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Der Einfluss von Werken der Düsseldorfer Malerschule auf Magdeburger Porzellan

Jakob Becker, „Heimkehr des Soldaten“, Porzellanpfeifenkopf, Berliner Form, Nathusius Porzellanfabrik Althaldensleben, H.: 13,5 cm, Porzellanmalerei wohl bei Carl Heyroth Magdeburg – Sudenburg, Nachweis: D1560
 
Jakob Becker, „Des Soldaten Heimkehr“, „The Solders Return“, Stahlstich Albert Henry Payne, 23 x 17,5 cm, Nachweis: D1568
(3.Änderung/Ergänzung, 27.07.2015) In der Zeit zwischen 1826 bis 1853 entstanden die nachfolgend als „Magdeburger Porzellan“ bezeichneten Produkte. Eine Zeit des aufstrebenden Bürgertums, der industriellen Revolution, des Biedermeier und der Entwicklung fortschrittlicher Kunst. Die Zentren der bildenden Künste waren in Preußen die Düsseldorfer Malerschule und die Kunstakademie in Berlin. Kunstvereine, Ausstellungen und die neu entwickelten Reproduktionstechniken Stahlstich und Lithographie informierten über die Werke der Künstler. In geselliger Runde, in Raucherklubs oder Kaffeekränzchen wurde über die Arbeiten diskutiert. Als Raumausstattung hatte sich die Vitrine und der Sekretär mit Birke- oder Mahagonifurnier durchgesetzt. Durch die Einführung der Gewerbefreiheit war Porzellan nicht mehr fürstliches Privileg, sondern die Gründung vieler privater Porzellanmanufakturen ermöglichte die Herstellung billigerer vergleichbarer Stücke. Als Ausdruck des Wohlstandes, der Gesinnung und des Kunstinteresses fand Porzellan nun breiten Eingang in das bürgerliche Leben. Ausstellungsstücke, überwiegend bemalte Tassen, in bzw. auf den Biedermeiermöbeln, Lithophanien als Bildschirme am Fenster, als Lampe oder Stövchen und die bemalten Porzellanpfeifen gehörten zum Auftreten jener Zeit. Als Porzellandekor wurden eine Vielzahl von Motiven verwendet, worunter Genremalereien zeitgenössischer Maler beliebte Vorlagen waren. Somit diente Porzellan als Reproduktionsgrundlage zur Verbreitung von Kunst.

Die nachfolgenden 41 Beispiele, davon 15 Porzellanmalereien und 26 Lithophanien, zeigen Magdeburger Porzellan, für das 34 Werke von 17 Düsseldorfer Malern als Vorlage dienten. Im vorliegenden Zusammenhang wird Magdeburger Porzellan definiert:

- Erste private preußische Lithophanie-Produktion von Carl Heyroth & Co., Porzellanfabrik Magdeburg-Sudenburg (Lithophanieproduktion 1844 – 1853)
- Lithophanien der Buckauer Porzellanmanufaktur (Lithophanieproduktion 1850 – 1853)
- Porzellanmalerei 1830 – 1853 mit Verdacht 15) auf Magdeburger Urheberschaft, Carl Heyroth 1830 – 1853

Die Recherchen zu dem Thema sind noch nicht abgeschlossen. Die Beispiele zeigen einen Arbeitsstand.

Ergänzungen/Hinweise/Kontakt gerne unter:
bpm-porzllan@t-online.de




Anmerkungen

1) Die Bezeichnung „Blair“ bezieht sich auf Museumsinventar des Blair Museum of Lithophanes in Toledo, Ohio, USA, deren Fotos, Abmessungen und Inventar-Nummern Frau Dr. Margaret Carney freundlicherweise zur Verfügung gestellt und die Veröffentlichung ausdrücklich gestattet hat.
2) Abbildung siehe unter Wolfgang Metternich, J. Becker Der Lehrer der Kronberger Maler, Verlag Kramer, Frankfurt a.M., 1991, Seite 24
3) Nachweise mit “D” beginnend befinden sich in Privatbesitz,
4) auch im Hampshire County Council Museum, Inventar-Nr.: 1980.22.2,
5) Jahresangabe variiert: bei Metternich 1842, bei Hütt und bei Baumgärtel, Die Düsseldorfer Malerschule, 1840 datiert
6) „Kaufte weiße und bunte Porzellane aus franz. und deutschen Fabriken, ließ sie vergolden und bemalen. Stand mit der Steingut- und Porzellanmanufaktur Johann Gottlob Nathusius in Altaldersleben, Porzellanfabrik Christian Fischer & Christoph Reichenbach in Pirkenhammer wegen Porzellan in Verbindung. Meißner Porzellan war ihm zu teuer, dieses verarbeitete er nicht.“ (Pazaurek, Gustav E., Deutsche Fayence- und Porzellan-Hausmaler, Leipzig, Bd. 2/1925, S. 482.)
7) Zur Tasse gehört eine Untertasse, auf deren Abbildung im vorliegenden Zusammenhang verzichtet wurde,
8) auch Lithophanie KPM Berlin, Modell: KPM 128N, 32,4 x 25,4cm (Blair-Nr. 665)
9) siehe Lostart, Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin, Gemäldesammlung Potsdam, Bereich Suchmeldungen, Literatur: Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Zerstört, entführt, verschollen. Die Verluste der preußischen Schlösser im Zweiten Weltkrieg, Gemälde I, Potsdam 2004, S. 324
10) siehe Lostart, Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin, Gemäldesammlung Potsdam, Bereich Suchmeldungen, Literatur: Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Zerstört, entführt, verschollen. Die Verluste der preußischen Schlösser im Zweiten Weltkrieg, Gemälde I, Potsdam 2004, S. 325 (mit Abbildung wie Lithophanie!), Schloss Charlottenburg (B-CH-SCHL) - Neue Kammern - Neues Palais - nach dem 27. März 1946 in die Sowjetunion abtransportiert (Kiste 3),
11) vergl. Margaret Carney, Lithophanes, Schiffer Publishing Ltd. 2008, Seite 107, „Lieber Gott, mach mich fromm“, Blair-Nr. 1664
12) der Porzellanmaler zeichnete die Konturen des Bildes verkleinert auf Papier, wickelte diese auf der Tasse ab und malte sie mit polychromen Muffelfarben aus. Diese Technik führt zu einer spiegelverkehrten Wiedergabe des Bildes.
13) Zur Tasse gehört eine Untertasse, auf deren Abbildung im vorliegenden Zusammenhang verzichtet wurde,
14) Vergl. Friedrich von Boetticher, Malerwerke des neunzehnten Jahrhunderts, 2. Bd.; Seite 1005, Werner, Hermann, lfd. Nr. 7,
15) Zuschreibung von Porzellanmalerei ist in dieser Zeit problematisch, weil nicht signiert und Weißware auch an andere Standorte geliefert wurde. Carl Heyroth betrieb von 1830 bis zur Gründung seiner Porzellanfabrik 1844 eine Porzellanmalerei, in der er bis zu 35 Arbeiter beschäftigte.

Weitere Informationen und Kontakt unter http://vergangene-schaetze.de/
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