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Geschenktes Herz-geschenktes Leben, Vortrag von Claudia E. Cloos bei den Landfrauen Marburg

Landfrauenvortrag im "Stümpelstal", Michelbach (Foto: Foto: D.Amling, Landfrauen Marburg)
 
Claudia E. Cloos, Herztransplantiert November 2011 (Foto: Foto: D.Amling, Landfrauen Marburg)
Marburg: 35041 | Im Rahmen der Vortragsreihe der Landfrauen Marburg, Niederweimar und Lahntal berichtete am Donnerstag, 10.11.16, die Landfrau Claudia E. Cloos über die Wartezeit auf ein Spenderherz sowie die anschließende Rekonvalenz. Frau Cloos wies zu Anfang die anwesenden 54 Gäste ausdrücklich darauf hin, dass Sie keinen medizinischen Vortrag halte, dazu sei sie nicht kompetent.

Die Vorsitzende Doris Amling und die Vortragende hatten Informationsmaterial zur Organspende ausgelegt und erklärten, dass Organspenden, auch der Generation 60+, dringend benötigt werden. Dies konnte eine anwesende, nierentransplantierte Zuhörerin bestätigen.

Claudia Cloos erläuterte die Anfänge ihrer Herzerkrankung, die sich im Mai 2011 dann so verschlechterte, dass ein Krankenhausaufenthalt in der Kerckhoff-Klinik, Bad Nauheim vonnöten wurde. Als erstes wurde versucht durch eine Punktion und Erhöhung der Medikation die starke Aszitis zu verbessern. Viele weitere Untersuchungen und ein plötzlicher Kreislaufzusammenbruch bestätigten schließlich die Vermutung der Ärzte, dass nur eine Herztransplantation Hilfe bringen würde.

„In den ersten Wochen auf der Intensivstation konnte ich viel schlafen, das war für meinen Körper und Geist eine große Entlastung “, so berichtete Claudia Cloos. Danach, oft Tag und Nacht schlaflos, gingen viele Gedanken durch Ihren Kopf. „Ich hatte Zweifel, ob es richtig ist, dass ein anderer Mensch für mich stirbt, ob ich egoistisch bin“. Wenn ich ein Spenderherz erhielt, was war mit meinen Gefühlen zu meinem Mann, sollte ich mich von ihm trennen um ihn nicht zu belasten? War ich nach der Operation noch ich selbst? Wenn das Herz die Seele des Menschen ist (laut Bibel), wo ging die Seele des/der Spender(in) hin, was war mit meinem „Seelenheil“? Depressionszeiten wechselten sich mit Tagen des „Hochgefühls“. Wichtige Gesprächspartner in allen Zeiten waren die Ärzte und Schwestern des Transplantationsteams, der kardiopsychologischen Abteilung und die persönliche pastorale Begleitung.

Zum festen Tagesprogramm gehörte außer Blutabnahmen, EKG, UKG. CT in der Wartezeit und nach der Transplantation (Bett)-und Atem-Gymnastik, Mobilitätstraining am Ergometer sowie je nach Tagesform Bewegung mit dem Rollator. Stets verbunden mit den Medikamenten über einen Perfusor. Zur Ablenkung brachte eines Tages Ehemann Reinhard einen Laptop mit, den Claudia Cloos emsig benutzte. Sie sammelte die Email-Adressen aller Verwandten und Freunde, an die sie dann regelmäßig „Neueste Nachrichten aus der Kerckhoff-Klink“ übersandte. Und sie bekam Antwort: nicht nur aus Deutschland sondern auch aus Singapur, Rotterdam, Teneriffa, USA, je nachdem wo ihre Verwandtschaft gerade verweilte.

Nützlich war der Laptop auch, als das Naschkästchen völlig leer war. Eine Wunschliste, gemeinsam mit ihrer Stationsfreundin Alma erstellt, wurde zu einem Supermarkt in Friedberg versandt. Zwei Stunden später war der Notfall beendet: Ein Bote brachte 6 Bananenkisten voller Süßigkeiten, Chips, Flips und andere Speisen. Die beiden mussten sich noch 50 Euro bei einer Schwester ausleihen, damit alles bezahlt werden konnte. Natürlich erhielt das Pflegepersonal auch einen Anteil der bestellten Waren, das war Ehrensache!

Nach einem Fehlalarm im September, das avisierte Herz wurde aus medizinischen Gründen von den Ärzten abgelehnt, war es am 17.11.2011 endlich so weit. Ein passendes Spenderherz war gefunden und konnte in relativ kurzer Zeit transplantiert werden. Nun war es wichtig den Körper wieder zu mobilisieren. Sie lernte die neuen, wichtigen Medikamente kennen und selbst „zu stellen“. Ganz wichtig war es den neuen Speiseplan zu verinnerlichen, denn Transplantierte dürfen/sollten keine rohen Lebensmittel zu sich nehmen, da diese Keime und Bakterien in sich tragen. Diese können zu einer Abstoßung des Spenderorgans führen

Die Reha-Maßnahmen begannen am 21.12.2011 in der „Küppelsmühle“ in Bad Orb. Auch dort wurde Frau Cloos durch Ergometertraining, Einzel- und Gruppengymnastik, Gesundheitsvorträge, gemeinsam mit ihrem Ehemann Reinhard auf das „neue Leben“ vorbereitet und trainiert.

Heute darf Frau Cloos, „alles was gut für mich ist und mir Spaß macht“, sagt sie zum Abschluss des Vortrages. Sie geht gerne zum „ErlebnisTanz“ in Ebsdorfergrund-Wittelsberg und in Marburg-Cappel, engagiert sich im Landfrauenverein und schreibt gerne Geschichten und Haiku (jap.Gedichte), die auch schon im Cranach-Verlag, Kronberg, veröffentlicht wurden. (CEC)
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