Leere Brisanz, Ausstellung: Zwischen den Häusern, Vernissage: 27. März 2022

Leere Brisanz

Ab dem 27. März betrachten Maria Gibert, Maren Goldenbaum-Henkel, Brigitta Höppner, Heilwig Jacob und Silke Rath gedankliche, biografische und emotionale Leerstellen im Atelier IZwischen den HäusernI.
In den Räumlichkeiten von Ursula Eske befinden sich Fluchtkoffer mit leeren Seiten, leere Wortnetze, geleerte Gedanken, entleerte Bücher sowie Kunstwerke vom „leeren Konsum“. Die fünf Hamburger Künstlerinnen entlocken ausgesetzten Büchern verborgene Botschaften und werfen entlarvende Blicke auf eine von Konsum stumpf gewordene Gesellschaft. Sensibel zeigen sie die zerbrechliche Welt Demenz-Erkrankter und hinterfragen die identitätsstiftende Kraft von Sprache und Heimat. Familiäre Imperative und Erwartungshaltungen werden aufgedeckt, Systeme, die ganze Familien in Leere zurücklassen. Mit enorm künstlerischer, wie auch gedanklicher Wucht entsteht eine nahezu physisch spürbare Leerstelle, ein Ort, der verlassen ist.
Denn was bleibt, wenn etwas Wichtiges fehlt? Die Frage erhält im Kontext der Ausstellung „Leerstellen“ durch die Pandemie eine tragische Brisanz. Der kulturellen wie individuellen Isolation nähern sich die Künstlerinnen auf ganz unterschiedliche, teils hochpersönliche, teils sozialkritische Weise: sie dokumentieren ungeschönt die leeren Stellen in der Gesellschaft und der Familie.
Parallel zur Ausstellung „Leerstellen“ zeigt Ursula Eske eine neue Lichtinstallation im Gewölbekeller: Ein Netzwerk von Punkten, Linien und Spitzen – innere Geschlossenheit, verdichtet zu einem eigenständigen Gebilde. Dieser Schwarm verhält sich nach eigenen Regeln.
Wer diese geheimnisvolle Gestalt und die eigene Haltung zu den künstlerischen Leerstellen in Person erleben möchte, kann dies unter Einhaltung der tagesaktuellen Corona-Auflagen noch bis zum 15. Mai.

Vernissage: 27. März 2022, 15 Uhr, Atelier IZHI, Zwischenhausen 7-9, Marburg, Öffnungszeiten: Donnerstag 16 Uhr - 18 Uhr, Samstag 12 Uhr - 15 Uhr u. n. Vereinb.: 0173 3685981, www.atelier-zh.de


Ursula Eske, Installation

SCHWARM

Linien erzeugen durch Überschneidungen und Verknüpfungen ein dichtes Netzwerk von Punkten, Linien und Spitzen. Verdichtung erzeugt innere Geschlossenheit. Es entsteht ein eigenständiges Gebilde, ein Schwarm. Jeder Schwarm besitzt andere Eigenschaften als Einzelelemente. Er verhält sich nach eigenen Regeln. Man spricht deshalb auch von Schwarmintelligenz.
Im Keller des Atelier Zwischen den Häusern windet sich solch eine geheimnisvolle Gestalt wie ein Schwarm durch einen scheinbar unbegrenzten Raum, so als bewegte er sich in den Tiefen des Meeres.
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Silke Dokter aus Erfurt | 10.02.2022 | 18:15  
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