Anzeige

Mit dem Rad nach Holland ins Land der Räder - das war im Jahre 1960, Nostalgie pur

Am Heisterberger Weiher eine erste Rast
 
. . . da pfeift der Wind so kalt.
Im Sommer 1960 bin ich mit dem Fahrrad von Cappel nach Holland gefahren. Vom 13. bis 27. Juli war ich unterwegs. Da man damals noch nicht mit 18 Jahren volljährig war, sondern erst mit 21 Jahren, gab es zu Hause lange und heftige Diskussionen. Ich war erst 17 und meine Eltern gaben nur sehr widerwillig grünes Licht zu dieser Auslandsreise. Ich musste mich verpflichten, jeden Tag eine Karte zu schreiben, wo ich mich befand. Am Morgen des 13. Juli fuhr ich also mit ungutem Gefühl und schlechtem Gewissen los. Über den Westerwald, kleine Rast am Heisterberger Weiher, fuhr ich über Linz, mit der Fähre über den Rhein, nach Altenahr. Das war für den ersten Tag eine gewaltige Strecke und auch die längste Distanz der gesamten Reise. Für die ca. 200 km brauchte ich ungefähr zwölf Stunden. In der ältesten Jugendherberge Deutschlands, in Altenahr, habe ich übernachtet. Nach ausgiebiger Nachtruhe und gutem Frühstück, ich war der letzte Gast, fuhr ich von dort über die Eifel nach Aachen. Hier kam ich in eine Situation, die mich fast in den amerikan. Militärknast gebracht hätte. Bei Ettelsberg, kurz vor Bad Münstereifel, gab es damals eine Radio-Teleskop-Anlage der Amerikaner. Die wurde von Soldaten bewacht, ich bin dort über einen nicht einsehbaren Weg hinein gefahren und wurde sofort von zwei Soldaten eskortiert und zur Wache gebracht. Ich war kein Spion oder Terrorist, also durfte ich mit Begleitung das Gelände wieder verlassen. Zwischen Monschau und Aachen kam ich wieder mit Uniformierten in Berührung. In der Nähe von Roetgen gab es eine Abkürzung, die ich nahm. Plötzlich hatte ich zwei belgische Zollbeamte vor mir, die mir die Weiterfahrt verwehrten.
Ich sah ja nicht wie ein Spion aus, also durfte ich nach Belehrung weiterfahren.
In Aachen habe ich meine zweite Nacht in der dortigen Jugendherberge verbracht.
Am nächsten Tag bei Vaals über die Grenze, dann war ich schon in Holland. Jetzt war das Radfahren natürlich bequemer, denn es gab keine Berge mehr zu erfahren. Die höchste Erhebung in Holland, liegt bei Maastricht mit gerade mal 322 m über NN.
In der Provinz Limburg bin ich nach Norden gefahren, mein Ziel war Amsterdam. Die nächste Nacht verbrachte ich in der Jugendherberge in Beegden. Inzwischen begann ein Nieselregen, der die nächste Zeit nicht mehr aufhörte. Das war aber nicht so unangenehm, denn es war ja Hochsommer. In Gorinchem/Arkel schlief ich die nächste Nacht, dann war ich schon in Amsterdam, hier blieb ich zwei Tage. Eine tolle Stadt, da sollte man länger bleiben. Aber ich hatte nur zwei Wochen Urlaub, also weiter radeln. Über Haarlem, Leiden nach Den Haag, an der Küste entlang, auch hier blieb ich zwei Tage. Über Rotterdam ging es langsam schon wieder Richtung Heimat, also Wind im Rücken. Über Gouda, der Käsestadt, nach Utrecht zur Jugendherberge in Bunnik. Weiter über Arnheim, auch hier blieb ich zwei Tage, dann über Nijmegen nach Düsseldorf, in die JH in Oberkassel, direkt am Rhein. Über Köln, am Rhein entlang, nach Bad Ems, hier verbrachte ich die letzte Nacht. Die letzte Strecke nach Hause, fiel mir am schwersten, einmal aus physischen, aber auch aus psychischen Gründen, denn nun war der schöne Urlaub zu Ende. Es war eine tolle Radtour, später bin ich öfters mit dem Auto in Holland unterwegs gewesen um Urlaub zu machen. Aber dann mit dem Auto hingefahren und dort aufs Rad.
2
5 2
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
2 1
1
1
3 1
2
1
0
Lesen Sie auch die Bildkommentare zum Beitrag
5 Kommentare
12.137
Christine Eich aus Wetter | 04.12.2012 | 14:46  
2.123
Eberhard Dersch aus Marburg | 04.12.2012 | 16:21  
15.297
Volker Beilborn aus Marburg | 04.12.2012 | 17:47  
2.123
Eberhard Dersch aus Marburg | 04.12.2012 | 20:20  
9.354
Hans-Christoph Nahrgang aus Kirchhain | 04.12.2012 | 21:14  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.