Anzeige

Die Formulation oder wie man Kinderbilder nicht betrachten sollte

Blätterform
 
Einrollen, ausrollen
Marburg: Atelier für Kunsttherapie und Ausdrucksmalen | Die Formulation hat Arno Stern, Begründer des Ausdrucksmalens auf den Weg gebracht.
Er hat auf seinen Reisen über viele Jahre, Kinder auf der ganzen Welt nach den gleichen Regeln malen lassen und hat immer wiederkehrende Formen entdeckt. Auch die Abfolge, welche Formen wann gemalt werden, hat er gesehen und dokumentiert.

Mit dem Kritzelknäuel fangen die Kinder an, daraus entsteht ein Haken. Nach mehrmaligen Wiederholungen einer Form entsteht die nächste Form. Es gibt das Sprichwort:" Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.", so ist es auch mit der Formulation. Das Formulieren entsteht bei allen Kindern und bei dem Erwachsenen, wenn er in den Genuss des Ausdrucksmalens kommt, wie von selbst.
Aus dem Haken wird ein gerader Strich, aus diesem eine Schleife, aus dieser wird ein Tropfen und dann ein Dreieck. Aus dem Haken kann noch eine Spirale, eine Einrollung entstehen oder ein Winkel. Aus dem Kreis entsteht ein Viereck.
Ein Viereck kann ein Schiff, eine Kiste oder ein Haus sein. Eine Strahlenform (Kreis und Strahlen daran) kann eine Sonne sein, aber auch Marienkäfer, ein Mensch-, je nachdem, welche Geschichten das Kind gerade erzählen möchte.
Die Formulation ist ein eigenständiges, gegliedertes Universalsystem. Sie ist eine mehrschichtige Äußerung, bestehend aus ca. 70 verschiedenen Formen, die einzeln und nebeneinander benutzt werden oder kombiniert werden.

Die Eltern müssen nicht üben oder vormalen mit dem Kind, sondern dem Kind viel Papier und Stifte zur Verfügung stellen - das Kind nimmt sich die Zeit, die es braucht, um zu formulieren. Und die Eltern sollten keinen Druck ausüben, nicht nach einer Benennung fragen, (was ist das jetzt hier, was du da gemalt hast?) und weder Lob noch Kritik austeilen. Das Kind malt, es spielt. Lob und Kritik macht abhängig, das Kind wird so schön malen wollen, damit der Vater oder die Mutter zufrieden ist. Das Spielerische ist dann vorbei.

Das Ausüben, das Formulieren lässt sich als Spiel bezeichnen, das weder dem Bereich des künstlerischen Schaffens noch demjenigen der Therapie angehört. Die Formulation ist nicht auf Wirkung eingestellt und kennt deshalb auch nicht deren Folgen: die Abhängigkeit vom Empfänger und die damit verbundene Erwartung auf Erfolg. Und doch erzeugt das Ausdrucksmalen oder das formulieren von Formen mit viel Farbe ein Wohlbefinden und eine merkliche Sicherheit im Leben. Dieses Spiel fällt jedem leicht, dem Erwachsenen und dem Kind.

Es setzt keine besondere Veranlagung voraus. So gibt es keine Formulationsbegabte oder Unfähige, keine durch Lebenserfahrung und Umfeld Begünstigte oder Benachteiligte. Es befreit von der beigebrachten Abhängigkeit von Vorbildern und von Begutachtung durch andere. Derjenige, der sich durch dieses Spiel entfaltet, braucht keine Gewalt als Bestätigung, keine Drogen als Trost und Linderung.Wer im Malort malt, braucht keine Therapie. Die Tat des Formulierens ist lebenswichtig! Im Rahmen des Malortes fördert sie gleichzeitig das Selbstbewusstsein und die Beziehung zu anderen, in einem harmonischen und wettkampflosen Gleichgewicht.
1
1
1 1
1
1 1
0
Lesen Sie auch die Bildkommentare zum Beitrag
1 Kommentar
7.080
Siegfried Kuhl (sk1941) aus Marburg | 26.02.2013 | 18:04  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.