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Marseille? Juste Marseille! „Mama Marseille“ - Entdeckungsreise der deutsch-französischen Gesellschaft Marburg in den Schmelztiegel der Kulturen (05-11.09.18)

  2600 Jahre Hafenmetropole:

Massilia (Gründung durch griech. Seefahrer) Frankreichs „Tor zum Mittelmeer“ (Transit- u. Industriehafen),
Ort zum Ankommen und Aufbrechen (Eingangstor für Einwanderer, Hafen der Exilanten), zweitgrößte Stadt Frankreichs (laut, lebendig ,bunt, rebellisch, kosmopolitisch, offen, verrucht und windig). Marseille, städtischer Kosmos (40% Muslime, 10% Flüchtlinge dazu, 90% der Bevölkerung mit Migrationshintergrund), Aufeinanderprallen massiver sozialer Gegensätze, sozusagen die abgründige Seite der Stadt mit Kriminalitätsschwerpunkt (Schießereien, Raub, Drogenhandel).
Dennoch!... Wir wollen es kennenlernen, das „Monster“ wie Philippe Pujol Marseille nennt. Gehasst und geliebt seit Jahrhunderten. Mag sein! Wir erliegen seinem anarchischen Charme.

Denn sind da nicht auch 300 Tage Sonnenschein (schon die Griechen weihten einen Tempel dem Sonnengott Apollon!), die Kochtöpfe von Marseille mit mediterranen Speisen (die Bouillabaisse hat Rendezvous mit Baklava, Ratatouille flirtet mit Couscous), die hippe Modestadt mit mediterranem Lifestyle („une ville à la mode“, Flanieren nicht nur auf der Cannebière ), und eine große Vielfalt von Sehenswürdigkeiten?

Marseille die coole Schwester von Paris hat sich in den letzten Jahren von der Gangsterbraut zur Grande Dame entwickelt. Die schönen Bilder aus Marseille mit einem Flair futuristischer Architektur,- ja! -, die gibt es überall, wo saniert oder neu gebaut wurde. Vor 5 Jahren wurde „Mama Marseille“ zur Europäischen Kulturhauptstadt gekürt. So besticht beispielsweise der blauschattierte Kubus des MUCEM (das Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeeres) mit einem filigranen Netz aus „Stein, Wasser und Wind“ auf einer künstlichen Halbinsel schon von außen durch seine grandiose Architektur. Eine Dauerausstellung widmet sich ausschließlich der Menschheitsgeschichte des mediterranen Raumes. Griechenland boomte im 8. Jahrhundert v. Chr., fast 200 Siedlungen entstanden durch griechische Auswanderer, aufgereiht ums Mittelmeer „ wie Frösche um einen Teich“, wie schon Platon spottete. Aber der Handel blühte (Getreide, Olivenöl und Wein), Schrift, Kunst und Wissenschaft im Gefolge.
Im „Musée d’histoire de Marseille“ erlebt man konkret und multimedial 26 Jahrhunderte Siedlungsgeschichte der Stadt Massalia/Marseille.
Die gewaltige Kathedrale („la Major“) grüßt schon von Seeseite fast wie ein Leuchtturm die ankommenden Schiffe; die goldene Madonna der Basilika „Notre Dame de la Garde“, liebevoll „La Bonne Mère“ genannt, thront als Wahrzeichen über der Stadt. Eine weiße Bimmelbahn erspart uns den anstrengenden Aufstieg. Das Panorama einfach grandios!
Die „Abbaye St.Victor“, 1500 Jahre lang mediterrane Hochburg des Katholizismus, aber vielfach zerstört, birgt heute in der Krypta eine umfangreiche Sammlung frühchristlicher Sarkophage.
Das „Palais Longchamp“, (das dritte Bauwerk neben der Kathedrale und Notre Dame vom Architekten Henry Espérandieu erbaut), zeugt von bewunderungswürdigem Bürgersinn. Nach 10 Jahren harter Arbeit konnte am Endpunkt eines 85 km langen Kanals die Wasserversorgung der Stadt aus dem Fluss Durance mit rauschenden monumentalen Wasserfällen und Springbrunnen hoch über der Stadt gesichert werden. Es lohnt sich vom dominierenden Säulenhalbkreis des Palais hinab zu steigen und der „Hommage“ an das Wasser zu lauschen.
Unerläßlich eine Schifffahrt zum Château d’If und den Isles de Frioul. Das goldene Herbstwetter läßt uns die Geschichten von Gefängnisinsel nebst Schicksal des Grafen von Monte Christo, von Quarantainestationen wegen Pest- und Gelbfieberepidemien eher durch die rosarote Sonnenbrille erleben. Die weißen Klippen und Buchten der Calanques spiegeln sich am Tag darauf im azurblauen Meerwasser. Ein erfrischendes Bad können wir vom Boot aus nur fotografieren. Das erspart uns jedoch Mühe und erforderliche Kondition, die traumhaften Buchten zu Fuß zu erwandern.
Als besondere Gunst erweist sich für unsere wissensdurstige Reisegruppe Jean-Luc, unser Marseiller Freund und indigener Wegbegleiter. Unermüdlich stellt er sich eine Woche lang auch schwierigen Fragen und ergänzt unsere Eindrücke mit seinem autochtonen Background. Un grand et cordial merci pour l’encadrement instructif de nos intérêts si variés !
Im Vieux Port, um den Vieux Port und um ihn herum spielt sich der Rest der kurzen Woche ab.
Unser Programm versprach auch kleine Handwerksbetriebe (Seifenfabrik, älteste Bäckerei, Santonwerkstatt), den berühmten Fischmarkt, arabisch geprägte Strassen in Noailles, dem Magreb von Marseille, wo Orient und Occident bunt nebeneinander einen eigenen Mikrokosmos bilden, außerdem auch jüngere Szeneviertel, die sich bewusst nach dem Motto: "On n’affiche pas!" ("Man protzt nicht") einen quirlig-bunten Anstrich geben ("Cours Julien" und „La Plaine“ ).
Wir steigen die steile Gasse „Montée des Accoules“ hinauf in den „Panier“, ältester Kern und Ursprung der Stadt, südlich vom Hafen. Während der deutschen Besetzung (1942-44) wurde das Viertel gesprengt, um Rotlichtmilieu, Widerstandsnester und Juden zu eliminieren. Verwinkelte Gassen, steile Stufen, schmale Häuser und idyllische kleine Plätze bilden heute ein kleines Dorf in der Millionenstadt. “La vieille Charité“, Hospiz der Armen in einem riesigen vierflügeligen Komplex mit 3-stöckigen Galerien dient heute als Kulturzentrum.
Unser mediterraner Traum findet seine Erfüllung neben der Hafeneinfahrt im Fort Ganteaume, zu ihrem Schutz vom Sonnenkönig Ludwig XIV. in Auftrag gegeben, heute Offiziersmesse (Cercle de Garnison Militaire) und „Nouveau Rooftop“ mit grandioser Aussicht auf Hafen und Stadtpanorama. Dort schwebt beim Menu im Speisesaal, ebenso wie später beim Abschiedsmenu im entzückenden Hafen „Port du Vallon“ bei Jeannot:

„LA TÊTE DANS LES ÉTOILES, LE GOÛT DANS L’ASSIETTE“.

Marseille, keine Stadt mit perfekter Schönheit,
aber mit herbem Charme und vibrierender Vitalität.

Gez. LOU HOBERT
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