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Ragtime in Concert, zum 100. Todestag von Scott Joplin,TurmCafé im Kaiser-Wilhelm-Turm

    MObiLO e.V.
TurmCafé im Kaiser-Wilhelm-Turm auf Spiegelslust Hermann-Bauer-Weg 2, 35043 Marburg

Freitag, 27.10.17, 20.00 Uhr, TurmCafé

Zum 100. Todestag von Scott Joplin

Ragtime in Concert

Marcus Schwarz (Piano)

https://www.youtube.com/watch?v=fPmruHc4S9Q

http://www.youtube.com/watch?v=rbjGaX-bz04

Eintritt: 13,- / 11,-

Reservierungen über: info@spiegelslustturm.de oder TurmCafé 06421/682129


Ragtime In Concert

Zum 100. Todestag von Scott Joplin

Musik von Scott Joplin, James Reese Europe, William Christopher Handy,
Charles L. Cooke, Charles Luckeyth Roberts & Eubie Blake

Am 1. April 1917 starb Scott Joplin (1868-1917), der berühmteste
afroamerikanische Ragtime-Komponist, der schon zu seinen Lebzeiten als „King
of Ragtime“ galt. Zu seinem 100. Todestag präsentiert der Pianist Marcus
Schwarz ein Programm, das Höhepunkte aus dem Werk des großen Komponisten
präsentiert, darüber hinaus aber auch seinen musikalischen Nachfolgern
gewidmet ist.

Als das 20. Jahrhundert noch jung war, da wurde Nord-Amerika von den Klängen
des Ragtime regiert. Auch nach Europa schwappte eine Welle der
Ragtime-Begeisterung und Komponisten wie Claude Debussy, Erik Satie, Maurice
Ravel, Igor Strawinsky, Darius Milhaud oder Paul Hindemith erwiesen diesem
frischen und lebendigen Musikstil ihre klingenden Referenzen. Doch während
die Stücke dieser Komponisten immer noch lebendig sind und in Konzerten
erklingen (man denke beispielsweise an Debussys "Golliwogg's Cakewalk" oder
Strawinskys Ragtime in der "Geschichte vom Soldaten"), sind die Musiker und
Komponisten der Ragtime-Ära in Europa fast unbekannt geblieben. Die große
Ausnahme stellt allerdings der afroamerikanischen Komponist Scott Joplin
dar, der schon zu seinen Lebzeiten als “King of Ragtime” galt und dessen
Musik seit den 1970er Jahren durch den Hollywood-Film „The Sting“ (dt. „Der
Clou“) wieder zu großer Popularität gelangte.

Der Ragtime entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts, im Zuge des
Aufeinandertreffens verschiedener Kulturen in Nordamerika. In musikalischer
Hinsicht zeigte sich der Ragtime als ein faszinierender Schmelztiegel, in
dem sich die unterschiedlichsten musikalischen Einflüsse zu einem neuen und
erfrischend lebendigen Stil zusammenfanden: Europäische Volks-, Kunst- und
Tanzmusik mischten sich mit afrikanisch inspirierten Worksongs, Spirituals
und Bluesklängen. Ähnlich dem zeitgleich in Lateinamerika entstandenen Tango
ist der Ragtime mit all seiner Lebendigkeit in einer Ausdruckswelt
angesiedelt, die feinfühlig das Gleichgewicht hält zwischen Überschwang und
Melancholie. Sicherlich ist dies auch ein Grund dafür, dass sich der Ragtime
noch nach über 100 Jahren jenseits aller Moden und Stilrichtungen weiter
einer großen Publikumsgunst erfreut: Denn welchem Menschen ist das Pendeln
zwischen solchen Extremen nicht auch bekannt?

1899 veröffentlichte Scott Joplin in Sedalia (Missouri) den „Maple Leaf Rag“,
den größten Hit des Ragtime, der seinen Ruf als bedeutendster Komponist des
spektakulären neuen Musikstils begründete. Joplin sah im Ragtime aber nicht
nur eine fröhliche Unterhaltungsmusik, sondern auch eine eigenständige
Kunstform, der er mit einer ihm ganz eigenen bittersüßen Melancholie
emotionale Tiefe zu verleihen wusste. In Sedalia, St. Louis und schließlich
in New York versuchte er die künstlerischen Möglichkeiten des Stils
auszuschöpfen: So schrieb Joplin neben Ragtime auch Walzer, Märsche und
Lieder, ein kleines Ballett, zwei Opern sowie eine „School of Ragtime“.
Höhepunkt dieser Bemühungen war seine zweite Oper „Treemonisha“, doch gelang
es Joplin nie, ein Theater für eine Produktion des Stückes zu gewinnen.
Verbittert und geistig umnachtet starb er 1917 in New York.

Scott Joplins Musik sowie sein Leben als selbstbestimmter Komponist hatten
einen großen Einfluss auf die nachfolgende Generation afroamerikanischer
Musiker, unter denen James Reese Europe (1880–1919) wohl zu seinen
bedeutendsten Nachfolgern zählte.

Als erfolgreicher Komponist und Dirigent war James Europe in der
Theaterlandschaft New Yorks vor dem ersten Weltkrieg tätig. Große
Popularität in Amerika errang er gemeinsam mit Ford Dabney als
Komponisten-Duo für das gefeierte Tanzpaar Vernon & Irene Castle. 1917
meldete sich Europe freiwillig zur Armee und baute die beste Miltärkapelle
der U.S.-Armee auf, die während des ersten Weltkriegs in Frankreich mit
ihren Ragtime- und Blues-Interpretationen begeisterte. Europe war auch ein
ideenreicher Organisator in der Musiklandschaft New Yorks und setzte sich
für die Rechte afroamerikanischer Musiker ein. Der Pianist Eubie Blake sagte
über ihn: „He was our benefactor and inspiration. Even more, he was the
Martin Luther King of music". Als Komponist und Musiker sowie mit seinen
Grammophon-Aufnahmen prägte James Reese Europe die spannende musikalische
Entwicklung vom Ragtime zum Jazz.

Neben Originalkompositionen von James Europe wird auch die Musik zu hören
sein, die er gemeinsam mit Ford Dabney für Vernon & Irene Castle schrieb,
das erste populäre Tanzpaar Amerikas (das einen großen Einfluss auf spätere
Paare wie etwa Fred Astaire & Ginger Rogers hatten). Abgerundet wird das
Programm durch Musik von Charles Luckeyth „Luckey“ Roberts (großes
pianistisches Vorbild von George Gershwin) sowie von Eubie Blake, der bis zu
seinem Tod im Jahre 1984 Ragtime spielte und ein junges Publikum wieder für
diese Musik begeistern konnte.

Marcus Schwarz
Seit seinem pianistischen Debut 1989 widmet sich der Pianist Marcus Schwarz
dem amerikanischen Ragtime und begeistert mit seinen Konzerten das deutsche
Publikum wieder für diesen fast vergessenen Musikstil. 2005 und 2006 wurde
er mit seinen Ragtime-Interpretationen sogar nach St. Petersburg (Russland)
eingeladen. 2008 brachte er mit der kammeroper kassel e.V. Scott Joplins
legendäre Oper „Treemonisha“ zur Aufführung. 2009 folgte in Zusammenarbeit
mit der Schauspielerin Sabine Wackernagel „Red Peppers – Die Ragtime
Frauen“, ein Programm, das die Komponistinnen des Ragtime vorstellte. 2014
erschien bei Antes Edition seine CD „Ragtime Beauties“ mit Musik von Scott
Joplin, Joseph F. Lamb, James Scott und anderen Ragtime-Komponisten: „…
extremely satisfying from the first note to the very last. Marcus Schwarz
represents Germany very well as an interpreter of ragtime.“ (Jack Rummel,
Ragtime Reviews, April 2015).

Marcus Schwarz wurde in Dinkelsbühl/Franken geboren. Nach ersten prägenden
pianistischen Eindrücken durch den Klavierunterricht bei Ruskin K. Cooper
(dem er die Liebe zum Ragtime verdankt) und Detlev Eisinger sowie
musiktheoretischen Studien am Dr. Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt am
Main studierte er Klavier an der Musikakademie der Stadt Kassel bei Nikolaj
Posnjakow, Joachim Kirschner und Iwan Urwalow. Seine pianistische Ausbildung
ergänzte er auf Meisterkursen und Interpretationsseminaren, unter anderem
bei Carmen Daniela und Rudolf Kratzert. Seit 1995 unterrichtet er an der
Musikschule Baunatal.
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