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Dämonen-Lesung mit Jürgen Domian

Jürgen Domian beim Vortrag
 
Jürgen Domian mit Schatzkistenfrage
 
Zuhörerschaft
Mainz: Frankfurter Hof |

Eine Meisterleistung vollbrachte das Veranstalter-Team um Jürgen Domian, als nach 2 Absagen seine Lesung Dämonen am 06. April im Frankfurter Hof in Mainz stattfand und dazu 3 Bestuhlungspläne miteinander kombiniert werden mussten, was zur vollsten Zufriedenheit der knapp 300 BesucherInnen erfolgte.

Der vor Allem über das nach ihm selbst benannte und zwischen 1995 und 2016, also über 20 Jahre mit mehr als 20.000 Interviews also 20.000 Leben, Schicksale und Geschichten, gelaufene, nächtliche WDR-Talkformat bekannte Radiomoderator hat Zugkraft.
Eine erwartungsvolle Zuhörerschaft erfuhr zunächst in schonungsloser Offenheit einige Elemente aus seiner Biografie, ehe zwei – ein größerer und dann kleinerer Block – Lesung von einer Fragerunde unterbrochen wurde, zu der die Gäste ihre Anliegen vor Beginn schriftlich formuliert hatten.

Die Gag überfrachtete, von zahllose Comedians geprägte Gegenwart stellte Domian in direkten Gegensatz zur Stille, die sowohl sein Buch Damönen: Hansens Geschichte ISBN: 978-3-579-08691-0, Gütersloher Verlagshaus, als auch die eigenen Erfahrungen tragen.
In jedem Buch, so seine Überzeugung ist Autobiografie des Autors enthalten und so hat sein Protagonist gleiches Geburtsdatum und Alter, während Jürgen Domian sich seinerseits gerne und oft in die nordische Stile und Einsamkeit Lapplands zurückzieht. Wirklich ganz allein, schweigend, kein Handy, kein Internet, gar Nichts, nur schlafen und wandern, was zumindest am Anfang immer sehr schwere Zeiten sind.

Früher glühender Christ entstanden erhebliche Zweifel da ihm Niemand erklären konnte, weshalb der Dreieinige Gott der wirklich einzige sei. Erst die über viel Suche im Zen Buddhismus entdeckte Mystik führte ihn auch wieder an das Christentum heran und legt gleichzeitig offen, wo dessen Schwäche begründet ist: eben die verlorene, wie unterdrückte Mystik.
Eigene Lebenskrisen, wie bsw. Bulimie, die gesundheitlichen (Lichtmangel) Belastungen und sozialen Einschränkungen der Nachtarbeit, sowie die zahllosen tief gehenden Erfahrungen mit seinen Talkpartner machen Jürgen Domian zu einer überaus authentischen und in jeder Phase um absolute Seriösität bemühte Persönlichkeit.

Mit eingeblendeten Texten aus dem Buch der Weisheit begann die Lesung, welche keine normal konventionelle, sondern eine inszenierte ist, welche von John von Düffel vom Deutschen Theater Berlin erarbeitet wurde und auf Audioeinspielungen, Licht und Elementen basiert.
Domian selbst umschreibt sie so: die Stille und der Tod sind meine Themen, denen ich mit Hansen auf den Grund gehe.

Hansen hat das Leben satt. Er ist gesund, nicht depressiv. Er hat einfach genug. In einer Winternacht in Lappland will er sich nackt in den Schnee legen und sterben.
Schon im Sommer bricht er auf in den Norden. Doch statt den Frieden des Abschieds bringt dieser Rückzug den Kampf: Die Dämonen der Stille fallen ihn an.
Somit ist die Handlung des Buches die Geschichte eines angekündigten Todes.

"Ich begleite ihn dann von Juni bis Dezember und begleite ihn auch dabei, wie er gegen die Dämonen seines Lebens zu kämpfen hat: die Dämonen des Bösen, der Schuld, der Versuchung, der Trägheit und so weiter. Denn all das komme an die Oberfläche, wenn man allein sei. Wenn man überhaupt nicht abgelenkt ist, so wie wir hier alle in unserem Alltag ständig abgelenkt werden, bricht Alles aus einem hervor, aber wirklich alles: all die Verletzungen, die man erlebt hat, aber auch all das, was man anderen Menschen angetan hat, und man hat es vor Augen, vor den inneren Augen und muss sich damit auseinandersetzen.", umschreibt Jürgen Domian sein Werk.

Aus einer “Schatzkiste“ entnahm Domian zur Publikumsrunde einige von dessen Fragen. Es mag im Laufe der Leserreise sicher auch bessere geben, doch die Offenheit von Fragenden, wie Moderator führten zu einem gehaltvollen Dialog.
Jürgen Domian hat in seiner Laufbahn in so viele Abgründe zwangsläufig sehen müssen, dass er natürlich damit auch konfrontiert worden ist, was bei anderen Menschen ansteht.
So glaubt er, stark in der Palliativmedizin engagiert, dass selbstbestimmtes Sterben richtig sei,
obwohl die Selbsttötung eines der größten Tabus in Deutschland oder in unserer westlichen, christlich geprägten Gesellschaft ist. Damit beschäftigt sich das Buch am Anfang auch, und Hansen stellt sich die Frage, muss man leben, nur weil man lebt. Domian propagiert, dass ein selbstbestimmtes Sterben immer gut und immer richtig ist. Voriges Jahr war die große gesellschaftliche Debatte über die Sterbehilfe und er sieht sich seit Jahren als Werber für die Sterbehilfe, bzw. für den assistierten Suizid. Bei den Diskussionen, während der Auseinandersetzungen, war zu bemerken, wie schwierig es ist, zu überzeugen. Das für ihn unbefriedigende Resultat ist ein Gesetz, das letztendlich noch schwieriger und restriktiver ist als vorher. Selbst in diesem Fall bereitet es große Probleme, eine Akzeptanz der Selbsttötung zu finden, geschweige denn, wenn jemand wie Hansen weder körperlich noch geistig erkrankt ist, sondern einfach an einen Punkt geraten ist in seinem Leben, wo er sagt, ich habe ausgelebt, ich möchte nicht mehr.
Gerade dazu ist sein Buch auch inspiriert durch seine Sendung, in der immer wieder Gäste genau diesen Wunsch geäußert haben. Auch wenn es grundsätzlich richtig ist, sich Gedanken zu machen, da oftmals ja wirklich Probleme seelischer Art dahinter stecken, wie eine Depression oder irgendwelche andere gravierende Dingen. Dennoch gibt es nach Einschätzung von Domian eben auch den Punkt, und an dem stand er einige Male während der Sendung, in der Live-Situation, wo er merkte, diese Person hat das Alles wirklich klar durchdacht, und er kam sich dann beinah übergriffig vor, den Gesprächspartner noch weiter vom Leben überzeugen zu wollen und hat dann, was sehr ungewöhnlich und sicher auch polarisierend ist, gesagt: ja, wenn Du das so siehst und Du mit Dir im Reinen bist, dann ist das Dein Weg.

In der sich anschließenden, bis kurz vor Mitternacht gehenden Signierstunde nahmen dann noch Viele nach einem erfüllten Abend ihre persönlichen Worte von Jürgen Domian auf den eigenen und keineswegs nur Nachhause-Weg mit.


Erich Neumann, freier investigativer Journalist
über DFJ Deutsche-Foto-Journalisten e. V. www.dfj-ev.de
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