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Nathusius, Porzellan- u. Steingut-Fabrik in Althaldensleben (1826 – 1847)

Cabaret um 1840, Nathusius
 
Kuchenkorb um 1828, Nathusius
Gründer der Fabrik war der Kaufmann Johann Gottlob Nathusius (1760 – 1835), einer der bedeutendsten Industriellen Deutschlands und Unternehmerpionier der industriellen Frühzeit. Durch Gründung der Tabakfabrik „Richter und Nathusius“ gelangte er zu Wohlstand und war zu Beginn des 19. Jh. der reichste Bürger Magdeburgs. Während der französischen Besetzung und der Eingliederung des Herzogtums Magdeburg in das Königreich Westfalen war er als Abgeordneter des Elbedepartements mehrfach in Kassel und lernte dort seine spätere Frau Luise, geb. Engelhard (1787 – 1875) kennen. Die politischen Gegebenheiten und Entwicklungen nutzend, erwarb er 1810 das in der Nähe von Magdeburg gelegene Kloster Althaldensleben und 1811 das angrenzende Barockschloß Hundisburg. Hier entstand in den Folgejahren der erste Industriekonzern Deutschlands mit über 30 Betrieben. Nathusius war Initiator des Zichorienanbaus, beschäftigte sich mit Obstanbau und Gartengestaltung und betrieb u.a. eine Steingut-, Rübenzucker-, Nudel-, Essig-, Likör-, Käse-, Mostrich-, Graupen-, Wein- und Maschinenfabrik.
Weniger auf Gewinn trachtend, sondern mehr seinen eigenen künstlerischen Ambitionen folgend, nutzte er die Erfahrungen aus seiner Steingutfabrik, warb einen Fachmann aus Frankreich an und gründete als letzte Unternehmung nach vielen eigenen Versuchen 1926 die Porzellanfabrik.
Die Rohstoffe bezog die Fabrik aus der Nähe von Halle, die auf dem Wasserweg über Saale und Elbe bis Magdeburg transportiert und dann mit Pferdegespannen nach Althaldensleben gebracht wurden. Als Brennmaterial wurde Holz aus dem eigenen Forst und den umliegenden Wäldern genutzt.
Die Arbeiter waren überwiegend geschulte Kräfte aus einem Magdeburger Betrieb (Fayence- und Steingutmanufaktur Guischard? D.D.) aber auch aus Süddeutschland und Franzosen aus den Hugenottenkolonien.
In hoher Qualität wurde Haushaltsgeschirr, aber auch Luxusartikel wie Vasen, Büsten, Statuetten und dgl. hergestellt. Besondere Spezialität war die Produktion von Pfeifenköpfen.
Magnus von Pontin schreibt 1830 in „Bemerkungen über Natur, Kunst und Wissenschaft auf einer Reise über Berlin und den Harz nach Hamburg“, Meissner, Hamburg 1832, Seite 135: „Die Porzellan-Fabrik ist nächst der berliner (gemeint KPM, D.D.) die bedeutendste in Hinsicht der Menge und Güte der Arbeit“. Tatsächlich hatte sich die Porzellanfabrik von Nathusius zu einer ernsthaften Konkurrenz gegenüber der königlichen Manufaktur entwickelt. So beschwert sich Frick (Direktor KPM 1832 – 1848) bei der Überreichung der Jahresabrechnung 1837 an das Finanzministerium: „.., die Nathusiussche Porzellanfabrik in Althaldensleben ..... hier beinah an allen Orten mit ihren Auktionen..“. Während J.G. Nathusius noch auf dem Sterbebett 1835 über den weiteren Ausbau der Porzellanproduktion nachdenkt, übernehmen die Söhne Hermann Engelhard (1809 – 1879) und Phillipp Engelhard (1815 – 1872) nach dem Tod den Industriekomplex. Die Gründung des Zollvereins verstärkt die Konkurrenz aus Thüringen; die Produktion wird zunehmend unwirtschaftlicher durch fehlen einer Bahnverbindung; Steinkohle als Brennmaterial fehlt und letztlich haben die Söhne überwiegend andere Interessen (Landwirtschaft, Tierzucht, Dichtung). Diese Einflüsse tragen zum langsamen Niedergang des Porzellanbetriebes bei. Gute Mitarbeiter wechseln zur Buckauer Porzellanmanufaktur oder bauen selbständig eigene Unternehmen auf. 1847 wird die Porzellanproduktion und 1851 dann auch die Steingutfabrikation aufgegeben.

Porzellan von Nathusius wurde 1871 im Museum von Sèvres gezeigt; die Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen ist im Besitz einer Ansichtentasse von Schillers Haus an der Esplanade von 1830, das Museum in Haldensleben zeigt ein Service. Recht selten tauchen noch Stücke auf Kunstauktionen auf.

Als Unterglasurmarken wurde ein dicker Strich und das lateinische N verwendet. Auch die Marken lateinisches N unter Strich und NPM unter Strich werden der Fabrik von Nathusius zugeschrieben.

Diese Kurzbeschreibung ist Ergebnis privater Initiativen zur Aufarbeitung und Publikation beinahe vergessener Porzellanbetriebe.
Hinweise, Quellen, Fotos, Erlebnisberichte, Leihgaben für Dokumentation oder ggf. Kaufangebote zur vorstehenden Manufaktur oder anderen Herstellern in Sachsen-Anhalt sind ausdrücklich erwünscht unter:

Weitere Informationen und Kontakt unter http://vergangene-schaetze.de/
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