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Italienisches Leben ohne nennenswerten Tourismus, Spuren deutscher Vergangenheit und ein alter englischer Friedhof: Livorno ist eine Reise wert!

Der Pavillon auf der wunderschönen Promenade "Terrazza Mascagni".
 
Matteo Giuntis Foto zeigt den alten englischen Friedhof in Livorno. (Foto: Matteo Giunti)
Livorno – die zweitgrößte Stadt der Toskana ist hierzulande – wenn überhaupt – meist nur als Ablegepunkt der Fähren nach Elba bekannt, oder als kurzer Zwischenstop auf den Routen der großen Kreuzfahrtschiffe. Zu Unrecht, wie uns jüngst bei einem erneuten Urlaub in der Stadt wieder deutlich wurde!
Livorno wurde zwar im Zweiten Weltkrieg stark zerstört, dennoch findet man in der lebendigen Stadt, die kaum von Tourismus und umso mehr von einer erfrischenden italienischen Normalität geprägt ist, zauberhafte Ecken. Und immer wieder Spuren deutscher Vergangenheit: Wie die niederländisch-deutsche Kirche und den niederländisch-deutschen Friedhof, wo sich Erinnerungen an Bürger aus Frankfurt, Hamburg, Saarbrücken und vielen weiteren deutschen Städten finden. Die Kirche liegt mitten im Herzen der Stadt, ist aber im Moment vom Zerfall bedroht. Bereits vor einigen Jahren haben sich jedoch mehrere Wissenschaftler, Forscher und Anwohner zusammengetan um für den Erhalt der bedeutenden Kulturdenkmäler zu kämpfen. Inzwischen ist daraus jüngst die Kulturgesellschaft „Livorno delle Nazioni“ entstanden, die sich auch für einen weiteren prachtvollen Ort inmitten der Stadt einsetzt – für den Erhalt und die Restaurierung des „Antico Cimitero degli Inglesi di Livorno“, des alten englischen Friedhofs in der Via Verdi.
Ein wahrhaft magischer Ort: Eben befand man sich noch mitten im Trubel einer italienischen Hafenstadt, aber nach nur einem kleinen Schlenker ist man urplötzlich in einer anderen Welt. Voller Ruhe, inmitten grüner Natur, umgeben von imposanten Grabsteinen. Das älteste der mehr als 450 Gräber datiert aus dem Jahr 1646, nur 40 Jahre nach der offiziellen Stadtgründung. In Livorno war zu diesem Zeitpunkt bereits ein englischer Marinestützpunkt von dem aus die Handelsrouten der Kaufleute patroulliert wurden, so daß bald die Notwendigkeit eines Friedhofes für die englische und nicht römisch-katholische Gemeinde im Allgemeinen erwuchs. Mit dem „Antico Cimitero degli Inglesi“ entstand der erste und lange Zeit einzige englische und protestantische Friedhof in Italien, dementsprechend mit einem enorm großen Einzugsgebiet. Hier wurden unter anderem bedeutende Persönlichkeiten wie der schottische Schriftsteller Tobias Smollett und der britische Marineoffizier William Robert Broughton beerdigt, ihre Gräber liegen unter Jahrhunderte alten Zypressen, dichter mediterraner Vegetation und Ulmen, die vermutlich von amerikanischen Seefahrern beim Besuch der Gräber ihrer Liebsten gepflanzt wurden. Die Grabsteine beeindrucken durch heutzutage kaum bekannte Reliefs, Ornamente und Formen, teils in neoklassizistischem Stil.
Das Friedhofsareal wird seit 1949 von der katholischen Bruderschaft „Misericordia di Livorno“ geleitet, die ihren Sitz gegenüber des Friedhofeingangs hat, und Besuchern Einlaß zum Friedhof verschafft. Durch die Gründung der Kulturgesellschaft wächst die Hoffnung, daß dem ehrwürdigen Ort zukünftig noch mehr Aufmerksamkeit Zuteil wird, und dass durch den Erlös eines Kalenders – der jetzt für 2012 erstmals vertrieben wird – weitere Fortschritte bei seiner Restaurierung erzielt werden können. Für Toskana-Urlauber sollte ein Besuch auf jeden Fall ein Muß sein!

Eine ausführliche Forschungsseite in englischer Sprache zu allen im Artikel erwähnten Orten findet man unter:
http://leghornmerchants.wordpress.com/
Eine Facebook-Gruppe widmet sich ausschließlich dem Erhalt des Friedhofes. In italienischer Sprache, gerne auch mit englischen Kommentaren:
http://www.facebook.com/groups/AntichiCimiteridiLi...
Die neue Kulturgesellschaft erstellt gerade folgende englisch/italienische Website:
http://livornodellenazioni.wordpress.com/
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Marburg extra/Anzeiger extra | Erschienen am 11.01.2012
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Melanie Weiershäuser Belichtbar Fotografie aus Marburg | 28.12.2011 | 16:50  
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