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Lebensarbeitszeit: An der Rente mit 69 führt kein Weg vorbei 6.6.2018

Lebensarbeitszeit: An der Rente mit 69 führt kein Weg vorbei
WIRTSCHAFT
von Dorothea Siems

Experten sehen einen vierfachen Vorteil des längeren Arbeitens. Aber auch an anderen Stellschrauben wird die Regierung drehen müssen. Bürger können als „Rentenminister“ selbst testen, wie schwer das für die Politik ist.

Die zehn Männer und Frauen, die erstmals an diesem Mittwoch in Berlin zusammenkommen, sollen nichts weniger als ein Wunder vollbringen. Die Sozialexperten haben von der Bundesregierung den Auftrag erhalten, ein Konzept zur langfristigen Stabilisierung des Rentensystems zu erarbeiten. Dabei sollen sie nicht nur verhindern, dass der Beitragssatz als Folge der Alterung durch die Decke geht. Auch das Rentenniveau – also die Rente im Verhältnis zum Lohn – soll dauerhaft stabilisiert werden. Und da Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) erklärtermaßen auch die gesetzliche Altersgrenze keinesfalls anheben will, gleicht die Aufgabe der neuen Rentenkommission der Quadratur des Kreises. Zumal auch die vierte Unbekannte in der langfristigen Rentenrechnung, der steuerfinanzierte Bundeszuschuss, schon heute mit rund 90 Milliarden Euro ein Drittel der gesamten Ausgaben des Bundes umfasst und an eine Grenze stößt.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat das private Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos beauftragt, die unterschiedlichen Handlungsoptionen einmal durchzurechnen. Ab 2025 wirkt sich der demografische Wandel unausweichlich massiv auf das Rentensystem aus. Wenn dann die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand wechseln, müssen immer weniger Arbeitnehmer immer mehr Rentner alimentieren. Die Versicherer warnen die Rentenkommission davor, die Heraufsetzung der gesetzlichen Altersgrenze zu tabuisieren. Denn das Arbeiten im Alter – mit Lösungen für diejenigen, die bereits vorher nicht mehr arbeiten könnten – sei die beste aller Reformvarianten.

GDV und Prognos plädieren deshalb für die schrittweise Einführung der Rente mit 69. Nach geltendem Recht steigt die Altersgrenze von derzeit 65 Jahren und sieben Monaten schrittweise bis 2029 auf 67 Jahre. Die Versicherer wollen in den Folgejahren den Renteneintritt zunächst pro Jahr um einen Monat und später um zwei Monate hinausschieben, sodass Ende der 40er-Jahre die Regelaltersgrenze von 69 Jahren erreicht wäre.

„Eine verlängerte Lebensarbeitszeit bietet einen vierfachen Vorteil“, sagt Prognos-Rentenexperte Oliver Ehrentraut. So werde erstens die Finanzierungsbasis der Rentenversicherung stabilisiert, wenn die Menschen erst später in den Ruhestand gehen. Auch der Steuerzahler wird entlastet, weil der Bundeszuschuss dann ebenfalls weniger dynamisch ansteigt. Angesichts des wachsenden Fachkräftemangels profitiert von einem späteren Renteneintrittsalter auch der Arbeitsmarkt. Und letztlich ergibt sich überdies für jeden Einzelnen ein individueller Vorteil. Denn mit jedem zusätzlichen Beitragsjahr steigt der Rentenanspruch. Damit ist das längere Arbeiten auch eine gute Vorbeugung gegen Altersarmut.

Zusätzliche Lasten von 100 Milliarden Euro
Die Koalition hat bereits konkrete Maßnahmen angekündigt, die Minister Heil noch vor der Sommerpause in ein Gesetz gießen will. So ist beschlossen, dass bis 2025 das Rentenniveau auf dem heutigen Niveau von 48 Prozent gehalten wird und der Beitragssatz von derzeit 18,6 Prozent nicht über 20 Prozent klettern darf. Sollte diese „doppelte Haltelinie“ auch für die Zeit danach fortgeschrieben werden, kommen nach Berechnungen des Prognos-Instituts auf den Bundeshaushalt im Jahr 2040 zusätzliche Belastungen bis zu 100 Milliarden Euro zu. Damit geriete der Bundesetat völlig aus dem Lot, zumal auch ohne solche Zusatzlast der Bundeszuschuss im Jahr 2040 schon gut 157 Milliarden Euro beträgt. Ohnehin muss die Rentenkommission bei ihren Vorschlägen berücksichtigen, dass der demografische Wandel keineswegs nur in den Sozialkassen Finanzprobleme schafft, sondern auch die Steuereinnahmen wegbrechen lässt.
Quelle: https://www.welt.de/wirtschaft/article177040354/Le...
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 07.06.2018 | 03:15  
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Peter Perrey aus Neustadt am Rübenberge | 07.06.2018 | 11:22  
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Hans-Joachim Zeller aus Marburg | 07.06.2018 | 14:15  
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Peter Perrey aus Neustadt am Rübenberge | 07.06.2018 | 16:31  
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Hans-Joachim Zeller aus Marburg | 07.06.2018 | 21:32  
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Peter Perrey aus Neustadt am Rübenberge | 07.06.2018 | 22:45  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 08.06.2018 | 04:21  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 08.06.2018 | 04:21  
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Peter Perrey aus Neustadt am Rübenberge | 08.06.2018 | 08:08  
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Barbara S. aus Ebsdorfergrund | 08.06.2018 | 09:57  
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Peter Perrey aus Neustadt am Rübenberge | 08.06.2018 | 10:16  
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Hans-Joachim Zeller aus Marburg | 08.06.2018 | 13:50  
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Peter Perrey aus Neustadt am Rübenberge | 08.06.2018 | 14:37  
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Hans-Joachim Zeller aus Marburg | 08.06.2018 | 17:16  
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Peter Perrey aus Neustadt am Rübenberge | 08.06.2018 | 18:39  
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Hans-Joachim bartz aus Hattingen | 09.06.2018 | 02:40  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 09.06.2018 | 03:57  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 09.06.2018 | 04:02  
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Peter Perrey aus Neustadt am Rübenberge | 09.06.2018 | 06:59  
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Barbara S. aus Ebsdorfergrund | 09.06.2018 | 08:32  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 10.06.2018 | 01:42  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 11.06.2018 | 00:42  
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Peter Perrey aus Neustadt am Rübenberge | 11.06.2018 | 08:30  
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Barbara S. aus Ebsdorfergrund | 11.06.2018 | 08:44  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 11.06.2018 | 23:23  
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