Rein nach Mannheim

(Foto: Stefan R. / pixelio.de)
Mannheim: Schloss | Wir beginnen unsere Besichtigung von Mannheim an einem speziellen Ort. Wir haben uns mit dem Hafenpfarrer verabredet im Hafen von Mannheim. Der Grund ist auch, weil Mannheim den größten Binnenhafen und bedeutendsten Umschlag von Waren auf dem Wasserweg in Europa hat. Pausenlos werden Lastschiffe be- und entladen. 20 000 Menschen ungefähr sind allein im Hafen beruflich tätig. Der Pfarrer hat ein relativ kleines Motorboot mit dem wir durch die Hafenkanäle und über Rhein und Neckar schippern können. Entweder plaudert er kurz per Funk mit den Schiffern oder aber wir gehen an Bord. So ein Rheinlastschiff ist riesig, meist sind ganz vorn und ganz hinten zwei Wohnungen vorhanden. Meist ist ein Schiffer die Woche über unterwegs und legt am Wochenende in seinem Heimathafen an. Direkt am Hafen ist einer der größten Rangierbahnhöfe Europas zu finden. Wer sich fragt, warum heute noch Waren auf dem Rhein, statt über LKW oder Schiene transportiert werden, der findet die Antwort in der Wirtschaftlichkeit. Zwar braucht ein Schiff von Köln nach Mannheim länger als ein LKW, aber ein Schiff kann bedeutend mehr Waren beladen und ist auch im Energieaufwand billiger als das Auto, weil es den Auftrieb des Wassers nutzt.

Die Quadrantenstadt

Und sprachlich ähnlich begeben wir uns zu den Planken. Vorher durchlaufen wir noch die Quadranten, denn Mannheim ist die Quadrantenstadt oder Quadratestadt in Deutschland und evt. sogar in der Welt. In den USA werden ja oft Straßen nummeriert, hier sind aber die Häuserblöcke durchgezählt worden,  zum Beispiel A1 oder H3 sind auch Postadressen, die Straßen haben keine Namen. Dies ist keine neue Erfindung, denn schon im 17. Jahrhundert wurde die Stadt so strukturiert. Und der Einheimische kann am Quadrat die soziale Stellung ablesen. Wir erreichen die Mannheimer Planken. Heute ist das die Hauptgeschäftsstraße in Mannheim, dort sind auch viele große Kaufhäuser zu finden und der Name stammt nicht aus dem Hafen, sondern hier waren früher die Palisaden zwischen Zitadelle und Stadt. Am Ende der "Planken" treffen wir auf den Mannheimer Wasserturm, ein Wahrzeichen der Stadt. Früher war er tatsächlich ein Wasserturm, der die Stadt mit dem flüssigen Nass versorgt hat. Das ist deswegen so erstaunlich, weil sich die Mannheimer auch ihr Wasser aus dem Rhein besorgen können.

Mannemer Dreck

Damals gab es ja weder Autos noch Chemiefabriken oder Kernkraftwerke. Aber schon vor 200 Jahren wollte sich der Kurfürst besseres Wasser aus Heidelberg besorgen und so wurde es auch getan. Das Wasser wurde mit dem Wagen aus Heidelberg herangefahren und auch in den Wasserturm gefüllt. Und so spazieren wir wieder zum großen Wasser, dem Rhein, werfen einen Blick auf die gigantischen Brücken zwischen Mannheim und Ludwigshafen und in Ludwigshafen selbst und besichtigen nun das Mannheimer Schloss, direkt am Rhein. Der Großteil des Schlosses ist im Barockstil erbaut worden und belegt mehr als 6 Hektar und ist damit nach Versailles das zweitgrößte Schloss in Europa. Neben den Kunstschätzen und Sammlungen bewundern wir den exakten Nachbau von dem Schloss, das im letzten Krieg fast vollständig zerstört worden ist. Wir beschließen den Tag in einem Restaurant am Rhein, schauen den Schiffen zu und lassen uns vom Kellner Mannemer Dreck bringen oder auch Monnemer Dreck, das typische Makronengebäck aus Mannheim. Und wenn wir Glück haben spielt die Musikbox dazu das passende Lied von der Mannheimer Sängerin Joy Fleming.
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