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1000 Jahre Leidenhofen - im kommenden Jahr 2018 wird gefeiert.

 
Am Ortseingang, von Dreihausen kommend
Im kommenden Jahr 2018, wird das 1000-jährige Bestehen des Ortes Leidenhofen gefeiert. Vorab einige Informationen über diesen Ortsteil von 35085 Ebsdorfergrund.

Eine Abhandlung zur Erforschung der mittelalterlichen
Kulturlandschaftsentwicklung in der Gemarkung Leidenhofen
(Stefan Riedesel).

Diese umfangreiche Abhandlung in ganzer Länge, die zwei weitere Wüstungen in der Feldgemarkung von Leidenhofen beschreibt, wird in der Chronik der Gemeinde Leidenhofen erscheinen, die anlässlich der 1000-Jahrfeier veröffentlich wird.

Ein Ausschnitt aus dieser Abhandlung über die Wüstung Herzhausen, südöstlich vom Ortskern, hier schon mal vorab zur Einstimmung:

Herzhausen

Herzhausen, im Volksmund auch Etschhausen genannt, ist eine größere mittelalterliche erst relativ spät wüst gefallene Töpfersiedlung. Diese Siedlung befand sich 1,5 km südöstlich von Leidenhofen im Tal des Seltengroß-Baches, auf einer Höhe von 257m. Die folgende Kartenskizze zeigt Herzhäuser Flurrelikte, Keramik- und Hüttenlehmfunde, Töpferöfen sowie eine Mühlenwüstung in der Gemarkung von Leidenhofen.

Lagis-Hessen, Pläne und Grundrisse. Herzhausen in der Gemarkung Leidenhofen
[1966] Horst Kern, Siedlungsgeographische Geländeforschungen im Amöneburger Becken und seinen Randgebieten (Marburger Geographische Schriften 27), Marburg 1966, S. 78

In Herzhausen gab es sauberes Wasser, reichlich Holz und genügend Abstand zu anderen Dörfern, denn wegen der Brandgefahr durften diese Handwerker ihr Tagewerk nur in unbewohnten Gegenden ausüben. Der Hauptgrund für eine Ansiedlung von Töpfern wird aber sicher das reiche Schlufftonvorkommen in der Leidenhöfer Feldgemarkung gewesen sein. Bei Verkopplungsarbeiten im Jahre 1923 wurden schubkarrenweise Tonscherben gefunden die in der Folge für den Wegebau Verwendung fanden. Auf dem Flurstück “Aullofen” konnte bei Geländebegehungen ein Töpferofen lokalisiert werden. Im Zuge der Verkopplung wurde dieser eingeebnet, aber noch heute ist an dem ehemaligen Standort des Ofens, der sich unter einer Wiese befindet, eine leichte Erhöhung zu erkennen. Die Bewohner von Herzhausen verfügten einst sogar über eine eigene Kirche. In der Feldgemarkung von Herzhausen befindet sich ein Flurstück mit dem Namen "das Maeuer" (Mäuer / Gemäuer). Das Hessische Landesamt für geschichtliche Landeskunde geht bei diesem Flurstück von einer frühzeitlichen Siedlung aus. Mauern von Siedlungsresten, die zur Bewässerung, Begrenzung und Sicherung der einstigen Siedlung dienten, werden wohl einst diesem Flurstück seinen Namen gegen haben.

Seinen Namen verdankt dieses einstige Dorf dem Herzbach, welcher östlich der Flur Amtmannsloch verläuft. Herzhausen wurde erstmals 1358 im Güterverzeichnis des Deutschen Ordens als “Hirzhusen” westlich der Kriegerstraße erwähnt. In der Folgezeit haben sich die Besitzverhältnisse dann offenbar geändert, denn seit mindestens 1414 war die adlige Familie “von Schutzbar genannt Milchling” von den hessischen Landgrafen mit dem Dorf Herzhausen belehnt. Landgräflich belehnt waren sie Besitzer der Wüstung Herzhausen “mit allem Zubehör und Nutzung, mit Grund und Boden” und dieses Lehen gehörte ihnen als freies Rittergut. Nach Diefenbach ist Herzhausen zwischen 1491 und 1537 wüst gefallen. Diese Erkenntnis widerlegt die landläufige Meinung, wonach Herzhausen dem 30-jährigen Krieg in der Zeit von 1618 - 1648 zum Opfer fiel. Ein Dokument aus dem Jahr 1500 grenzt den Zeitraum des Wüstfallens noch etwas genauer ein. Dort werden die Bewirtschafter der Herzhäuser Ländereien aufgezählt, die den Milchlingen Abgaben leisten mussten. Einige von Ihnen wohnten bereits in Ebsdorf und Leidenhofen, aber es werden auch Namen von Bewirtschaftern genannt, die wohl noch in Herzhausen selbst ansässig waren. Dies sind: Henz Helprichs, Cloß Stolz, Dilsen Enders, Conz Grompel und die Erben des Birlach Gebeln. Außerdem wird vermerkt, dass Lochn Henz dort früher auch ein Gut bewirtschaftet hatte.
Die Gemeinde Leidenhofen beansprucht 1537 gegenüber den “von Schutzbar genannt Milchling” die Gemarkung der Wüstung Herzhausen, denn das Dorf Leidenhofen hatte zu diesem Zeitpunkt bereits die ehemalige Wirtschaftsfläche von Herzhausen in seine eigene Gemarkung integriert. Im Jahr 1604 sind 17 Bauern aus Leidenhofen, 2 Bauern aus Ebsdorf und 1 Bauer aus Winnen in Herzhausen begütert. Den Zehnten mussten diese hörigen Bauern noch 1753 an die Wolff´schen Erben abführen. Im Jahr 1851 verkaufen die “von Schutzbar genannt Milchling” dem Leidenhöfer Bauer Johannes Gombert, Philips Sohn, 70 ¾ Acker und 2 ½ Ruth ihres Besitzes in Herzhausen.

Die Chronik wird noch von verschiedenen Autoren bearbeitet und bis zum Jahresende fertiggestellt.

https://www.myheimat.de/marburg/kultur/neue-kircht...
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