in Eltville zuhause, Dostojewski und sein „Spieler“ verfielen dem Wiesbadener Roulette, Tolstoi ließ seine Kur-Erlebnisse in Bad Soden in „Anna Karenina“ einfließen. Viele einst berühmte „Söhne“, „Töchter“ und „Besucher“, die die Literaturgeschichte des Landes geprägt haben, sind heute fast vergessen. Marburg beleuchtet im Rahmen des Projekts „Literaturland Hessen“ besonders die Frauen, die das literarische Marburg geprägt haben.

Am Sonntag, den 14. Juni 2009 laden das Gleichberechtigungsreferat und der Fachdienst Kultur der Stadt Marburg sowie das Marburger Haus der Romantik ein zur Lesung im Schlosspark:
Die Schriftstellerinnen Marita Metz-Becker und Anna Rheinsberg lesen ab 15 Uhr aus den Werken von Ingeborg Weber-Kellermann und Lisa de Boor.

Die 1918 in Berlin geborene Ingeborg Weber-Kellermann war von 1968 bis 1985 Professorin für Europäische Ethnologie an der Universität Marburg. Ihre Forschungsschwerpunkte waren Kindheits- und Familiensoziologie, „Interethnik“ sowie Feste, Bräuche und Lieder. Sie setzte Akzente für eine inhaltliche und methodische Umgestaltung der Ethnologie und hat als letzte Dekanin der Philosophischen Fakultät die Universitätsreform 1970 mitgestaltet und dazu beigetragen, die Gründung der Fachbereiche einzuleiten.

Ihre Bücher und ihre zusammen mit dem Hessischen Fernsehen produzierten Filmprojekte konnte sie nutzen, um mit gesellschaftskritischer Perspektive der Europäischen Ethnologie ein neues Profil und Popularität zu geben. In Marburg hat sie zahlreiche Ausstellungen zusammen mit Studierenden in einem berufsfeldbezogenen Studienaufbau entwickelt. Dabei wurde zur kritischen Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Strukturen aufgefordert, darunter 1977 die Ausstellung „Talare, Wichs und Jeans. Zur Geschichte der Universitätskleidung“ im Rahmen des 450-jährigen Jubi-läums der Philipps-Universität.

Die Umgestaltung des Faches von der deutschen Volkskunde als einer germanistischen Disziplin zu einer sozialwissenschaftlich orientierten Europäischen Ethnologie hat sie maßgeblich vorange-trieben und zudem die Kategorie Arbeit sowie Brauch-, Familien-, Frauen- und Kindheitsforschung ins Fach eingebracht.

Professor Dr. Marita Metz-Becker wird aus den großen Kulturgeschichten (Frauen-, Familien- und Landleben) von Ingeborg Weber-Kellermann vorlesen und uns die bekannte Marburger Volkskundlerin näher bringen.

Die Marburger Schriftstellerin Anna Rheinsberg wird aus Lisa de Boors Tagebuchblättern aus den Jahren 1938 bis 1945 vortragen, in denen interessante Erinnerungen aus dem Marburger Alltagsleben während des Nationalsozialismus festgehalten sind.
Lisa de Boor (1894 - 1957) war Schriftstellerin und Anthroposophin und lebte ab 1922 in Marburg. Durch Selbststudium erwarb sie sich umfassende Literaturkenntnisse und schrieb später zahlreiche Romane, Erzählungen und Essays. Als Gegnerin des Nationalsozialismus war sie während des Zweiten Weltkrieges sehr engagiert als Schriftstellerin. Ihr Tagebuch aus der Zeit des Nationalsozialismus zeugt von ihrer inneren Opposition. Sie hielt Kontakt mit dem vertriebenen jüdischen Privatdozenten Karl Löwith, half den Angehörigen Verhafteter und wurde 1941 kurzzeitig selbst verhaftet. Nach dem Krieg war sie Mitbegründerin der Marburger Volkshochschule und der Waldorfschule sowie Gründungsmitglied des überparteilichen Frauenverbandes.
Die Lesung findet im Judizierhäuschen im Schlosspark Marburg, Gisonenweg, statt; der Eintritt beträgt 5€ (ermäßigt 3€), jeweils inklusive einem Getränk.

Dieser Bericht wurde in Zusammenarbeit mit Denise Reck, Praktikantin des Gleichberechtigungsreferates, erstellt.

Weitere Informationen und das Faltblatt finden Sie unter

http://www.marburg.de/detail/83244

oder

Gleichberechtigungsreferat der Universitätsstadt Marburg
Markt 1, Rathaus (3.Stock)
35035 Marburg
Tel.: 06421 201-377
Fax: 06421 201-760
E-Mail: gleichberechtigungsreferat@marburg-stadt.de
www.marburg.de

Öffnungszeiten:
Mo. - Mi. 8.30 - 16.00 Uhr
Do. 8.30 - 18.00 Uhr
Fr. 8.30 - 12.30 Uhr
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