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AUSSTELLUNG beZEICHNENd - Marburger Kunstverein, 15.11.2019 – 9.1.2020

(Foto: Kunstverein)
 
M. Beckmann, aus der Serie Gemäldegalerie 2017, Bleistift auf Papier (Foto: Veranstalter)
 
K. Davar, Quarry or Glory, 2016, Bleistift, Acryl und Tusche auf Papier (Foto: Veranstalter)
 
B. Hindahl, Dirt Fiction 110, 2017, Graphit auf Papier (Foto: Kathrin Schwab, Mannheim)
AUSSTELLUNGbeZEICHNENd - Marburger Kunstverein, 15.11. 2019 – 9.1. 2020

Matthias Beckmann (Berlin), Katja Davar, Renate Neuser (Essen), Eva von Platen (Nürnberg), Peter Torp (Berlin), Brigitte Waldach (Berlin).
Die für diese Ausstellung ausgewählten Künstlerinnen und Künstler nutzen das Medium der Zeichnung, um Denkräume zu entwickeln, Sinnfragen zu reflektieren, philosophische Themen zu analysieren, Absonderlichkeiten der Natur zu erforschen, Widersprüchen auf die Spur zu kommen und eigene Erfahrungen ironisch zu brechen.

Matthias Beckmann, aus der Serie „Gemäldegalerie“, 2017, Bleistift auf Papier, 35,5 x 27 cm

Die streng linearen Bleisstiftzeichnungen und Radierungen von Matthias Beckmann, meist in Serien angelegt, spielen mit Gestaltungsmitteln, die wir aus Fotografie und Film zu kennen scheinen – wechselnde Perspektiven, zuweilen willkürlich erscheinende Realitätsausschnitte aus Zoomen zwischen Totale und Detail, das Umkreisen von Objekten in der Art einer Kamerafahrt. Er interessiert sich für das Eindringen des Banalen in eine oftmals als weihevoll oder sozial herausgehoben empfundene Situation und kennt dabei keine Bedeutungsunterschiede zwischen den abgebildeten Gegenständen. „Ich habe Spaß am Zeichnen, wenn die Linie flüssig und scheinbar wie von selbst läuft und sich zuweilen aus der Beobachtung des Zusammentreffens von Aura und Alltag Komik entwickeln kann.“

1965 geb. in Arnsberg / 1984-90 Kunstakademie Düsseldorf (Franz Eggenschwiler) / 1990-92 Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, (Rudolf Schoofs), seit 1995 Künstlergruppe Die Weissenhofer (zus. mit Jörg Mandernach und Uwe Schäfer) // 1990 Josef-Fassbender-Preis / 1996 Graduiertenstipendium Land Baden-Württemberg,1998 Arbeitsstipendium Kunstfonds,1999 Casa Baldi Stipendium, Stipendium Künstlerhäuser Worpswede / 2001 Auslandsstipendium Land NRW in Paris / 2016 Arbeitsstipendium Land Oberösterreich
www.mathiasbeckmann.com

Katja Davar, Quarry or Glory, 2016,
Bleistift, Acryl und Tusche auf Papier, 149 x 113,5 cm

Im Zentrum des Werks von Katja Davar steht die Auseinandersetzung mit zeichnerischen Systemen und Prozessen. Technologische,ökologische, ökonomische wie wissenschaftliche Erkenntnisse oderThesen werden in großformatigen Zeichnungen und minutiös produzierten Animationen komplex umgesetzt. Katja Davar unterminiert
die mannigfachen Versuche, Welt und Wirklichkeit schematisch darzustellen, sie fassbar, erklärbar, kontrollier- und prognostizierbar zu machen. Statt auf Vereinfachung zielt ihr wilder Mix unterschiedlicher Stile, Bildtraditionen und Referenzen auf Verkomplizierung, widersetzt sich ihr Werk reflektiert und ironisch gebrochen der Faszination einfacher Erklärungsmuster.

1968 geb. in London / 1987-90 Central Saint Martins, London / 1991-93 Kunstakademie Düsseldorf / 2002-03 Vertretungsprofessur an der Städelschule Frankfurt / seit 2014 Professur für Zeichnung an der Hochschule Mainz // 1992 -1993 DAAD Stipendium / 1999 DAAD Preis / 2002 Förderpreis Land NRW für Medienkunst / 2006 Kunstsstifung Land NRW / 2007 Arbeitsstipendium Kunstfonds / 2011 Artist in Residence, Hanse-Wissenschaftskolleg / 2012 Katalogförderung Kunstfonds / 2013 Silicon Saxony Art Award / 2015 CCA Andratx, Art Foundation Mallorca
www.katjadavar.com

Barbara Hindahl, Dirt Fiction 110, 2017,
Graphit auf Papier, 65 x 62 cm (Foto: Kathrin Schwab, Mannheim)

Barbara Hindahl hat sich die Mühe gemacht, jedes Staubkorn zu
untersuchen, jedes Härchen, jede Fluse und die allerfeinsten Splinachdem, wie sie den Fokus einstellt, entstehen fast homogen verteilte Elemente auf dem Papier oder Anhäufungen, dichtere Staubfelder, Cluster von Schmutz, schwarz auf weiß, die invertiert und mit etwas Phantasie wie die Milchstraße oder der Andromedanebel am
nächtlichen Firmament erscheinen. Es macht Spaß, die winzigen mit Bleistift gezeichneten
Fitzelchen zu begutachten. Sie arbeitet auch ortsbezogen und überführt die Zeichnung in die dritte Dimension: Ihre Raumzeichnungen ergeben von einem einzigen Betrachterstandpunkt aus ein Bild.

1960 geb. in Rheinhausen/Ruhrgebiet / 1979-84 Studium Germanistik und Kunstgeschichte M.A. an der Universität Heidelberg / 1984-90 Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe (Peter Ackermann) / 2005-12 Lehrauftrag an der Freien Kunstakademie Mannheim / seit 2012 Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Hochschule für Gestaltung in Hannover // 2003 Residenz in Yokohama mit der Künstlergruppe Puddles in Tokyo / 2009 Stipendium Künstlerhaus Lukas Ahrenshoop / 2008 und 2011 Residenz Q-O2 werkplaats, Brüssel / 2009 Helene-Hecht-Preis Mannheim / 2011 Projektstipendium Kunstfonds / 2016 Heinrich VeDaniel-Henry Kahnweiler Preis Rockenhausen, Arbeiten auf Papier, 2. Preis

Renate Neuser, aus der Serie „Überlegung zu einem Käfer (mechanisch,
elektronisch)“, 2003, Graphit auf Papier, 240 x 110 cm

Mit Farbstiften und Graphit zeichnet Renate Neuser surreale Wesen, die von
der Natur angeregt sind. Verzerrte Käfersilhouetten, Kopffüßler mit schlangenartigen Beinen oder Insekten mit blasenartigen Fortsätzen gehören zu ihrem Repertoire von Lebewesen fremder Welten. In einer Serie von Objektkästen bilden zeichenhafte Naturformen Hintergründe zu den
installierten Kleinplastiken. Sie zeichnet und schraffiert sehr exakt mit
unpersönlichem Strich o4 plastisch ausgearbeitete Formen und interessiert sich für deren lebendige Kontur.

1939 geb. in Kiel / 1959-61 Muthesius Werkkunstschule Kiel / 1961-65
Hochschule für bildende Künste StuUniversität Essen GH // 1966 DAAD-Stipendium in Paris / 1970-71 Aufenthalt in Boston / 1983 Arbeitsstipendium Kunstfonds / 1996 Arbeitsstipendium Land Schleswig-Holstein im Künstlerhaus Cismar / 2000 Stipendium Künstlerhaus Lukas Ahrenshoop / 2002 Stipendium Künstlerhaus Schloß Wiepersdorf / 2003 Stipendium Virginia Center for the Creative Arts, Virginia USA / 2009 DEW–Kunstpreis Dortmund / 2017 Artist in Residence: Cité Internationale des Arts Paris
www.renate-neuser.de

Eva von Platen-Hallermund, Haariges Haubenmädchen, 2013,
Filzstift auf Farbausdruck, 29,7 x 21 cm

Die Papierarbeiten der Zeichnerin und Filmemacherin Eva von Platen-Hallermund nutzen – inhaltlich wie formal – das ganze Spektrum desMediums Zeichnung. Ob schnelle Skizze oder präzise Collage, ob spontane Notation oder hintersinnige Montage, Eva von Platen-
Hallermund‘s Arbeiten konfrontieren den Betrachter mit „unverwarteten Kollisionen von Sinn- und Bildzusammenhängen“… Werbebotschaften, Bildklischees und Parolen werden von der besessenen Assoziationsarbeiterin so lange hin und her gedreht, bis ihre
tradierte Bedeutung in Sinn- und Unsinns-Splitter zerbröselt.

1965 geb. in Frankfurt / 1988-94 Hochschule für Gestaltung Offenbach / 1997-99 Kunst-hochschule für Medien und Film Köln / 2003-04 Lehrau4rag FH Dortmund / seit 2005 Professur an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg // 1993 und 1994 Stipendium der Mosbachstiftung / 1995 Stipendium der Hessischen Kulturstiftung in New York / 1999 Hessischer Filmpreis / 2000 Filmförderung Filmbüro NRW / 2001 Stipendium für Künstlerinnen mit Kind im Land NRW / 2015 Kulturstiftung der Sparkasse Nürnberg / 2017 Finalistin Gabriele Münter Preis


Peter Torp, Die Position eines Wollknäuels, 2018, Aquarell auf grundiertem Papier, 97 x 70 cm

Wenn Peter Torp miteinander verwobene Bilderrätsel zeichnet, arbeitet er mit Witz und Tiefsinn, voller Zusammenhänge und mit einem schier überbordendem Reichtum an Einfällen. Dabei halten genaue Beobachtung, intellektuelle Reflexion und abgründiger Humor mit den künstlerischen Möglichkeiten Schritt oder sind diesen ein immer neuer Ansporn. Viele seiner Arbeiten sind mit einem philosophischen oder wissenschaflichen Thema hinterlegt, dem sich Torp mit seinen bildnerischen Erfindungen nähert und dieses mit subjektiven Interpretationen einkreist, um es dann mit heiterer Gelassenheit in den Raum der Kunst zu entlassen.

1954 geb. in Bühnsdorf/Kr. Segeberg / 1977-92 Landwirtschaftliche Ausbildung und Tätigkeit /1992-99 Muthesius Hochschule Kiel (Fritz Bauer, Renate Anger, Thomas Wörgö1999 Nord-West-LoKünstlerhaus Eckernförde / 2003 Stipendium Künstlerhäuser Worpswede / 2005 Stipendium Künstlerhaus Kloster Cismar / 2014 Arbeitsstipendium Kunstfonds Brigitte Waldach


Brigitte Waldach, Zeit Raum 45'00 (CAGE) 2016, Graphit Gouache, Pigment auf Bütten
146 x 140 cm (Foto Bernd Borchardt)

Brigtte Waldach fertigt großformatige Zeichnungen und raumgreifende Installationen. Ihre Kunst beschäftigt sich mit mythologischen und zeitgeschichtlichen, mit existenziellen und brisanten Themen wie Terrorismus, Religion, Pathos, Gewalt, Liebe oder Angst. Politische oder religiöse Symbole tauchen häufig in ihren Werken auf, sie arbeitet inhaltlich, ohne im Privaten zu verbleiben. In ihren Zeichnungen sind Figuren und Landschaftsmotive häufig von Texten in verschiedenen Schattierungen umgeben.

Brigitte Waldach zeichnet großformatig, häufig sind es mehrteilige Bilder, bei denen sich Linien und Schrift zu einem komplexen Motiv vereinen.

1966 geb. in Berlin / 1991-93 Studium Kunstpädagogik an der HdK Berlin / 1991-96 Studium Germanistik an der TU Berlin / 1996-2000 Hochschule der Künste Berlin (Georg Baselitz) 2000 Postgraduierten-Stipendium in New York / 2001 DAAD-Stipendium in New York,Projektstipendium Berliner Senat / 2004 Projektförderung Berliner Senat / 2005 Atelierstipendium in der Backfabrik Berlin / 2007 Stipendium ifa – Institut für Auslandbeziehungen in São Paulo
www.waldach.com

Pressegespräch: Mittwoch, 13.11. 2019, um 11 Uhr

http://marburger-kunstverein.de/

Ausstellungseröffnung: Freitag, 15.11.2019, um 18 Uhr

kostenlose Führungen: jeden Samstag um 16 Uhr mit Friederike Hagel
Zeichnen am Abend: Donnerstag, 21.11. und Montag, 9.12.2019, jeweils um 18 Uhr
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