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Kurioses auf dem Trödelmarkt - Die Mao-Bibel

Mao-Bibel
Marburg: Marburger Land | Flohmärkte wecken nicht nur das Interesse, um einen ungezwungenen Plausch mit Marktbesuchern zu haben, sondern auch die Neugierde auf meist sonderbare, selten brauchbare und oft unnütze Dinge.

Zwischen Pharaonenbüsten, russischen Marischkas, Kupfervasen und orthodoxen Bildchen machte ich für mich einen außergewöhnlichen Fund, eine Mao-Bibel im Original. Dieses kleine, rote Büchlein mit dem Konterfei des "großen Vorsitzenden" der chinesischen Kulturrevolution Mao Tsetung von 1965 fiel mir als sehr außergewöhnlich auf. Ohne den Preis zu verhandeln, erstand ich dieses Buch für 2 Euro, um ein Zeitdokument zu sichern. Da die Zitate Maos in chinesischer Sprache geschrieben sind, werden mir die Inhalte seiner Worte weiterhin unbekannt bleiben.

Das rote Büchlein in den Händen haltend, erinnerte ich mich an die Fernsehbilder der 60er-Jahre, als viele tausend Menschen die sogenannte "Mao-Bibel" in die Höhe hielten, wenn auf dem "Platz des Himmlischen Friedens" in Peking Maos Verse zitiert wurden. Von den Chinesen wurde erwartet, dass sie Maos Worte bei sich trugen und sich mit den Texten begrüßten.

Auch bei den europäischen Studentenbewegungen von 1968 war es angesagt, die blutige Kulturrevolution in China mit dem "langen Marsch durch die Institutionen" zu vergleichen. Man hätte sicher etwas besser hinschauen sollen! Denn die Befreiungsbewegung in dem Riesenreich China mit Millionen Toten war vielen nicht bekannt.

Bei einer Gegenrevolution wurde das milliardenfach gedruckte Büchlein eingezogen, vernichtet oder landete - wie gesehen - als Zeitdokument auf dem Trödelmarkt.
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Weiterveröffentlichungen:

Oberhessische Presse | Erschienen am 23.03.2013
1 Kommentar
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Monika Friedrich aus Rauschenberg | 21.03.2013 | 14:23  
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